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Vom experimentellen Kurzfilm zum Yello-Video

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04.04.2012

Dieter Meier Vom experimentellen Kurzfilm zum Yello-Video

Yello-Sänger Dieter Meier präsentiert sich in Karlsruhe als Avantgardekünstler.

Karlsruhe – Als Sänger der Elektropop-Formation Yello wurde er berühmt: Ab Freitag (6. April) stellt Dieter Meier im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie seine Arbeit als Avantgardekünstler und Filmregisseur vor. Unter dem Titel „Dieter Meier. Works 1969-2011 and the YELLO Years“ sind bis zum 19. August unter anderem Film- und Videoclips, Dokumentationen von Kunstperformances und Fotoserien zu sehen, die der Schweizer in den vergangenen vier Jahrzehnten geschaffen hat.

Er hätte nicht damit gerechnet, dass seine Kunst nach so langer Zeit eine solche Öffentlichkeit bekomme, sagte Meier am Mittwoch in Karlsruhe. Seine „Hervorbringungen“ seien nicht gezielt angestrebte Werke, sondern „eher Fußspuren eines zufälligen Ganges“ durchs Leben.

In den 1970er Jahren machte Meier als Avantgardekünstler mit teils radikalen, teils absurd-komischen Aktionen auf öffentlichen Plätzen auf sich aufmerksam. So ließ er im Kunstmuseum Luzern die Besucher an einer Stechuhr die Zeit abstempeln, die sie in einem leeren Raum verbracht hatten. Im Kunsthaus Zürich stellte er 48 imaginäre Biografien aus. In New York kaufte er Passanten für einen Dollar ein „Ja“ oder „Nein“ ab und stellte ihnen dafür eine Urkunde aus.

In den 1980er Jahren stürmten Meier und Boris Blank mit der Formation Yello die Charts. Stücke wie „The Race“ und „Oh Yeah“ machten das Duo international berühmt und tauchten in mehreren Filmen auf. In den Musikvideos von Yello zeigt sich deutlich der Einfluss von Meiers frühen Arbeiten als Experimentalfilmer und Avantgardekünstler. So sind im Video zu Yellos Song „Pinball Cha Cha“ Figuren aus Puderzucker und Knete zu sehen, die ursprünglich für ein Fotoprojekt entstanden waren.

Es sei ein „großer Zufall“ gewesen, dass Yello so viel Aufmerksamkeit geweckt habe, sagte Meier. Weder er noch Blank hätten Noten lesen können oder ein Instrument beherrscht. Aus der Not, nichts zu können, hätten sie eine Tugend gemacht. So habe Blank Instrumente erfunden – beispielsweise eine Zeitung auf dem Tisch zum Rascheln gebracht und daraus einen Rhythmus erarbeitet.

Ihre Musik habe deshalb so viel Erfolg gehabt, weil in den 1980er Jahren Hip-Hop und Elektro bereits als Grundstimmung vorhanden gewesen seien. Dieser Zeitgeist habe sich mit ihrem „avantgardistischen Dilettantismus“ überschnitten und dadurch sei der Funke übergesprungen, sagte Meier.

2010 öffnete Meier erstmals sein künstlerisches Archiv für die Ausstellung „En passant“ im Berliner Projektraum der Galerie Grieder Contemporary. Die teilweise verschollen geglaubten Fundstücke werden nun in der Ausstellung in Karlsruhe präsentiert. Darunter sind Zeichnungen und Konzepte für Kunstaktionen ebenso wie Bilderserien aus den 1970er Jahren und der Neuzeit sowie experimentelle Kurzfilme. Auch Musikvideos von Yello etwa für „Bostich“, „Vicious Games“ und „The Race“ sind zu sehen.

Am 5. Mai gibt Meier im Rahmen der Ausstellung ein Konzert in Karlsruhe. Im ZKM Medientheater stellt er sein neues musikalisches Projekt „Out of Chaos“ vor und präsentiert nach Angaben der Veranstalter exklusiv mehrere neue Songs. Die erste CD von „Out of Chaos“ soll im Herbst veröffentlicht werden.

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