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Schweden streitet über seine Armee

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13.02.2013

Verteidigung Schweden streitet über seine Armee

Oberbefehlshaber klagt über geschrumpfte Landesverteidigung.

Stockholm – Der Oberbefehlshaber wegen totaler Erschöpfung krankgeschrieben. Die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft. Waffenarsenal und Truppenstärke auf Bruchteile des einstigen Umfangs reduziert. Es hat einmal eine Zeit gegeben, da zitterten Russen, Polen, Deutsche und Dänen gleichermaßen vor Schwedens Militärmacht. Das ist allerdings jetzt 300 Jahre her.

Heute klingt es kleinlaut aus dem Munde des ranghöchsten schwedischen Soldaten. „Wenn Schweden heute militärisch angegriffen wird, können wir uns bestenfalls eine Woche verteidigen. Danach sind wir auf die Hilfe anderer Länder angewiesen“, ließ sich Sverker Göranson, Oberbefehlshaber der Streitkräfte, kürzlich vernehmen. Kaputt gespart, die stolze Truppe. Auf diese Formel lässt sich der Befund wohl bringen.

Die Frage wäre auch, woher im Notfall die Hilfe anderer Länder kommen sollte. Das neutrale Schweden kann sich nicht auf den Schutzschirm der Nato verlassen. Eine ganze Woche durchzuhalten, unkte Göranson weiter, wäre obendrein nur dann möglich, wenn sich der militärische Schlagabtausch auf begrenzte Scharmützel in einer einzelnen Region beschränke. Im Fall eines feindlichen Großangriffs wäre die Landesverteidigung noch viel schneller am Ende. Düstere Aussichten. Das schwedische Militär schaut besorgt in Richtung Russland, das seine Streitkräfte derzeit kräftig modernisiert.

Für alle drei Waffengattungen – Heer, Marine und Luftwaffe – reiche das Geld nicht mehr, warnte der Oberbefehlshaber bereits im vergangenen Jahr zu bester Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen SVT. Die Finanzen seien so miserabel, dass sich die Regierung entscheiden müsse, entweder den Verteidigungsetat wieder kräftig zu erhöhen oder eine ganze Waffengattung einzustampfen.

Tatsächlich ist Schwedens Militäretat seit Jahren immer weiter geschrumpft, wurden Stützpunkte zugemacht und Einheiten zusammengelegt. Entfiel 1978 auf Verteidigung noch ein Anteil von 3,1 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, so waren es 2009 nur noch 1,2 Prozent. Von 116 Armeebataillonen im Jahr 1985 waren 2009 nicht mehr als sieben übrig. Die Zahl der Flugzeuge wurde in der gleichen Zeit von 320 auf 100 verringert. Seit Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht 2010 leidet die Verteidigung auch noch am Rekrutenmangel.

Auch wenn die Zahlen für Göranson sprechen – Freunde in der Politik hat er sich mit seinem offenherzigen Bekenntnis nicht gemacht. In Stockholm wird ihm verübelt, dass er an die Medien ging statt seine Bedenken diskret mit der Regierung zu besprechen. Ein förmliches Untersuchungsverfahren gegen ihn soll klären, inwieweit er mit seinen Äußerungen sogar die nationale Sicherheit gefährde. Entnervt hat sich Göranson mittlerweile krankschreiben lassen. „Burnout-Syndrom“ lautet die Diagnose.

Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt zeigte sich denn auch „irritiert“ über die Aussagen seines Oberbefehlshabers. „Ich sehe derzeit nicht, dass irgendeine fremde Macht einen Angriff auf Schweden plant“, so der Ministerpräsident. Die geopolitischen Bedingungen hätten sich geändert. „Deshalb haben wir auch keine territorial komplette Verteidigung“, so Reinfeldt. Das Militär sei zudem kein staatliches Kerninteresse, sondern nur eines von vielen, die seine Regierung berücksichtigen müsse, betonte der Ministerpräsident. Er müsse auch die Bildung und das Gesundheitswesen im Blick haben.

Heute scheinen nur noch die Sozialdemokraten ein Herz für das Militär zu haben. „Die Verteidigung ist kein Einzelinteresse, sondern das Kerninteresse des Staates“, kritisierte deren Chef Stefan Löfven den neuen bürgerlichen Pazifismus.

Ein Tabu gilt dennoch immer noch: Obwohl Schweden trotz seiner Neutralität schon im Kalten Krieg eng mit Nato und den USA zusammengearbeitet hat, gibt es keine Debatte über einen Beitritt zum Bündnis. Und damit gibt es auch keine Zusicherung der anderen westlichen Länder, Schweden im Notfall zu schützen.

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