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Weinen und Lachen am zweiten Tag

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10.02.2012

Berlinale Weinen und Lachen am zweiten Tag

13-Jähriger Kinodebütant glänzt im 9/11-Drama “Extrem laut und unglaublich nah”.

Berlin – Tom Hanks und Sandra Bullock waren der Vorstellung ihres Films “Extrem laut und unglaublich nah” am zweiten Berlinale-Tag ferngeblieben. Vermisst wurden sie nicht wirklich. Der 13-jährige Hauptdarsteller Thomas Horn sorgte am Freitag bei der Pressekonferenz mit seinen sympathisch-altklugen Antworten für Lacher. Die hatten einige Journalisten dringend nötig: Während der Vorführung des Dramas über einen Jungen, der durch den Tod seines Vaters bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 traumatisiert ist, waren kollektive Schluchzer im Berlinale Palast zu vernehmen.

Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jonathan Safran Foer (“Alles ist erleuchtet”) ist der erste von fünf Beiträgen im Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele, die außer Konkurrenz laufen. Er kommt bereits am Donnerstag (16. Februar) bundesweit in die Kinos.

Phänomenales Kinodebüt

Einige Filmkritiker monierten nach der Vorführung das nach ihrer Ansicht rührselige Ende des Dramas, uneingeschränkt dürfte aber das Lob für Horn ausgefallen sein. Dem 13-Jährigen gelingt ein phänomenales Kinodebüt mit einer Rolle, die kaum anspruchsvoller hätte ausfallen können.

Oskar Schell ist ein wahnsinnig kluger Junge, der sich allerdings am Rande des Autismus bewegt. Um seine zahlreichen Phobien zu bekämpfen, hat ihn sein Vater (Hanks) auf elaborierte Schnitzeljagden quer durch New York geschickt. Ein Jahr nach dem Tod seines über alles geliebten Vaters ist Oskar nahezu an seiner Trauer zerbrochen. Mit seiner Mutter (Bullock) spricht er kaum noch ein Wort und verletzt sich selbst.

Dann findet Oskar einen geheimnisvollen Schlüssel im Nachlass seines Vaters. Nur das Wort “Black” (Schwarz) auf einem Umschlag könnte ein Hinweis auf das dazugehörige Schloss sein. Oskar vermutet eine letzte Schatzsuche, auf die ihn sein Vater schicken wollte. Zur Lösung des Rätsels macht er sich daran, alle 472 New Yorker mit dem Familiennamen Black aufzusuchen. Begleitet wird er dabei vom stummen Untermieter seiner Großmutter (Max von Sydow), der ein besonderes Geheimnis hütet.

Produzent Scott Rudin (“The Social Network”) war auf Horn aufmerksam geworden, als dieser die Kinderausgabe der US-Spielshow “Jeopardy!” gewann. Seine “erste große Schauspielrolle” sei eine Herausforderung gewesen, habe aber auch Spaß gemacht, sagte Horn in Berlin. Daldry konnte sich daraufhin die Frage nicht verkneifen, welche Rollen er denn zuvor gespielt habe. “Ich war ein Grashüpfer”, in einer Schulaufführung, erwiderte Horn ernsthaft. Ob er wohl noch einmal in einem Film mitspielen wolle? “Das wird definitiv erwogen.”

Ein Segen für den Film

“Thomas Horn war für uns ein Segen”, sagte Daldry. Neben seinem scharfen Verstand habe der Schüler leicht extreme Emotionen darstellen und diese genau so schnell wieder abstreifen können. Auch von Sydow war voll des Lobes für seinen jungen Kollegen. Die Geschichte habe ihn zutiefst bewegt, sagte der 82-jährige gebürtige Schwede, der mittlerweile französischer Staatsbürger ist.

Mit dem Mangel an verbaler Kommunikation seiner Figur hatte von Sydow kein Problem. “Menschen sind Menschen, ob sie nun sprechen oder nicht.” Die Oscar-Akademie teilt diese Auffassung und nominierte ihn für die Nebenrolle nach 23 Jahren zum zweiten Mal für den wichtigsten Preis der Branche. Auch der Film selbst hat am 26. Februar Aussicht auf die Trophäe.

Regisseur Daldry hat sich nach eigener Aussage angesichts des sensiblen Themas seines Werks auf Kritik eingestellt. Er habe nur eine von Tausenden von Geschichten über die Terroranschläge erzählt. “Es verwundert mich, dass es nicht mehr Filme über 9/11 gibt”, appellierte der Brite an seine Kollegen.

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