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Vom Spaßdribbler zur Führungsfigur

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27.02.2012

Ribery Vom Spaßdribbler zur Führungsfigur

Franck Ribery macht gegen Schalke mit zwei Toren ein überragendes Spiel.

München – Ob sich Matthieu jetzt noch nach Bremen aufmacht, um seinem Cousin Franck Ribery auch im Länderspiel am Mittwoch gegen Deutschland bei der Arbeit zuzusehen, ist nicht überliefert. Mehr als 1.000 Kilometer hatte er aus seinem Heimatort Boulogne-sur-Mer im Norden Frankreichs mit drei weiteren Kumpels im Auto zurückgelegt, um seinem Verwandten im Spitzenspiel des FC Bayern am Sonntag gegen den FC Schalke (2:0) ganz nah zu sein.

Und die zehnstündige Reise hat sich gelohnt. Ribery spielte beschwingt wie lange nicht mehr, erzielte zwei Tore und war mit großem Abstand auffälligster Akteur in der Allianz-Arena. „Ich hatte mit Matthieu und den Jungs viel Spaß zusammen, das ist super.“

Vier-Augen-Gespräch mit Heynckes befreit kleinen Franzosen

Der 28 Jahre alte Franzose hat nicht nur seine Kumpels glücklich gemacht, vielmehr hat er dem FC Bayern mit seiner formidablen Darbietung vor einer veritablen Krise und dem Abrutschen aus den Champions-League-Plätzen bewahrt. „Der Sieg war sehr wichtig für den Kopf“, sagte Ribery. Vorausgegangen war ein Vier-Augen-Gespräch mit Bayern-Trainer Jupp Heynckes am Samstag. „Franck ist ein Wohlfühl-Spieler“, machte der 66 Jahre alte Fußballlehrer Andeutungen über den Inhalt: „Er braucht ein gute Atmosphäre und Vertrauen.“

Diese Zuneigung hatte Ribery nach seiner Auswechslung in der Champions League beim 0:1 in Basel nicht gespürt: Er verweigerte Heynckes hinterher gar den obligatorischen Handschlag. Das lange Gespräch im Mannschaftshotel in Unterschleißheim, sagte Heynckes, „das hat, glaube ich, Franck auch befreit.“

In der Tat: Ribery sprintete gegen Schalke in der Anfangsphase nicht nur in den eigenen Strafraum zurück, um sich mit einer beinahe astreinen Grätsche den Ball zu erkämpfen und schnell zum Mitspieler weiterzuleiten. Bei seinem Führungstreffer demonstrierte er zudem, warum er an guten Tagen zu den besten Kickern des Planeten gehört. Artistisch sah es aus, wie er mit dem rechten großen Zeh den Ball über den herauseilenden Schalke-Torhüter Timo Hildebrand hinweg spitzelte, um ihn danach locker ins leere Tor zu schieben. „Das machen ihm nicht viele Spieler nach“, sagte Hildebrand.

Ribery muss seine Rolle in der Nationalelf wieder finden

Benedikt Höwedes, Riberys Gegenspieler, dürfte nach dem Spiel nicht gleich eingeschlafen sein. Die zahlreichen verlorenen Zweikämpfe, die Sprints und Pirouetten werden den deutschen Nationalspieler noch lange beschäftigt haben. Und auf den kleinen, wendigen Franzosen könnte er am Mittwoch gleich wieder treffen. „Wenn Franck so spielt, ist er nur schwer zu verteidigen“, sagte Höwedes. Der Verteidiger klang dabei fast ein bisschen zu ängstlich.

Seit 2007 spielt Ribery jetzt schon beim FC Bayern. Er hat in dieser Zeit viele herausragende Spiele gemacht. Doch nie waren seine Statistikwerte mit zehn Treffern und zehn Torvorlagen nach 23 Spieltagen besser. Der frühere Spaßdribbler mit Hang zum Leichtsinn ist zu einer Führungsfigur gereift, der die eigenen Nachwuchsspieler wie David Alaba am Herzen liegen. „Es ist schön, ihnen auf und neben dem Platz zu helfen“, sagte Ribery.

In der französischen Nationalmannschaft muss er seine Rolle auf der linken Außenbahn nach den Verwerfungen bei der WM 2010 und der daraus resultierenden Drei-Spiele-Sperre erst wieder finden. „Für mich sind allerdings seine herausragenden Auftritte in der Bundesliga der Maßstab“, sagte Bundestrainer Joachim Löw: „Er beherrscht die 1:1-Situationen in Perfektion und kann Spiele alleine entscheiden.“ Sieben Tore hat er in 56 Länderspielen bisher für die Equipe tricolore erzielt. Den achten Treffer will Ribery nun am Mittwoch folgen lassen.

Dem Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der auch die deutsche Mannschaft betreut, hat Ribery in der Kabine nach dem Schalke-Spiel schon mitgeteilt: „Ich werde ein Tor schießen und anschließend zu ihm zur Bank gehen.“ Riberys Cousin Matthieu wird es genau verfolgen – entweder am Fernseher oder eben doch im Stadion.

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