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Vom „Trottel des Dorfes zum „Dino Nazionale

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27.02.2012

Dino Zoff Vom „Trottel des Dorfes“ zum „Dino Nazionale“

Die italienische Torhüter-Legende feiert am Dienstag ihren 70. Geburtstag.

Florenz – Es war nur eine der zahllosen Paraden. Es war allerdings seine ultimative Parade, an die sich Italien bis heute erinnert. An jenen 5. Juli 1982, als Dino Zoff einen Kopfball des Brasilianers Oscar in der 90. Minute auf der Linie festhielt und den Italienern einen 3:2-Sieg und das Halbfinale sicherte. Eine Woche später schlugen die Azzurri Deutschland im Endspiel 3:1 und Kapitän Zoff krönte seine Karriere als 40-Jähriger mit dem Weltmeistertitel.

Heute wird die Torwart-Legende, die man „Dino Nazionale“ und den „Heiligen Dino“ taufte, 70. Zwischen den Pfosten gewann er sechs Meisterschaften, zwei Pokale, einen UEFA-Cup und die Europameisterschaft 1968 in 22 Profisaisons. „Doch der WM-Erfolg bleibt das Nonplusultra. Diese ausgelassen kindische Freude, diese unbeschreiblichen Emotionen kann dir nur der Sport geben.“ Dabei begann die Laufbahn des nüchternen Friulers, der in einem Örtchen Nahe der slowenischen Grenze aufwuchs, schleppend.

Neben Motorsport besaß Zoff von Kleinauf eine Passion für die Rolle des Torwarts. „Ich warf mich ständig hin, um Paraden zu üben. Dabei gingen nicht nur einige gute Hosen drauf, sondern ich galt als der Trottel des Dorfes.“ Im Hauptberuf Automechaniker, arbeitete er in der Freizeit weiter am Fußballtraum. Aber die Beobachter von Juventus, Inter und Milan erwogen Zoff als zu klein und winkten dankend ab. So wechselte er zu Udinese, wo er mit 19 und einer 2:5-Niederlage gegen Florenz in der Serie A debütierte. „Tage später sah ich die Gegentore im Kino und wollte mich aus lauter Scham unter dem Sitz verkriechen“, erinnert sich Zoff.

Zoff auf Rekordjagd

Stolzere Zeiten ließen allerdings nicht allzu lange auf sich warten. Über die erste große Station Neapel landete Zoff 1972 schließlich bei seiner Jugendliebe Juventus Turin und avancierte zur Ikone. Er verpasste in elf Jahren keines der 332 Ligaspiele (bis dato gültiger Serie-A-Rekord) und blieb zwischendurch 904 Minuten ohne Gegentor.

Im Nationaltrikot musste er in 1143 Minuten nicht hinter sich greifen (1972-1974), unter anderem beim 1:0 gegen England in Wembley 1973, dem ersten Sieg der Azzurri auf englischem Boden. Die Partie nennt Zoff immer noch eines seiner größten Spiele, während er die empfindlichste Niederlage auf 1983 datiert – das 0:1 im Landesmeister-Finale gegen den Hamburger SV. „Wir waren haushoher Favorit und dachten übermütig, den Pokal bereits in der Tasche zu haben“, sagt Zoff, dem die größte Klubtrophäe somit verwehrt blieb.

Keine Lektion von Berlusconi

Nach diesem bitteren Schlusspunkt beendete er im Alter von 41 nach 570 Ligapartien und 112 Einsätzen bei den Azzurri die aktive Laufbahn und begründete: „Die einzige Sache, die ich nicht halten kann, ist die Zeit.“ In der Folge schlug Zoff die Trainer-Karriere ein. Neben Juventus, Lazio und Florenz coachte er zwischen 1998 und 2000 die Nationalelf, mit der er das EM-Endspiel gegen Frankreich erreichte und unglücklich durch David Trezeguets Golden Goal 1:2 verlor. Im Anschluss übte Silvio Berlusconi harsche Kritik an Zoffs Kompetenzen, worauf „Dino Nazionale“ erwiderte „Von Signor Berlusconi lasse ich mir keine Lektion in punkto Würde erteilen“ und prompt sein Amt niederlegte.

Eine stimmige Reaktion einer Person, die bis heute Fairness propagiert und Schwalben als widerliche Plage anprangert. Wie der 70-Jährige in Erinnerung bleiben möchte? „Ein seriöser Arbeiter, der stets als Vorbild gedient hat. Das klingt zwar prätentiös, doch da mir das jeder sagt, glaube ich daran.“

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