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Kindesmissbrauch: Angeklagter Pfarrer bittet um Vergebung

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19.01.2012

Prozesse Kindesmissbrauch: Angeklagter Pfarrer bittet um Vergebung

Staatsanwaltschaft beantragt sechseinhalb Jahre Haft – “Vertrauen schamlos ausgenutzt”.

Braunschweig – Der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Braunschweig angeklagte Pfarrer soll nach dem Willen von Staatsanwaltschaft und Nebenklägern für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Damit beantragten die Staatsanwältin und die Nebenklage-Vertreter am Donnerstag die Obergrenze des abgesprochenen Strafrahmens. Die Verteidigung forderte die vereinbarte Untergrenze von sechs Jahren Haft. Der Pfarrer bat die Mütter seiner Opfer im Gerichtssaal um Vergebung.

Angeklagt waren ursprünglich 280 Missbrauchstaten. Am Donnerstag wurden jedoch 27 davon aus rechtlichen Gründen gestrichen. Damit wollte Staatsanwältin Ute Lindemann das Risiko einer erfolgreichen Revision minimieren. Es handelte sich um Taten, deren zeitliche Einordnung während des Prozesses schwierig geworden war.

Auch der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen wurde fallen gelassen, da die Begründung der fehlenden sexuellen Selbstbestimmung des Opfers für das Verfahren zu umfangreich geworden wäre, wie die Staatsanwältin begründete. Unter anderem sollte dem betroffenen Jugendlichen die Aussage erspart bleiben.

Bei dem Jugendlichen handelt es sich um eines der drei Opfer, das schon als Kind von dem Angeklagten missbraucht worden war. Nach der Reduzierung bleiben 253 Missbrauchstaten übrig, die der katholische Pfarrer zu Prozessbeginn eingeräumt hatte. Demnach nutzte er den freundschaftlichen Kontakt zu zwei Familien, um in den Jahren 2004 bis 2011 einen Jungen aus Braunschweig und zwei Brüder aus Salzgitter im Alter von 9 bis 15 Jahren zu missbrauchen.

Die Jungen schliefen regelmäßig bei ihm im Pfarrhaus, er half ihnen bei den Schularbeiten und unternahm gemeinsam mit den Familien oder auch alleine mit den Kindern Urlaube, unter anderem nach Paris, Ägypten oder Teneriffa. Kennengelernt hatte er alle seine Opfer im Kommunionsunterricht.

Staatsanwältin Lindemann betonte in ihrem mehr als anderthalbstündigen Plädoyer, der Angeklagte habe seine Position als Pfarrer und das Vertrauen der missbrauchten Kinder und ihrer Eltern schamlos ausgenutzt. Dass er erst am dritten Verhandlungstag Worte der Reue geäußert habe, sei nicht authentisch gewesen.

“Angekommen ist bei mir nichts von ehrlicher Reue”, betonte Lindemann. Während der Verhandlung habe der Pfarrer seine Übergriffe stets zu beschönigen und zu bagatellisieren versucht. Die Anwälte der zwei betroffenen Mütter schlossen sich als Nebenklage-Vertreter dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an.

Mit Blick auf das noch folgende kirchenrechtliche Verfahren gegen den katholischen Priester sagte Lindemann, der Ausgang des Verfahrens sei klar: “Er verliert sein Priesteramt und seine Pensionsansprüche.” Niemand werde den Angeklagten mit dieser Vorgeschichte noch irgendwo beschäftigen, er sei “ruiniert”.

Der Verteidiger betonte, der Priester habe sich durch seine Taten selbst zum Opfer gemacht. Der Angeklagte sei “noch nicht einmal eine halbe Stunde” in der Untersuchungshaft gewesen, da sei er bereits von Mithäftlingen verprügelt worden. “Hier sitzt kein Monster, sondern ein Mensch”, sagte der Verteidiger Andreas Zott. Sein Mandant habe die Taten gestanden und darauf komme es an.

Die Kammer will am 26. Januar das Urteil verkünden. Nach dem Prozess gehen rund 3.000 sichergestellte Kinderpornografie-Dateien des Angeklagten an die Staatsanwaltschaft Hannover, die in einem gesonderten Verfahren ermittelt. Der Angeklagte ist laut der Einschätzung eines Gutachters psychisch gesund und damit schuldfähig.

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