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Waffe über Laden aus Jena

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26.02.2012

NSU Waffe über Laden aus Jena

„Spiegel“ berichtet über weitere Ermittlungspanne – Ramelow: Mosaikstein im Behördenversagen.

München/Jena – Der Mitinhaber eines rechten Szeneladens im thüringischen Jena soll in die Beschaffung einer Waffe für das Zwickauer Terrortrio eingebunden gewesen sein. Wie der „Focus“ am Sonntag berichtete, soll Andreas S. die Ceska 83 sowie einen Schalldämpfer an den inzwischen verhafteten damaligen Rechtsextremisten Carsten S. verkauft haben. Carsten S. hatte bereits die Weitergabe der Pistole an Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe eingeräumt. Unterdessen berichtet „Der Spiegel“ von weiteren Ermittlungspannen.

Laut „Focus“ sind die Ermittler bei Vernehmungen des bereits im November verhafteten Holger G. auf die Spur des Ladens gekommen. G. habe bei seinen Befragungen Angaben zu einer anderen Waffe gemacht, die er dem Trio im Auftrag von Ralf Wohlleben übergeben hatte. Wohlleben hätte ihm damals erklärt, die Pistole stamme von Andreas S., wie das Magazin weiter berichtete. Der einstige NPD-Funktionär Wohlleben sitzt inzwischen ebenfalls in Untersuchungshaft.

Eine Wohnungsdurchsuchung bei Andreas S. Ende Januar soll bestätigt haben, dass er auch die Ceska veräußert hatte. Allerdings habe er die Absichten des Käufers nicht gekannt. Daher gilt er laut „Focus“ weiter nur als Zeuge. Mit der tschechischen Ceska soll die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) mindestens zehn Morde verübt haben.

Magazin: Ermittler fanden Adressenliste

Derweil berichtete „Der Spiegel“, dass bei einer Hausdurchsuchung im Jahr 2000 beim Chemnitzer Neonazi Thomas S. eine Adressenliste mit den Namen Mundlos und Zschäpe gefunden worden sei. Der 44-Jährige stehe inzwischen wegen mutmaßlicher Unterstützung der Terrorzelle im Visier der Ermittler. Auf der Liste hätten zudem weitere Namen von derzeit verdächtigen NSU-Unterstützern gestanden.

Die Liste sei damals aber offenbar weitgehend ignoriert worden. Die sächsischen Beamten hätten sie an das Thüringer Landeskriminalamt geschickt. Von dort sei aber keine weitere Reaktion gekommen, hieß es weiter. Thomas S. habe Ende der 90er-Jahre als Führungsfigur der Chemnitzer Neonazi-Szene gegolten.

Thüringens Linksfraktionschef Bodo Ramelow sprach von weiteren Indizien dafür, dass die Mordserie der NSU „hätte verhindert, aber mindestens deutlich früher gestoppt werden können“. Es sei ein neuer „Mosaikstein für das Gesamtbild eines Totalversagens der Sicherheitsbehörden“.

Ramelow äußerte sich zudem verwundert, dass „die Ende der 90er-Jahre mit gigantischem Aufwand betriebene Ermittlungsarbeit von Monat zu Monat nachließ und die Behörden später das Interesse fast ganz verlassen hat“. Die neuerlichen Erkenntnisse müssten Gegenstand der Arbeit des Untersuchungsausschusses sein.

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