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„Wir haben unsere Qualität als Kümmererpartei verloren

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17.01.2012

Parteien „Wir haben unsere Qualität als Kümmererpartei verloren“

Brie hat genug von Konzepten, Parlamentsreden und Talkshows.

Berlin – Die Linkspartei hat nach Ansicht ihres Strategen Andr Brie in den vergangenen Jahren den Draht zu ihrer Wählerschaft verloren. Das liege daran, dass inzwischen “die Menschen auf der Straße eine völlig andere Kultur als die Linke haben: selbstbestimmt, freiheitlich, zuversichtlich, viel widerständiger als wir”. Diese Kultur könne seine Partei gegenwärtig nicht ansprechen, räumte der Schweriner Landtagsabgeordnete am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd ein.

“Wir haben unsere Qualität als Kümmererpartei verloren”, konstatierte Brie, demzufolge die soziale Verankerung der Partei durch ihre Überalterung nachgelassen hat. Die Linke habe lange mit reinem Protest einen beträchtlichen Wählerzustrom erzielt und sich damit begnügt, anstatt die Ärmel hochzukrempeln. “Wir müssen endlich die undankbare Mühsal von Politik-Organisation anpacken, statt uns auf Konzepte, Parlamentsreden, Talkshows und Pressemitteilungen zu verlassen”, forderte Brie.

Zudem hätten die internen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate dem Ansehen der Partei geschadet und viele Wähler abgestoßen. Die verbalen Fehltritte der Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch in der Kommunismusdebatte sowie das Glückwunschschreiben der Parteispitze an den früheren kubanischen Staatschef Fidel Castro wertete Brie jedoch als “peinliche Ausrutscher” von “Minderheiten, die nicht für die gesamte Linke in Deutschland charakteristisch sind”.

Den früheren Parteichef Oskar Lafontaine halte er für durchaus geeignet, um die Linke aus ihrer Misere zu befreien: “Egal in welcher Form er auf die Bundesebene zurückkehrt, würde das natürlich für sehr viel Ruhe und auch mehr Ausstrahlung sorgen.” Sollten Lafontaine und Fraktionschef Gregor Gysi die Linke als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf 2013 führen, wäre dies Brie zufolge zwar “der einfachste Weg, aus dem Umfragetief herauszukommen” – eine Dauerlösung sei das betagte Duo aber nicht.

“Das würde uns lediglich Zeit bringen, die nicht wieder vertan, sondern endlich genutzt werden müsste für eine zukunftsorientierte personelle Veränderung”, sagte Brie. Für die Linkspartei gerate ihre eigene Verjüngung auch zur Existenzfrage, immerhin sei Gysi schon 64 Jahre alt und Lafontaine steuere auf seinen 70. Geburtstag zu.

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