Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Europäische Zentralbank Frankfurt

© ArcCan

17.02.2016

Jürgen Fitschen „Wir dürfen nicht jede Bank in Europa vor der Pleite retten“

Das müsse aber niemandem Sorgen bereiten.

Hamburg – „Es lässt sich nicht ausschließen, dass es irgendwo in Europa eine Bank gibt, die pleite gehen kann“, sagt Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen, zugleich Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, im stern. Das müsse aber niemandem Sorgen bereiten, so der Top-Banker. „Ein freiheitliches Wirtschaftssystem muss das unbedingt zulassen. Sonst zahlt letztlich wieder der Steuerzahler für Problembanken.“

Der Bankenbereich müsse nach den gleichen Prinzipien geführt werden, wie jeder andere Wirtschaftsbereich auch. „Wir dürfen nicht versuchen, jede Bank in Europa vor der Pleite zu bewahren – koste es, was es wolle.“

In einem „Bankengipfel“ diskutiert Fitschen im stern erstmals mit Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), und Uwe Fröhlich, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), die aktuelle Lage an den Finanzmärkten und die europäische Finanzpolitik. Die drei Spitzen der deutschen Bankenwelt mit zusammen über 80 Millionen Kunden wehren sich gemeinsam gegen die von der EU-Kommission angedachte europäische Einlagensicherung.

„Wir sind für einen starken europäischen Sparerschutz. Aber wir lehnen es ab, die für unsere Kunden angesparten Sicherungsmittel für andere europäische Länder und deren Banken zu missbrauchen“, beschreibt Sparkassen-Präsident Fahrenschon die Position der Banker. „Unter den heutigen Bedingungen ist so eine europäische Lösung nicht möglich. Erst müssen alle Länder ihre Hausaufgaben machen, ihre Bankensysteme absichern und vom jeweiligen Staat entkoppeln“, stimmt Jürgen Fitschen vom Bankenverband zu.

„Im schlechtesten Fall würden deutsche Sparer dann über die Einlagensicherung für die schlechte Wirtschaftspolitik eines Mitgliedslandes haften“, so Uwe Fröhlich vom BVR. „Das wollen wir nicht.“ Fröhlich weiter: „So ein gemeinsames Haftungssystem liefe dann tatsächlich auf eine Zweckentfremdung der Gelder der deutsche Sparer hinaus.“ Letztlich könne man sogar von einer „Enteignung der Sparer“, sprechen.

Außerdem fordern die drei Banker ein Ende der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und wenden sich gegen strengere Regeln beim Bargeld: „Im Licht der zuletzt positiven Wirtschaftsdaten wäre die EZB gut beraten, behutsam ein Ende der Geldflut vorzubereiten“, so Georg Fahrenschon. „Bargeld ist das Sinnbild individueller Freiheit. Und die sollte man nicht beschneiden“, sagt Uwe Fröhlich. „Das wäre ein unnötiger Eingriff in die bürgerliche Freiheit.“

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+ Xing

© newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/wir-duerfen-nicht-jede-bank-in-europa-vor-der-pleite-retten-92940.html

Weitere Nachrichten

Skyline von Frankfurt / Main

© über dts Nachrichtenagentur

Brexit Morgan Stanley verdoppelt Personal am Frankfurter Standort

Angesichts des drohenden Bedeutungsverlusts des Finanzplatzes London durch den Brexit will die US-Investmentbank Morgan Stanley ihren Frankfurter Standort ...

Banken-Hochhäuser

© über dts Nachrichtenagentur

Bericht Viele Unschuldige auf „schwarzer Liste“ der Finanzindustrie

In der World-Check-Datenbank, mit der Banken sich gegen potenziell gefährliche Kunden schützen, finden sich offenbar viele unschuldige Menschen und ...

Fahne von Japan

© über dts Nachrichtenagentur

Bericht Investoren werden in EU-Handelspakt mit Japan bevorzugt

Bei dem von Europa angestrebten Handelsvertrag mit Japan sollen politisch heikle Fragen offenbar ausgeklammert und Industriekonzerne zulasten der Bürger ...

Weitere Schlagzeilen