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Zahlreiche Internetseiten gehen am Mittwoch vom Netz

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17.01.2012

USA Zahlreiche Internetseiten gehen am Mittwoch vom Netz

Aktion gegen Anti-Piraterie-Pläne des US-Kongresses – Wikipedia und deutsche Blogs bleiben schwarz.

Washington/Berlin – Die Internetgemeinde übt Druck auf den US-Kongress aus: Aus Protest gegen geplante Anti-Piraterie-Gesetze werden unter anderem die englischen Seiten der Online-Enzyklopödie Wikipedia am Mittwoch 24 Stunden lang nicht erreichbar sein. Gründer Jimmy Wales kündigte diesen “Wikipedia Blackout” am Montag in einer Twitter-Mitteilung an und forderte alle US-Bürger auf, bei ihren Abgeordneten vorstellig zu werden: “Tut es jetzt und gebt auch euren Freunden die Nummer!”

Die Protestaktion richtet sich gegen geplante Gesetze, mit denen die Verbreitung von Raubkopien im Ausland unterbunden und geistiges Eigentum geschützt werden soll. Kritiker befürchten hingegen eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Auch die Piratenpartei sowie profilierte Internetnutzer in Deutschland schlossen sich den Protesten an, die auf den angedachten Stop Online Piracy Act (SOPA) und den ebenso geplanten Protect Intellectual Property Act (PIPA) abzielen.

“Die geplanten Gesetze haben eine ganz neue, gefährliche Qualität”, sagte der Vorsitzende der Piratenpartei Deutschland, Sebastian Nerz, am Dienstag laut Mitteilung. Zuvor hatten sich bereits Konzerne wie Google, Facebook, Yahoo, Twitter, eBay und AOL gegen die Gesetze ausgesprochen, die nach ihrer Ansicht ihr Geschäft gefährden. Die Film- und Musikindustrie sprach sich hingegen für SOPA und PIPA aus. Der illegale Verkauf ihrer Produkte vernichte US-Arbeitsplätze.

Die meiste Kritik richtet sich gegen SOPA, den Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses. Er würde es den US-Behörden erlauben, eine Schwarze Liste mit Websites zu erstellen, die angeblich Raubkopien verbreiten. Damit würden US-Bürgern Teile des Netzes vorenthalten. Allerdings scheint die Führung des US-Kongresses von diesem Teil des Vorhabens schon wieder Abstand zu nehmen.

Die hinter der Wikipedia stehende Stiftung Wikimedia kritisierte in einer Erklärung, wenn die Gesetzgebung beschlossen werde, schade das dem “freien und offenen Internet”. Damit würden Mittel in die USA gebracht, mit denen zensiert werde. “Das ganze ist ein schlecht gemachtes Durcheinander”, sagte Wales der Nachrichtenagentur AP.

Der Kritik angeschlossen hat sich am Wochenende auch die Regierung von Präsident Barack Obama. Sie erklärte, sie werde mit dem Kongress zusammenarbeiten, um Raubkopien zu bekämpfen – gleichzeitig aber auch die Freiheit des Internets aufrechterhalten.

Unterstützung kam unterdessen auch von deutschen Internetnutzern. Am Dienstag koordinierten profilierte Blogger in einer Liste ihren digitalen Widerstand: Seiten wie die des ARD-Journalisten Richard Gutjahr und des Blog-Pioniers Jonny Häusler (“Spreeblick“) sollen am Mittwoch ebenfalls für 24 Stunden nur eine Protestnotiz zeigen.

Wikipedia-Gründer Wales warnte wiederum scherzhaft Studenten in den USA. Via Twitter notierte er: “Macht eure Hausaufgaben rechtzeitig. Wikipedia protestiert am Mittwoch gegen ein böses Gesetz!”

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