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Wulff geht in die Offensive

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22.01.2012

Wulff Wulff geht in die Offensive

Bundespräsident will Aufklärung der Vorwürfe zu “Nord-Süd-Dialog”.

Berlin/Hannover – Angesichts neuer Vorwürfe aus seiner Regierungszeit in Niedersachsen geht Bundespräsident Christian Wulff in die Offensive. Das Staatsoberhaupt räumte am Sonntag ein, die Anschuldigungen müssten geklärt werden, und sprach von einem “ernsten Vorgang”. Das Land Niedersachsen soll das privat organisierte Treffen “Nord-Süd-Dialog” finanziell unterstützt haben, und Wulffs Staatskanzlei soll den Landtag darüber falsch informiert haben. Die niedersächsische SPD-Fraktion will die damalige Landesregierung nun vor dem Staatsgerichtshof verklagen.

Der “Nord-Süd-Dialog” war ein Treffen mit Gästen aus Wirtschaft, Politik und Medien, das 2007 und 2009 in Hannover und 2008 in Stuttgart veranstaltet wurde. Es sollte das Image der Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg aufpolieren. Nach Angaben von Wulff handelte es sich dabei um eine “Privatveranstaltung”.

Nun sind jedoch Berichte aufgetaucht, wonach Gäste Kochbücher als Abschiedsgeschenk erhalten haben, die das niedersächsische Landwirtschaftsministerium zuvor für 3.411 Euro erworben hatte. Wulffs damaliger Staatssekretär und heutiger Chef des Bundespräsidialamtes, Lothar Hagebölling, hatte im April 2010 auf eine SPD-Anfrage schriftlich geantwortet, dass es “keine Beteiligung oder Finanzierung durch das Land” am “Nord-Süd-Dialog” gebe.

“Möglicherweise nicht die Wahrheit gesagt”

“Wir haben im Landtag gesagt, in diese Veranstaltung ist kein Geld geflossen”, sagte Wulff am Sonntag bei einer Veranstaltung in Berlin. Dies sei damals “nach bestem Wissen und Gewissen” geschehen. “Sollte jetzt doch Steuergeld geflossen sein, hätten wir dem Parlament nicht die Wahrheit gesagt”, räumte er ein. Das sei ein “ernster Vorgang”, der nun wohl zurecht juristisch aufgeklärt werde.

Die SPD-Fraktion in Niedersachsen will Wulffs damalige Landesregierung wegen eines Verstoßes gegen die Landesverfassung vor dem Staatsgerichtshof verklagen. Möglichst in den nächsten Tagen will die Fraktion die Klage einreichen. SPD-Fraktionschef Stefan Schostok sieht es nun als endgültig bewiesen an, dass das Parlament in Hannover von Wulffs Staatskanzlei “vorsätzlich falsch informiert worden ist”. Für Wulff habe dies durchaus Konsequenzen, sagte er. “Ein Bundespräsident, der gegen die Verfassung verstoßen hat, kann nicht im Amt bleiben.”

Weitere Vorwürfe wurden auch gegen Wulffs ehemaligen Sprecher, Olaf Glaeseker, laut. Wie die Zeitung “Bild am Sonntag” berichtet, erhielt der 50-Jährige neben Gratisurlauben von dem Veranstalter des Wirtschaftstreffens, Manfred Schmidt, auch Gratisflüge. Allein im vergangenen Jahr soll Glaeseker in mindestens fünf Fällen umsonst geflogen sein, darunter in die Türkei und nach Mallorca. Dafür habe er Schmidts VIP-Karte von Air Berlin benutzt.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Glaeseker und Schmidt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung. Am Donnerstag hatte die Polizei bei ihnen Privat- und Geschäftsräume durchsucht.

Ermittlungen gegen Glaeseker “keine einfache Sache”

Wulff warnte vor einer Vorverurteilung seines Ex-Sprechers. Auch für Glaeseker gelte die “Unschuldsvermutung”. Der Bundespräsident räumte ein, dass das Ermittlungsverfahren gegen Glaeseker auch für ihn “keine einfache Sache” sei. Wulff hatte seinen Sprecher kurz vor Weihnachten ohne Angabe von Gründen entlassen.

Angesichts der immer neuen Vorwürfe gegen Wulff und dessen langjährige Vertraute spricht sich inzwischen eine Mehrheit der Deutschen inzwischen für einen Rücktritt des Bundespräsidenten aus. Derzeit hält ihn nur noch ein knappes Drittel der Bundesbürger für glaubwürdig, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap ergab. Die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) schätzt Wulff nicht mehr als würdigen Bundespräsident ein.

Linksfraktionschef Gregor Gysi legte Wulff den Rücktritt nahe. Im Deutschlandfunk sagte er, Wulff könne sein Amt nicht mehr mit der geforderten Souveränität ausüben.

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