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Wasserkonflikt im Hinterland der Nato

© dapd

13.02.2013

Zentralasien Wasserkonflikt im Hinterland der Nato

Streit um Wasser könnte militärische Auseinandersetzung auslösen.

Bischkek – Der usbekische Präsident Islam Karimow beschwor bereits die Gefahr von Kriegen – wenn des Baus von Dämmen. Die EU versucht nun im Wasserkonflikt zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken zu vermitteln. Seit Mittwoch berät die Europäische Union mit den zentralasiatischen Staaten nun das heiße Eisen auf Ministerebene in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek.

Offiziell ist das Ziel, „die Zusammenarbeit im Wassermanagement zwischen EU und den Staaten Zentralasien zu vertiefen“. Auch die EU-Sonderbeauftragte für Zentralasien, die deutsche Diplomatin Patricia Flor, reist an. Was wie eine halb wissenschaftliche, halb politische Veranstaltung klingt, könnte eine der letzten Möglichkeiten sein, einen großen regionalen Konflikt zu entschärfen.

„Die EU muss eine aktivere Rolle einnehmen“, sagte die Zentralasienexpertin der International Crisis Group, Deirdre Tynan, der Nachrichtenagentur dapd. „Es ist wichtig, dass die Wasserfrage nicht so angeheizt wird, dass er militärische Reaktionen auslöst“, warnt die Expertin der in Brüssel ansässigen Denkfabrik. Noch sei es nicht zu spät.

Im vergangenen Jahr erreichte der Streit um die Wassernutzung in der Region bereits Siedetemperatur. Usbekistan, am Unterlauf der Ströme Amu-Darja und Syr-Darja gelegen, schoss scharf gegen den Ausbau der Wasserkraft in Kirgistan und Tadschikistan am Oberlauf. Der usbekische Präsident Islam Karimow warnte im Sommer vor Kriegen, sollte Tadschikistan und Kirgistan Wasserkraftwerke ohne seine Zustimmung bauen.

Davon unbeeindruckt ließ der russische Präsident Wladimir Putin bei seiner Visite in Kirgistan im September ein russisches Investitionsabkommen unterschreiben, das einen Umfang von knapp 2 Milliarden Euro (2,5 Milliarden Franken) hat. Das Abkommen sieht den Bau des Wasserkraftwerk Kambar Ata 1 und eine Kaskade von kleineren Dämmen am Oberlauf des Narynfluss, dem wichtigsten Quellfluss des Syr Darja, bauen wird. Das noch zur Sowjetzeit angedachte Kraftwerk zählt zu einer der weltweit anspruchsvollsten Dammbauten.

Putin lud bei der Unterzeichnung des Abkommens die Länder am Unterlauf der Flüsse ein, sich an den Kraftwerken zu beteiligen. Während Kasachstan die Offerte annahm, verweigert sich Usbekistan. „Kirgistan bedauert, dass die Absage des offiziellen Usbekistan zu Dialog und Zusammenarbeit die Beziehung unsere beider Völker belastet“, erklärte das Energieministerium Kirgistans vorige Woche. Immerhin nehmen usbekische Vertreter an der EU-Konferenz in Bischkek teil.

Dabei hat Usbekistan im Wasserkonflikt schon längst die Samthandschuhe abgestreift. So hat es den Gashahn für Tadschikistan zugedreht und den Schienenverkehr in die Nachbarrepublik am Pamirgebirge unterbrochen.

Vor dem Hintergrund der Zuspitzung des Wasserkonflikts zeichnet sich ein gefährliches Wettrüsten ab. Russland, das in Kirgistan und Tadschikistan Militärbasen unterhält, sicherte nach einem Bericht der russischen Zeitung „Kommersant“ Kirgistan Waffengeschenke in Höhe von 800 Millionen Euro zu. Die Natostaaten rüsten Usbekistan auf. Vor allem Großbritannien bietet Usbekistan Waffen im Gegenzug für den Transit seiner Truppen aus Afghanistan an. Die deutsche Bundeswehr unterhält im südusbekischen Termes einen Luftwaffenstützpunkt. Mittelasien ist das Hinterland der Nato-Operationen in Afghanistan.

Der Afghanistankrieg könnte auf diese Weise ein paradoxes Ende finden: Während die Nato das Land am Hindukusch befriedet, wird die riesige Region nördlich davon vom Westen und Russland gemeinsam destabilisiert.

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