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Weltkriegsveteranen reichen sich die Hand

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23.04.2012

Heidelberg Weltkriegsveteranen reichen sich die Hand

Deutscher verschonte US-Amerikaner im Luftkampf – Ehemalige Kontrahenten treffen sich nach 68 Jahren.

Heidelberg – Erst waren sie Feinde, dann Retter und Geretteter. Am Montag trafen sich die beiden ehemaligen Kriegsgegner Lester Schrenk und Hans-Hermann Müller nach 68 Jahren zum ersten Mal in Heidelberg. Für die beiden betagten Männer war es ein ergreifendes Erlebnis; die Erinnerungen an den 22. Februar 1944 sind noch lebendig.

„Ich habe dieses Erlebnis nie vergessen, insofern schließt sich jetzt ein Kreis“, sagt der 88-jährige Schrenk, der aus Bloomington im Bundesstaat Minnesota stammt. Damals, 1944, war er als US-Pilot in einem Pulk von Bombern die dänische Küste entlang geflogen, als der deutsche Luftwaffenpilot Hans-Hermann Müller den Befehl zum Angriff erhielt. Der heute 91-Jährige schoss während des folgenden Luftgefechts über dem offenen Meer die amerikanische Maschine an, in der Schrenk saß. Vor der völligen Zerstörung schreckte er aber zurück.

Befehl der Bodenstation ignoriert

„Die Maschine drehte bei und flog Richtung Küste zurück. Ich verfolgte die Maschine zwar, aber den Befehl der Bodenstation, die Maschine abzuschießen, ignorierte ich, bis diese über Land war“, erinnert sich der damalige Nachtjäger, der in Dänemark stationiert war und viele Jahre später mit seiner Frau Lydia nach Heidelberg zog. Wäre diese Befehlsverweigerung bemerkt worden, hätte sie gefährliche Folgen für Müller haben können. „Wenn ein Flieger kam, dann mussten wir angreifen“, erklärt er.

Doch hätte er das Flugzeug über dem Meer abgeschossen, hätte es „niemandem genutzt“, meint Müller lakonisch und blickt von der Seite in das Gesicht seines früheren Gegners. Anders als den US-Piloten hatte der Vorfall den gebürtigen Niedersachsen nach dem Krieg nicht mehr besonders beschäftigt. Er blieb beim Militär und war bis zu seiner Pensionierung für die Bundeswehr und die NATO tätig.

Für Lester Schrenk jedoch war das Erlebnis im Februar 1944 prägend. Zeit seines Lebens wollte er dem Deutschen dafür danken, dass er ihn verschont hatte. Schließlich half der Zufall: 2008 besuchte der frühere Lagerhausverwalter aus Minnesota den einstigen Kampfplatz in Dänemark. Der Besuch wurde von einem örtlichen Filmteam des dänischen Senders TV 2 begleitet.

Filmteam spürt Deutschen in Heidelberg auf

In den darauf folgenden Jahren bemühte sich das Filmteam, etwas über den Verbleib des deutschen Soldaten zu erfahren – und fand ihn schließlich in Heidelberg. „Als Abschluss unserer Filmdokumentation ist das Treffen der beiden hochbetagten Männern ein Höhepunkt“, sagt Redakteur Uffe Bregendahl. Eigentlich habe das Filmteam zunächst nur die Geschichte aus dem Mund des Deutschen hören wollen. Doch schließlich habe sich der Sender entschlossen, für die Kosten des Zusammentreffens aufzukommen. „Es hat sich gelohnt“, ist Bregendahl sicher.

Das sieht auch der Heidelberger Bürgermeister Joachim Gerner (SPD) so. Er hat an diesem Montag die beiden Senioren im Rathaus der Uni-Stadt begrüßt. „Das ist wirklich eine Geschichte, bei der man Gänsehaut bekommen kann“, betont der Dezernent. Sie zeige, dass es selbst im mörderischen Zweiten Weltkrieg Menschlichkeit gegeben habe. „Insofern sind die beiden auch ein Symbol, das Mut geben sollte“, sagt Gerner.

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