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Zahl der Toten nach Havarie der „Costa Concordia steigt

© AP, dapd

17.01.2012

Unfälle Zahl der Toten nach Havarie der „Costa Concordia“ steigt

Mindestens zwölf Deutsche gelten noch als vermisst – Rettungskräfte sprengen Löcher.

Rom – Vier Tage nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes “Costa Concordia” vor der toskanischen Küste ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf elf gestiegen. Im Wrack des Schiffes wurden am Dienstag fünf weitere Leichen entdeckt, wie italienische Medien berichteten. Zuvor hatten die Rettungskräfte auf der Suche nach 29 Vermissten Löcher in die Außenwand des Kreuzfahrtschiffs gesprengt. Nach deutschen und italienischen Behördenangaben galten noch mindestens zwölf Deutsche als vermisst. Unterdessen belastete ein aufgezeichnetes Telefongespräch den Kapitän der “Costa Concordia” schwer.

In dem Gespräch versucht Francesco Schettino, sich vor einer Rückkehr auf das Schiff zu drücken – obwohl die Evakuierung noch nicht abgeschlossen ist. Kapitän Gregorio De Falco von der Küstenwache fordert Schettino, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem der Rettungsboote befindet, auf, die Leiter zum Schiff hochzuklettern und die Evakuierung zu koordinieren. Anschließend solle er berichten, wie viele Personen sich an Bord aufhielten. Daraufhin erwidert Schettino, er sei da und koordiniere die Rettung. De Falco sagt daraufhin: “‘Kommandant, das ist ein Befehl, jetzt habe ich das Kommando.”

Die “Costa Concordia” mit mehr als 4.200 Menschen an Bord war Freitagnacht nahe der Insel Giglio auf Grund gelaufen. Schettino war unbefugt vom Kurs des Kreuzfahrtschiffes abgewichen und zu nah an die Küste der Insel gefahren. Offenbar wollte er damit seinem Oberkellner einen Gefallen tun, der von der Insel stammt, wie örtliche Medien berichteten. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Schettino des Totschlags und wirft ihm vor, eine Havarie verursacht zu haben sowie sein Schiff verlassen zu haben, bevor alle Passagiere in Sicherheit gebracht wurden. Allein für den letztgenannten Vorwurf drohen Schettino bis zu zwölf Jahre Haft.

Der 52-jährige Kapitän wird von italienischen Medien als freundlicher und gebräunter Schiffsoffizier beschrieben. Er arbeitet seit elf Jahren für den Besitzer der “Costa Concordia” und ist seit 2006 Kapitän.

Bei den am Dienstag geborgenen Leichen soll es sich um fünf Erwachsene handeln, die Rettungswesten trugen. Sie seien im Heck des Schiffs nahe einem Sammelpunkt für Evakuierungen entdeckt worden, sagte ein Sprecher der Küstenwache, Cosimo Nicastro. Vermutlich handele es sich bei den Opfern um Passagiere.

Vor der Entdeckung der weiteren Leichen hatte die Küstenwache die Zahl der Vermissten auf 29 erhöht, darunter 25 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder. Über die Zahl der vermissten Deutschen gab es widersprüchliche Angaben. Die italienischen Behörden berichteten von 14, das Auswärtige Amt (AA) von zwölf. Dem italienischen Staatsrundfunk RAI zufolge soll ein Deutscher bei dem Schiffsunglück ums Leben gekommen sein. Das AA bestätigte dies bislang nicht.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte, die Verantwortlichen der Katastrophe zur Rechenschaft zu ziehen. Vordringlich sei es, den Verletzten zu helfen und das Schicksal der Vermissten aufzuklären, sagte der FDP-Politiker am Dienstag in Berlin.

Italienische Rettungskräfte sprengten am Dienstag Löcher in den Rumpf des Wracks der “Costa Concordia”, um schneller nach Überlebenden suchen zu können. Marinetaucher schufen so über und unter Wasser vier Zugänge in das havarierte Kreuzfahrtschiff. Im Anschluss an die Rettungsarbeiten soll das Schweröl abgepumpt werden. Damit wurde das niederländische Unternehmen Smit beauftragt, das bis zu 2.400 Tonnen Treibstoff und Schmierstoffe entsorgen soll.

Die See war am Dienstag ruhig, die Wellen waren nur etwa 30 Zentimeter hoch. Meteorologen rechneten jedoch für (morgigen) Mittwoch mit einer Verschlechterung der Bedingungen für den Rettungseinsatz. Die Wellen sollten dann 1,80 Meter erreichen.

Das Bergungsunternehmen Smit kann nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen mit dem Abpumpen des Öls aus der “Costa Concordia” beginnen. Allerdings habe man bisher noch keine Freigabe, um mit den Arbeiten zu beginnen, teilte das Unternehmen mit Hauptsitz in Rotterdam am Dienstag mit. “Die höchste Priorität haben die Rettungs- und Bergungsarbeiten”, sagte Unternehmenssprecher Martijn Schuttevaer. Erst im Anschluss an den Rettungseinsatz, an dem das Unternehmen nicht beteiligt sei, werde in einer zweiten Phase das Schweröl abgepumpt. Dieses könne zwei bis vier Wochen dauern.

Der Kreuzfahrtveranstalter Carnival Corp. mit Sitz in Miami rechnet durch die Havarie mit Verlusten in Höhe von 85 bis 95 Millionen Dollar. Hinzu kämen weitere Kosten. Die Verluste beziehen sich allein darauf, dass die “Costa Concordia” in diesem Jahr nicht mehr eingesetzt werden kann.

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