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Manroland-Beschäftigte: „Wir bangen einfach alle

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19.01.2012

Unternehmen Manroland-Beschäftigte: „Wir bangen einfach alle“

Augsburger Manroland-Beschäftigte zittern nach Zerschlagung um ihre Arbeitsplätze.

Augsburg – Trotz der Rettung des Augsburger Manroland-Werkes durch den Lübecker Mischkonzern Possehl ist die Stimmung am Tag nach der Bekanntgabe der Entscheidung alles andere als gut. “Das ist das einzig Positive, dass wir in deutscher Hand bleiben”, sagt Rudolf Mayer, als er am Donnerstag um kurz vor 6.00 Uhr am Tor 1 an der Heinrich-von-Buz-Straße im Augsburger Norden seine Frühschicht bei dem traditionsreichen Druckmaschinenhersteller antritt. Seit 40 Jahren arbeitet der 56-Jährige hier in der Auftragsabwicklung. Ob es für ihn unter dem neuen Eigentümer weiter geht, weiß er nicht.

“Wir bangen einfach alle”, bringt es sein 49 Jahre alter Kollege aus der Werkzeugbereitstellung auf den Punkt. Seinen Namen möchte er lieber nicht nennen. Auch er hat Angst um seinen Arbeitsplatz. Nicht nur wegen seines Alters, sondern auch wegen seiner Schwerbehinderung hätte er es nicht einfach auf dem Arbeitsmarkt. Knapp 1.000 der zuletzt 2.400 Stellen will der neue Eigentümer allein in Augsburg streichen. Am Montag nach einer Belegschaftsversammlung sollen die Mitarbeiter erfahren, wen es trifft. Dennoch sind die meisten “Manroländer” froh, dass der Gläubigerbeirat sich am Mittwoch für den Lübecker Konzern ausgesprochen hat.

“Possehl ist auf jeden Fall besser als die Amerikaner. Die haben wenigstens ein Konzept”, sagt der 30-jährige Simon Hauser, der bei Manroland als Fräser arbeitet. Die hätten wenigstens ein langfristiges Interesse. Zudem wäre der Arbeitsplatzabbau bei einer Übernahme durch den US-Finanzinvestor Platinum Equity wohl noch höher ausgefallen. “Das ist für Augsburg auf jeden Fall das Beste”, ergänzt ein Kollege. Mit einem deutlichen Arbeitsplatzabbau bei dem Konzern mit weltweit 6.500 Beschäftigten sei seit der Insolvenz ohnehin gerechnet worden.

Hinter den Kulissen wird indes mit Hochdruck verhandelt, welche Mitarbeiter in welchen Abteilungen gehen sollen, wie die Augsburger IG-Metall-Chefin Christiane de Santana erläutert. Das soll bis Freitagabend abgeschlossen sein. Unter dem Strich werde es rund 700 Mitarbeiter treffen. Schließlich könnten die über 200 Auszubildenden auf jeden Fall ihre Lehre abschließen. Daneben seien über 100 ältere Kollegen bereits in Altersteilzeit.

Wenn die Beschäftigten am Montag erfahren, ob sie gekündigt werden, sollen sie ein Angebot zur Übernahme in eine Transfergesellschaft erhalten. Zudem will die Bundesagentur für Arbeit direkt vor Ort beraten. Der Betriebsrat sieht für die “Manroländer” auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen. “Der Augsburger Arbeitsmarkt ist ein Arbeitsmarkt, der händeringend nach Fachkräften sucht”, sagt der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Bänsch dem Bayerischen Rundfunk. Für die Zukunft rechnet er bei Manroland nicht mit weiteren Stellenstreichungen.

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