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Viele Eisen im Feuer

© dapd

20.01.2012

Robert Kaufmann Viele Eisen im Feuer

Messerschmied fertigt Unikate im Wert bis zu 15.000 Euro.

Aitrach – Der Griff des Küchen-Messers ist aus sibirischem Mammut-Elfenbein, an seinem Ende formen glitzernde Brillanten ein Alpen-Edelweiß. Die Schneidefläche wird von einer feinen Maserung durchzogen. Es ist kaum vorstellbar, mit diesem Kunstwerk ein Kotelett zu zerkleinern oder Gemüse auf die Gabel zu schieben.

Doch der Messerschmied Robert Kaufmann stellt seine “Cutting Art” im Allgäu nicht nur für die Vitrine, sondern auch für den Gebrauch her. “Neben Sammlern habe ich viele Kunden, die lange sparen, um sich qualitativ hochwertiges Werkzeug für die Küche anfertigen zu lassen.”

Seit 1994 stellt der gelernte Industriemechaniker in Aitrach Messer-Unikate und Schwerter aller Art her. Die teuersten Modelle lagen bisher bei rund 15.000 Euro. Der Preis ergibt sich aus den seltenen Materialien wie Holz aus Afrika und Australien oder sibirischem Elfenbein, die Kaufmann am liebsten verwendet. Die Arbeitszeit ist nicht unerheblich. An manchen Stücken arbeitet der 41-Jährige ein Jahr. Das Besondere an seinen Werken: Sie entstehen aus Damaststahl, einem Schweißverbund aus mehreren Schichten. Daraus ergibt sich auch die feine Maserung auf den Schneideflächen.

In der Werkstatt hinter seinem alten Bauernhaus verrichtet Kaufmann alle Arbeiten, die Dreck und Lärm machen. In einem selbst gebauten Ofen werden zur Fertigung des Damaststahls etwa 25 bis 30 Lagen Eisen zu einem Block zusammengeschweißt, der mit dem zwei Meter hohen Hammer-Amboss bearbeitet wird. Den Feinschliff bekommt das Material dann in einem umgebauten Wohnwagen. “Der ist im Winter wenigstens beheizt”, sagt Kaufmann und nimmt sich die Schweißer-Haube vom Kopf. Seine Hände sind pechschwarz. Richtig sauber werden sie nur noch, wenn er im Urlaub ist.

Den Beruf des Messermachers gibt es eigentlich gar nicht nicht. Nur wenige beherrschen in Deutschland die Fertigung eines kompletten Schneidewerkzeugs inklusive Lederscheide, in der das scharfe Stück aufbewahrt werden kann. “Ich bin quasi Schmied, Werkzeughersteller, Elfenbeinschnitzer, Goldschmied, Sattler und Graveur in einem”, sagt Kaufmann nicht ohne Stolz. Das meiste hat er sich selbst beigebracht.

Die Idee, ein Messer von der Schneide bis zum Griff selbst herzustellen, kam ihm während eines Schweden-Urlaubs. Er war Monate mit dem Fahrrad unterwegs, zeltete und hatte ein kleines Schneidewerkzeug dabei, das ständig stumpf war. Kurzerhand kaufte er sich eine Klinge und bestückte sie mit einem selbst gebauten Griff und Messerscheide. Zurück in Deutschland baute er sich aus Schrott eine Schmiede, sein erster Amboss bestand aus einem Stück Eisenbahnschiene.

“Messer haben für mich etwas Archaisches, etwas Ursprüngliches”, erklärt Kaufmann seine Faszination. Als eine Art Waffe sieht er sie nicht. “Von dem Messer an sich geht keine Gefahr aus, nur von der Person, die es benutzt.” Auch bei Ausstellungen in Europa und den USA, an denen er mit seiner “Cutting Art” regelmäßig teilnimmt, seien die Reaktionen zu 99 Prozent positiv. Zudem stelle er bei seinen Auftragsarbeiten nichts her, was verboten sei. “Butterflymesser beispielsweise sind tabu”, sagt Kaufmann.

Ein Drittel seiner Kunden sind übrigens Frauen. Und nicht alle wollen individuelle Schneidewerkzeuge für die Küche. Yvonne Schilling aus Remscheid trägt ihre Unikate von Robert Kaufmann hauptsächlich in Handtasche oder Rucksack mit sich herum. Als Jägerin ist sie viel in der Natur unterwegs und picknickt gerne. Vor Jahren bekam sie von ihrem Mann zur Hochzeit ein kleines Messer mit Elfenbeingriff und Edelweiß geschenkt, ähnlich dem Modell, das in Aitrach ausgestellt ist. “Ich war so begeistert, dass ich mir noch die Gabel dazu bestellt habe”, sagt die 44-Jährige. Wann immer es sich ergibt, isst sie während ihrer Ausflüge mit dem edlen Besteck.

Als geborene Metzgertochter waren Messer für sie immer nur Gebrauchsgegenstände. “Erst jetzt ist mir aufgefallen, welch ästhetischer Wert sich dahinter verbergen kann”, fügt sie hinzu.

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