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02.09.2012

Kritik an EZB-Anleihekäufe Weidmann findet bei Ökonomen kaum Unterstützung

EZB würde de facto Regierungen finanzieren.

Frankfurt – Bei europäischen Volkswirten findet die Kritik von Bundesbankpräsident Jens Weidmann an der geplanten Wiederaufnahme der Staatsanleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) nur wenige Unterstützer. Im EZB-Schattenrat, in dem führende europäische Volkswirte auf Initiative der Zeitung „Handelsblatt“ monatlich geldpolitische Themen diskutieren, schlugen sich nur zwei von 13 Sitzungsteilnehmern auf Weidmanns Seite: Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer und der Münchner Anlagestratege der Allianz-Fondstochter Pimco, Andrew Bosomworth. Zwei Mitglieder des Expertengremiums kritisierten das von EZB-Präsident Mario Draghi umrissene Anleihekaufprogramm sogar als zu restriktiv, wie das „Handelsblatt“ in seiner Montagausgabe berichtet.

Die große Mehrheit der Volkswirte bezeichnete die EZB-Pläne als prinzipiell richtig. „Mit diesen Anleihekäufen würde die EZB de facto Regierungen finanzieren, was nach den europäischen Verträgen verboten ist“, stützte Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer die Kernkritik des Bundesbank-Präsidenten. Dadurch würde der Reformdruck auf die Regierungen gemindert und die EZB riskiere ihre Unabhängigkeit.

Pimco-Manager Bosomworth sagte voraus, dass auch dieses neue Programm nicht dauerhaft wirken werde, solange das institutionelle Rahmenwerk der Währungsunion nicht grundlegend reformiert ist.

Die Mehrheit der Schattenrats-Ökonomen stimmt dagegen Draghi zu: Es gehe darum, die Spekulation auf ein Auseinanderbrechen der Währungsunion zu kontern, die sich in den hohen Anleiherenditen mancher Länder widerspiegele.

Unter den Fachleuten herrscht überdies weitgehend Einigkeit, dass die Notenbank keine festen Obergrenzen für Anleiherenditen kommunizieren sollte, weil das Spekulanten zu Gegenwetten einladen würde. Die Zentralbank muss aber nach Mehrheitssicht der Ökonomen viel entschlossener als beim ersten Anleihekaufprogramm vorgehen und das Volumen der Käufe dürfe nicht limitiert sein.

Die EZB wird ihren Wirtschaftsausblick nach Einschätzung der Schattenräte kräftig nach unten revidieren müssen: Während die Experten im EZB-Schattenrat nach einer kräftigen Abwärtsrevision in diesem Jahr eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent und im nächsten Jahr nur noch ein Miniwachstum von 0,2 Prozent erwarten, geht die letzte EZB-Prognose von Juni von einem 2012 noch knapp stagnierenden und 2013 um ein Prozent zulegenden BIP aus.

Von 13 teilnehmenden Schattenräten stimmten elf für eine Zinssenkungsempfehlung.

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