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Weltuntergang mit Fragezeichen

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22.02.2012

Dresden Weltuntergang mit Fragezeichen

Eine Ausstellung in Dresden bringt Besuchern Geschichte und Inhalt der Maya-Handschrift nahe.

Dresden – Angefangen hat der Andrang auf das kleine Dresdner Museum mit einem Hollywood-Blockbuster. Mit Rolands Emmerichs Katastrophen-Film “2012″ hielt vor drei Jahren die These, der Kalender der Maya prophezeie den Weltuntergang am 21. Dezember 2012, endgültig Einzug in die Popkultur. Seit diesem Film steigen die Zahlen im Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek (SLUB) kontinuierlich, wie die Leiterin Katrin Nitzschke sagt. Denn dort liegt das Original des 800 Jahre alten mittelamerikanischen Dokuments für Besucher frei zugänglich.

“Dieses immense Interesse ist für uns ein Phänomen”, sagt Nitzschke. Vor allem seit dem vergangenen Jahr sei der vermeintlich bald bevorstehende Weltuntergang Teil des Mainstreams geworden, die Besucherzahlen hätten sich verdoppelt. Als esoterische Spinnerei will sie das nicht abtun. “Wir respektieren das”, sagt sie. Sie habe den Eindruck, dass viele Leute verunsichert seien aufgrund der Verwerfungen in der Welt, nach Antworten suchten und den Eindruck hätten, Klima- und Finanzkrise sowie andere Katastrophen seien Vorboten für etwas.

Um den Fragen der Besucher zu begegnen, zeigt das Buchmuseum ab Freitag seine erste Sonderausstellung zu der Handschrift. In der Schau “Weltuntergang 2012? Der Dresdner Maya-Codex und seine Entzifferung” wird anhand von Originaldokumenten die Geschichte des Codex’ erzählt, zudem werden zentrale Aspekte der Handschrift erklärt.

Die Dresdner Romanistik-Studentin Susan Steinert hat sich dafür mehrere Monate mit den Maya und ihren Schriften beschäftigt und kann schnell mit einigen Vorurteilen aufräumen. Der 21. Dezember 2012 markiere im Maya-Kalender nicht das Ende der Welt, sondern nur den Beginn einer neuen Zeitperiode, sagt sie, ähnlich einem neuen Jahrhundert unserer Zeitzählung. Das Datum werde im Dresdner Codex zudem gar nicht erwähnt. Was er zeige, sei die Vorhersage einer Flutkatastrophe, erklärt die Studentin.

Steinert steht in der Schatzkammer des Buchmuseums, in der die Handschrift in einer Glasvitrine ausgestellt ist: 39 eng mit Hieroglyphen, Zahlensymbolen und Götterfiguren bemalte Blätter, und ganz rechts am Ende das Himmelskrokodil, aus dem ein Wasserschwall auf die Erde schießt. Aber ursprünglich sei diese Seite gar nicht die letzte gewesen, betont Steinert. “1835 wurde der Codex zwischen Glasplatten gelegt, und das teilweise in der falschen Reihenfolge.”

Seit 1740 befindet sich die Handschrift in Dresden, schon Alexander von Humboldt sah sie hier vor über 200 Jahren. Sein Gästebucheintrag von 1791 ist in der Sonderschau zu sehen. Dass der Maya-Codex bis heute überdauert hat, gleicht einem Wunder: Er überstand nicht nur die Verbrennungen der Maya-Schriften durch die Spanier im 16. Jahrhundert, sondern auch die Bombardierung Dresdens 1945.

Bis vor kurzem hätten sich nur Wissenschaftler, Mexiko-Reisende und die Maya selbst für den Codex interessiert. Für die Angehörigen des mittelamerikanischen Volkes sei das Buchmuseum “wie eine Wallfahrtsstätte”, sagt Nitzschke. Für sie sei dies der einzige Ort auf der Welt, an dem sie die Schriften ihrer Vorfahren betrachten könnten. Die einzigen weiteren noch existierenden Maya-Handschriften liegen in Paris und Madrid und sind nicht öffentlich zugänglich.

Die Vorstellung, dass dieses Dokument eine Prophezeiung der Apokalypse beinhalte, sei eine sehr christliche, die in eine ganz andere Kultur hinein interpretiert wurde, betont Nitzschke. Endgültige Antworten auf die Besucherfragen könnten aber weder der Dresdner Codex selbst noch die neue Ausstellung geben. Das sei auch gar nicht ihre Absicht, betonen die Macherinnen. “Man geht mit Fragen aus der Ausstellung raus”, sagt Steinert. So wisse man etwa, wenn man die Bedeutung der Hieroglyphen und Götter kenne, noch lange nicht, was es bedeute, dass beispielsweise der Regengott hinab steigt. Nur auf den Weltuntergang deute überhaupt nichts hin.

Aus der Welt räumen aber lässt sich diese Geschichte indes nicht mehr. Nitzschke sagt, sie hoffe und befürchte zugleich, dass 2012 noch viel mehr Besucher in das kleine Museum kommen. Gezeigt wird die Schau nicht etwa bis 21. Dezember, sondern nur bis 12. Mai. Doch Planungen gibt es natürlich darüber hinaus. “Ende des Jahres zeigen wir eine Ausstellung zu Luthers Liedern”, sagt Nitzschke. “Aber die werden wohl leider nicht so ein Publikumsmagnet sein.”

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