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Wie „Quälix Konietzka zum Lehrmeister von Magath wurde

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25.01.2012

Schweiz Wie „Quälix“ Konietzka zum Lehrmeister von Magath wurde

Mit 73 Jahren fast noch ein Extremsportler.

Zürich – Seinem großen Jubiläum sieht Timo Konietzka gespannt entgegen. “Bald ist es 50 Jahre her, dass ich das erste Bundesliga-Tor geschossen habe. Es hat mich berühmt gemacht. Ich werde noch ständig darauf angesprochen”, sagte der 73-Jährige, der am 24. August 1963 das erste Tor der neu gegründeten Fußball-Bundesliga erzielte. Noch heute verpasst der frühere Stürmer von Borussia Dortmund keinen Bundesliga-Spieltag, obwohl er seit knapp 40 Jahren in der Schweiz lebt. Bevor die Bundesliga im August in ihre 50. Jubiläumssaison startet, rechnet er mit erhöhten Medien-Anfragen aus der alten Heimat. Konietzka, der 1988 die eidgenössische Staatsangehörigkeit angenommen hat, kann dann mit Fachwissen aufwarten. “Die Bundesliga ist immer in meinem Blickfeld. Jeden Samstagmittag laufe ich mich warm, dann wird im TV Fußball geguckt.”

Das “Warmlaufen” ist dabei nicht nur eine Floskel. Mindestens eine Stunde am Tag trainiert der frühere Nationalspieler. “Bis vor zwei Jahren war ich noch Extremsportler. Jetzt lasse ich es etwas ruhiger angehen”, sagt Konietzka. Erst gesundheitliche Probleme veranlassten ihn, es etwas langsamer angehen zu lassen. Zuerst schlug das Herz unregelmäßig, Anfang 2011 erlitt er bei der FIFA-Gala in Zürich einen Schwächeanfall. “Es ist alles wieder in Ordnung, ich bin wieder fit”, sagt er zum aktuellen Zustand.

Schon immer war es sein persönliches Rezept, aktiv zu sein. “Alle jammern, sie wollen mehr Urlaub. Was machen die dann im Urlaub? Saufen, fressen, rumliegen. Und kommen kaputter zurück als zuvor.” Arbeiten halte jung, sagt er. So hilft Konietzka regelmäßig seiner Frau Claudia im eigenen Gasthaus, dem “Ochsen ” in Brunnen am Vierwaldstättersee. Stolz listet er seine VIP-Gäste auf. “Pel war schon hier. Auch Sepp Blatter, Ottmar Hitzfeld, Stphane Chapuisat und viele ehemalige Weggefährten. Das zeigt, dass ich vieles richtig gemacht habe in meiner Karriere.” Als Spieler und als Trainer hat er sich einen Namen gemacht.

“Er war ein brutaler Trainer, ein richtig harter Knochen “, erinnert sich Ex-Nationalspieler Dieter Müller mit Schrecken an sein kurzes Gastspiel 1985 bei Grasshopp Zürich unter Coach Konietzka. Für den sind solche Aussagen ein Lob. “Ich habe eben viel verlangt von den Spielern. Erfolg hat man nur, wenn man fit ist.” Dieses Credo hat Felix Magath den Spitznamen “Quälix” verschafft. Vielleicht kommt das daher, dass sich Magath bei Konietzka einiges abschaute. “Als ich in Uerdingen Trainer war, fungierte Felix dort als Manager. Da hat er sich wohl einiges abgeschaut”, sagte der Westfale und erzählt eine Anekdote: “Im Trainingslager sind wir beim Krafttraining die fünf Hotelstockwerke hoch- und runtergespurtet. Ich war zwar älter, aber Felix hatte trotzdem keine Chance.” Vielleicht gab dieses Erlebnis Magath den Impuls für seinen berüchtigten Treppenläufe und die Errichtung des “Meisterbergs” in Wolfsburg.

Seine erfolgreichste Zeit als Trainer hatte Konietzka in der Schweiz, wo er von 1974 bis 1976 den Titelhattrick mit dem FC Zürich schaffte, 1982 Meister mit den Grasshoppers wurde. Vor knapp einem Jahr übernahm der Deutsch-Schweizer kurzzeitig den Trainerposten beim unterklassigen FC Ebikon, dem angeblich schwächsten Team des Landes. Über Jahre bezogen die Freizeitkicker nur Prügel – bis “Quälix” Konietzka kam. Beim ersten Spiel kamen 500 statt zehn Zuschauer, der erste Punkt wurde geholt. “Sie trugen mich nach der Partie auf den Schultern über den Platz.” Aus Zeitmangel hat er das Engagement inzwischen wieder beendet.

Denn neben seiner Arbeit im Restaurant und dem täglichen Fitnessprogramm ist Konietzka auch Repräsentant für die Gesundheitsschuhe “kyBoot”, die er voller Überzeugung anpreist. In der Schweiz sorgte er für Aufsehen, als er sich in Werbespots für aktive Sterbehilfe einsetzte, nachdem seine Schwester und sein Bruder unter großen Leiden an Krebs gestorben waren. “Wenn ich merke, dass meine Zeit gekommen ist, werde ich meine Liebsten um mich versammeln, mich verabschieden – und dann einen Schluck vom Todescocktail trinken.” Es ist ein Thema, bei dem Konietzka ernst wird. Ansonsten ist er meist ein ausgesprochener Spaßvogel.

Vor zwei Wochen erhielt er für ein Jahr den Titel als “Bartlivater” von Brunnen, eine Art Chefkarnevalist der Gemeinde. Der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt, geboren als Friedhelm, später umbenannt in “Timo” wegen seiner Ähnlichkeit mit dem russischen General Timoschenko, ist ein verkapptes Feierbiest. Auf eine Feier freut er besonders: “Das 50. Jubiläum des ersten Bundesligators, das wird nochmal ein Highlight.”

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