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„Wir werden zurechtkommen

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30.01.2012

Schlecker „Wir werden zurechtkommen“

Meike Schlecker sieht die Drogeriekette auf dem richtigen Weg.

Ehingen – Die Stimme ist brüchig, die großen Augen blicken traurig zu den Journalisten. Seit der Nachricht der Schlecker-Insolvenz sei viel darüber geschrieben worden, dass ihr Vater Anton auf einem Milliardenvermögen sitze, sagt Meike Schlecker. “Das ist falsch, das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen.” Die ganze Familie – ihr Vater, sie und ihr Bruder Lars – hätten dreistellige Millionenbeträge investiert, um das Unternehmen zu unterstützen. “Es ist kein signifikantes Vermögen mehr da, sonst würden wir nicht hier sitzen und hätten keine Insolvenz angemeldet”, stellt sie fest.

Schlecker hat am Montag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Das grenzt fast an eine Sensation. Das Unternehmen hatte zuletzt 1990 an den Firmensitz in Ehingen geladen. Dementsprechend zahlreich nehmen die Journalisten auch auf den schleckerblauen Plastikstühlen Platz. Neben Meike Schlecker stellen sich der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sowie der Finanzchef des Unternehmens, Sami Sagur, den Fragen.

Das Interesse ist groß, schließlich ist die größte Drogeriemarktkette Deutschlands mit über 30.000 Mitarbeitern pleite. Und Informationen waren aus der gläsernen Zentrale in den vergangenen Jahren so gut wie gar nicht zu bekommen. Jetzt hat aber offenbar Schlecker das Bedürfnis, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Spott der Konkurrenz über ein veraltetes Konzept, die Rufe nach dem Firmenpatriarchen, der mit seinem Privatvermögen einspringen soll – für Meike Schlecker Falschinformationen, die es gerade zu rücken gilt.

Sie trägt ein Jackett, die blonden Haare offen. Der 2010 begonnene Konzernumbau wäre im März beendet worden, sagt die 38-Jährige. Die eingeleiteten Maßnahmen wie die Einführung eines neuen Logos, die Verschönerung der Märkte und die Schließung unprofitabler Filialen seien richtig. Es sei “bitter”, dass so kurz vor der Umsetzung die Insolvenz kam. Konkurrent Dirk Roßmann hatte bei Bekanntwerden der Insolvenz noch in Richtung Schlecker geätzt: “Das Konzept mit sehr niedrigen Durchschnittsumsätzen und vergleichsweise hohen Kosten hat sich überlebt.”

Schlecker will aber weitermachen und ist stolz darauf, dass die Firma auch nach dem Konzernumbau immer noch mehr Filialen besitzt als die gesamte Konkurrenz. “Wir geben uns kämpferisch”, sagt Meike Schlecker.

Mitleid lehnt sie dagegen etwas melodramatisch ab: “Ich will mich nicht beschweren und wir werden zurechtkommen”, diktiert sie den Journalisten in die Blöcke. Am Nachmittag informiert ihr zwei Jahre älterer Bruder Lars in einer Betriebsversammlung die Belegschaft. Von Vater Anton ist nichts zu sehen. Es sei aber alles zusammen abgesprochen, versichert Meike Schlecker. Die Aufteilung habe einfach damit zu tun, dass ihr Bruder und sie in den vergangenen Jahren immer mehr Verantwortung übernommen hätten. “Und das werden wir auch in den nächsten Jahren tun”, sagt sie.

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