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Völler redet Ballack ins Gewissen

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02.02.2012

Bayer Leverkusen Völler redet Ballack ins Gewissen

“Erwarte von Michael, dass er sich selbst äußert” – Warnung vor Untergangsstimmung.

Leverkusen – Rudi Völler hat sein Schweigen gebrochen und sich mit deutlichen Worten an Michael Ballack und dessen Entourage in das Theater um den Mittelfeldstar bei Bayer Leverkusen eingeschaltet. In einer mehr als 30-minütigen Abrechnung hat der Weltmeister von 1990 seinem Ärger Luft verschafft und auch ein paar kritische Töne in Richtung Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser angestimmt.

“Ich erwarte von Michael, dass er sich selbst äußert, und nicht seinen Berater vorschickt, der Jurist ist und meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben”, sagte Völler am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Leverkusen, nachdem er sich – auch krankheitsbedingt – eine Woche lang aus den emotional geführten Diskussionen ausgeklinkt hatte. “Er war Kapitän der deutschen Nationalmannschaft – er braucht doch niemanden vorschicken.”

Insbesondere Ballacks Berater Michael Becker bekam von Völler gehörig sein Fett weg. “Becker hat die dunkelgelbe Karte bekommen. Es wird nicht mehr passieren, dass er uns als Verein so angreift. Sonst ist er das letzte Mal bei uns im Stadion gewesen”, ergänzte Völler, nachdem er zuvor ein Gespräch mit Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Becker geführt hatte. In diesem hat der frühere Teamchef der deutschen Nationalmannschaft Ballacks Berater offenbar verdeutlicht, dass dieser “ein paar Dinge zu akzeptieren hat, die der Verein vorgibt.” Becker hatte seinen Mandanten in der ganzen Causa als “Bauernopfer” bezeichnet.

Doch auch Holzhäuser musste sich einige kritische Worte von Völler gefallen lassen. Das “Projekt Ballack” als gescheitert zu erklären, hält der frühere DFB-Teamchef für verfrüht. “Ich fand den Zeitpunkt nicht gut. Das hat Holzhäuser auch aus einer gewissen Verärgerung über Ballack heraus gesagt.” Streit hätte es zwischen ihm und dem Geschäftsführer aber nie gegeben. “Als Chef darf Wolfgang Holzhäuser auch einmal ein bisschen über das Ziel hinausschießen.”

Denn trotz der massiven Kritik an den früheren Nationalmannschaftskapitän und dessen Umfeld hält Völler die Verpflichtung des 35-Jährigen nach wie vor für “mehr als richtig”. Die habe er auch gar nicht bereut. “Als wir Michael Ballack vor eineinhalb Jahren geholt haben, war uns klar, dass wir nicht den Michael Ballack von vor zehn Jahren verpflichtet haben.” An einen verfrühten Abgang des Mittelfeldspielers Richtung Asien oder USA glaubt Völler nicht.

Bei allen Dissonanzen sei Ballack “ein richtig toller Charakter, aber das kommt manchmal nicht so rüber”, sagte Völler und richtete einen flammenden Appell an den Mittelfeldstar. “Das muss man spüren, und spüren heißt nicht: Den Berater vorschicken oder auch manchmal die beleidigte Leberwurst spielen. Meine Bitte ist: Versteck dich nicht in deinem Schneckenhaus, dafür bist du viel zu gut und auch zu selbstbewusst.”

Von Ballack erwarte er nun, dass er “alles für Bayer Leverkusen tut und sich so verhält, wie wir uns Michael Ballack vorgestellt haben.” Dazu gehöre zwar auch, Ansprüche zu stellen, “aber am Ende entscheiden immer der Trainer und die Leistung, wer spielt.”

Völler warnte davor, aufgrund von Personaldebatten und Nebenkriegsschauplätzen die sportlichen Ziele aus den Augen zu verlieren. “Eines darf nicht passieren: Dass wir eine Untergangsstimmung kreieren. Das geht nicht”, sagte Völler. “Wir haben große Ziele, da wird keine Saison abgehakt. Jetzt zählt nur noch Bayer Leverkusen. Wir wollen angreifen, und dazu brauchen wir auch einen Michael Ballack.”

Ob Ballack am kommenden Samstag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart von Beginn an dabei sein wird, ist unwahrscheinlich. “Ich habe ungewöhnlicherweise meine Startelf schon im Kopf”, sagte Leverkusens Trainer Robin Dutt. Auch habe Ballack “sehr gut trainiert”, wie Dutt versicherte. “Aber wenn alle gut trainieren, muss man Entscheidungen treffen.” Und die fiel zuletzt in Bremen gegen Michael Ballack aus.

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