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16.07.2011

Wirtschaftsweiser Franz hält Schuldenschnitt für „unausweichlich“

Berlin – Angesichts der Schuldenkrise Griechenlands hält der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz einen Schuldenschnitt letztlich „für unausweichlich und zudem für gerechtfertigt“. Allerdings müsse er so gestaltet werden, „dass daraus für die Euro-Zone kein Desaster erwächst“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Focus“.

„Eine Möglichkeit bestünde darin, dass der derzeitige Euro-Rettungsschirm EFSF griechische Staatspapiere mit einem gehörigen Abschlag in von ihm ausgegebene und garantierte Anleihen umtauscht“, so Franz. „Damit ist der `Haircut` realisiert. Gleichzeitig verfügen Banken und Versicherungen über Wertpapiere mit AAA-Status, die nicht mehr vom Rating Griechenlands abhängen.“ Dies sei zwar alles andere als ein problemloser Weg, „aber wir haben bei den Rettungsmaßnahmen ohnehin nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“. Franz sagte, man werde darüber nachdenken müssen, ob man Portugal und Irland ebenfalls ein solches Umtauschangebot mache. „Für Griechenland allein rechnen wir mit rund 170 Milliarden Euro, mit denen dieser Umtausch bei dem Rettungsschirm zu Buche schlagen würde.“

Die von ihm vorgeschlagenen Papiere hätten nichts mit den Eurobonds zu tun, die er ablehne, betonte Franz. Bei Eurobonds bestehe die Gefahr, dass sich einzelne Länder weiter verschuldeten und die späteren Lasten auf die anderen beteiligten Länder abwälzen. Franz nahm die viel kritisierten Rating-Agenturen in Schutz. Diese sein „nicht schuld an der Misere, sondern das finanzpolitische Fehlverhalten der Regierungen. Wir sollten nicht den Überbringer schlechter Nachrichten hinrichten, wie man das angeblich im antiken Griechenland gemacht hat.“

Franz wandte sich gegen die Gründung einer europäischen Rating-Agentur. „Wir sollten besser überdenken, ob sich so viele Institutionen vertraglich ausschließlich auf das Urteil von Rating-Agenturen verlassen müssen.“ Er wundere sich beispielsweise darüber, wie stark die Europäische Zentralbank das Urteil der Agenturen gewichte. Die EZB verfüge „über zahlreiche hervorragende Wissenschaftler, mit der sie sich ihr eigenes Urteil bilden könnte“.

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