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Wedeln im Wüstensand

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25.01.2012

Wüstenskifahren Wedeln im Wüstensand

Ex-Kombinierer Henrik May ist der schnellste Wüstenskifahrer der Welt.

Berlin/Swakopmund – Sanddüne statt Ski-Alm, Shorts statt Skihose: Als Henrik May vor fast 14 Jahren den Schnee gegen den Sand tauschte, ahnte der frühere Thüringer Kombinierer nicht, dass er die Bretter doch nicht an den Nagel hängen muss. Eine verrückte Idee, die Wüste als Piste zu entdecken. Heute ist er weltweit der einzige professionelle Wüstenskifahrer, betreibt die erste Skischule in Namibia und hat es damit ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.

“Skifahren im Sand ist ähnlich wie Tiefschneefahren – nur sinkt man nicht ganz so tief ein”, erzählt Henrik May. Als er 1998 aus Zella-Mehlis im Thüringer Wald nach Swakopmund am Rande der afrikanischen Wüste auswanderte, hatte er nicht vor, sich jemals wieder Skier unterzuschnallen. Die Karriere als Nordischer Kombinierer hatte er längt beendet, dem Skiklub von Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm, dem SC Motor Zella-Mehlis, Adieu gesagt. Sein altes Leben als Polizist wollte er Tausende Kilometer hinter sich lassen, sein Hobby das – Skifahren – damit auch.

Zusammen mit seinen Eltern, die ihm in die “deutscheste Stadt südlich des Äquators” folgten, kaufte May drei Hektar Land und baute eine Gästefarm auf. Eines Tages kamen Freunde aus dem Schwarzwald zu Besuch. Im Gepäck: ein paar alte Skier. Als er kurze Zeit später, die Bretter geschultert, in T-Shirt und kurzen Hosen die Düne hochstapfte und danach die ersten Spuren im Sand zog, war es um ihn geschehen. Das war im Sommer 2002.

Mittlerweile ist er im sogenannten Dune-Skiing ein Profi. Techniker, Trainer, Geschäftsmann gleichermaßen. Erst steckte Henrik May mit seiner Leidenschaft für das Fahren auf glühend heißem Sand Freunde und Bekannte an, mittlerweile wird er als Ski-Guide in Namibia gebucht. Mit seinen Gästen wedelt er dann durch die Wüste Namib. Doch zunächst steht erst einmal der mühsame Aufstieg zu den Sandhügeln mit über 30 Grad Steigung bevor. Ein Kraftakt bei 40 Grad Celsius unter sengender Sonne. Und Liftanlagen gibt es nicht. “Der Aufwand dafür wäre auch viel zu groß und aus Umweltgründen will ich das zudem gar nicht”, sagt May.

In 25 Schwüngen rast der Abenteurer die Düne hinunter, 30 Sekunden dauert das sandige Vergnügen. Ungeübten rät er, weniger die Kanten als beim üblichen Skifahren einzusetzen, “sonst sind Stürze unausweichlich”. Und ein Aufprall bei hoher Geschwindigkeit, das weiß er aus eigener Erfahrung, fühlt sich an wie ein Sturz auf Beton.

Das große Geheimnis einer schnellen Abfahrt ist allerdings nicht die Technik, sondern das Material. Seitdem er das Sandskifahren entdeckt hat, tüftelt Henrik May am perfekten Ski. “Es kommt in erster Linie auf das richtige Wachs an”, erklärt der Auswanderer. Dafür bekommt er von Oma Edith aus dem Thüringer Wald immer wieder Pakete mit verschiedenen Wachs- statt Wurstsorten geschickt. Die Tüftelei bleibt geheim, schließlich hat er mit dem richtigen Wachs erst im Mai 2011 einen Rekord aufgestellt. Mit 92,2 Stundenkilometern war Henrik May die Namib-Düne runter und damit ins Guinnessbuch der Rekorde gerast.

Doch nicht nur Abfahrtsläufe geben ihm den besonderen Kick. May bietet auch Langlauftouren an. Auf den schmalen Brettern ist das selbst für Anfänger ein Vergnügen, weil man kaum einsinkt und zurückrutscht. Mays großer Traum ist es, ein internationales Langlaufrennen in der Wüste zu organisieren. Im Moment denkt er darüber nach, sogar einen namibischen Ski-Verband zu gründen. “Das Interesse ist auf jeden Fall da”, sagt May. Ob es klappt, steht in den Sternen. Egal, er lebt seinen Traum – auf Ski in der Namib-Wüste: “Der breiteste Sandstrand der Welt”, schwärmt er.

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