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Angeklagter freigesprochen

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28.03.2012

Versuchter Polizistenmord Angeklagter freigesprochen

Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung.

Leipzig – Ein wegen versuchten Mordes an einem Polizisten angeklagter Mann ist vom Landgericht Leipzig wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. „Sie sind gerade noch einmal haarscharf davon gekommen, ein Mörder zu sein“, sagte der Vorsitzende Richter der ersten Strafkammer, Hans Jagenlauf, am Mittwoch zu dem 25-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen versuchten Mordes auf ein Strafmaß von zwölf Jahren und einem Monat plädiert.

Eine Verurteilung wegen versuchten Mordes, wie sie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer gefordert hatte, sei aufgrund der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht möglich. „Nicht bei jeder Fahrt auf einen Polizisten ist von einem Tötungsvorsatz auszugehen“, sagte Jagenlauf. Es mache die Kammer „nicht unbedingt glücklich“, den Angeklagten nur wegen schwerer Körperverletzung und nicht wegen versuchten Mordes verurteilen zu können. „Das Urteil ist kein Freibrief für Zufahrten auf Polizeibeamte“, sagte Jagenlauf, „die Strafe soll deutlich machen, dass die Tat von erheblicher krimineller Energie geprägt war.“

Die Verteidigung hatte ein Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung und ein Strafmaß von sechs Jahren erreichen wollen. Die Staatsanwaltschaft will nun angesichts des Urteils die Einlegung von Rechtsmitteln prüfen.

Der 25-Jährige hatte am 18. September 2011 in einem Gewerbegebiet in Espenhain bei Leipzig Kupferrohre stehlen wollen, um seinen Konsum von Drogen finanzieren zu können. Er fuhr mit einem Auto vor einer Polizeistreife davon, die ihn kontrollieren wollte, weil sein Fahrzeug ungültige Kennzeichen hatte. Bei der Flucht vor der Polizei erreichte er auf der Bundesstraße 95 eine Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern, erlaubt sind zwischen 70 und 100. Bei einer Sperre der Polizei fuhr er ungebremst einen Beamten an und verletzte ihn lebensgefährlich. Der 34-Jährige kann derzeit nur zehn Minuten mit Gehhilfen laufen. Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, der Polizist werde seinen Beruf nicht mehr so ausüben können, wie er es bisher getan habe.

Die Kammer ordnete an, dass der 25-Jährige ein Jahr und sechs Monate seiner Strafe in einem Maßregelvollzug für einen Drogenentzug verbringen muss. Er hatte in dem Verfahren davon gesprochen, seit zehn Jahren regelmäßig Crystal zu nehmen. Zuletzt habe er täglich zwischen einem und zwei Gramm der Designerdroge konsumiert. Wegen seiner Sucht habe er seine Arbeit als Dachdecker verloren, seine Freundin habe ihn nach mehr als vier Jahren Beziehung ebenfalls verlassen.

Das Urteil sieht zudem vor, dass er seinen Führerschein abgeben muss und erst nach einer Frist von drei Jahren neu beantragen darf. Der Haftbefehl gegen ihn, der im September 2011 erlassen worden war, bleibt bestehen.

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