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Verbandspiele bei den Australian Open

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22.01.2012

Verletzte Verbandspiele bei den Australian Open

Pflaster und Tape gehören zur Grundausstattung der Tennisprofis in Melbourne.

Melbourne – Die Tennismatches bei den Australian Open haben sich zu Verbandspielen entwickelt. Titelverteidigerin Kim Clijsters war am Sonntag die vorerst letzte Prominente, die sich in das Buch der Bandagierten eintrug. Die Liste der Lädierten wird seit Monaten von Rafael Nadal angeführt, der ohne umwickelte Knie gar nicht mehr auf den Platz geht.

Kim Clijsters war im ersten Satz der Neuauflage des Vorjahresfinales gegen die Chinesin Li Na umgeknickt. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelte die Belgierin zur Spielerbank, wo ihr ein Physiotherapeut das linke Sprunggelenk mit einem Verband fixierte. Nach Abwehr von vier Matchbällen im zweiten Satz gewann die 28-Jährige noch mit 4:6, 7:6 (8:6), 6:4 gegen die French-Open-Siegerin, die mit einem Heftpflaster am rechten Knie ins Spiel gegangen war.

Dicke Verbände gleich um beide Oberschenkel, wie sie die Italienerin Romina Oprandi bei ihrer Drittrunden-Niederlage gegen Julia Görges angelegt hatte, sind zwar nicht die Regel. Aber ein Tape an Sprunggelenk, Schulter oder Wade – wie am Samstag bei Görges – gehört fast schon zur normalen Grundausstattung eines Tennisprofis.

Wer unverbunden den Platz betritt, muss ihn noch lange nicht ohne Pflaster verlassen. Die Physiotherapeuten leisten in Melbourne Akkordarbeit. Pausen zur Behandlung von verrenkten Rücken, gezerrten Muskeln oder gar gerissenen Bändern wie am Freitag bei Anabel Medina Garrigues im Match gegen Li Na sind häufiger als Unterbrechungen wegen einer gerissenen Saite.

Als vorerst letzte Spielerin hat die Russin Maria Kirilenko aufgegeben. Nachdem sie sich am Samstag gegen Petra Kvitova im ersten Satz am linken Oberschenkel verletzt hatte, warf sie beim Stand von 0:6, 0:1 das Handtuch. Es war der vierte verletzungsbedingte Abbruch im Turnier der Frauen. Bei den Männern ist die Zahl der vor dem Matchball beendeten oder erst gar nicht angefangenen Spiele gar doppelt so hoch.

Deutschlands Beste bei Männern und Frauen, Florian Mayer und Andrea Petkovic, mussten aufgrund von Leistenverletzung beziehungsweise einer Stressfraktur im Iliosakralgelenk auf ihre Teilnahme beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres verzichten. Andreas Beck konnte wegen Verdachts auf Bandscheibenvorfall zum Zweitrundenduell mit Roger Federer nicht antreten.

Die Berufsspieler sorgen sich um ihre Gesundheit und gehen für einen verträglicheren Turnierkalender auf die Barrikaden. Die Verkürzung der Saison in diesem Jahr um zwei Wochen geht den Männern noch nicht weit genug, für die Frauen ist noch weitere zwei Wochen früher Schluss. “Wir wollen nicht, dass die jetzt noch jüngeren Spieler mit 40 Jahren auf ein künstliches Hüftgelenk angewiesen sind”, schrieben die Bryan-Brüder, die besten Doppelspieler der Welt, in einer Zeitungskolumne.

In der aktuellen Debatte innerhalb der ATP um weniger Belastungen (und auch mehr Preisgeld) fordert Rafael Nadal, die für Turnierteilnahmen zu Rate gezogene Weltrangliste wie im Golf in einem Zweijahres-Zeitraum zu berechnen. Die Spieler stünden dann weniger unter Druck, ihre im Vorjahr gewonnenen Punkte verteidigen zu müssen. Sie könnten sich mehr Zeit lassen, ihre Verletzungen auszukurieren, ohne Nachteile zu haben. Auch Roger Federer als Chef der Spielerkommission setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein. Über die Art und Weise, wie die Forderungen durchgedrückt werden sollen, ist er aber nicht einer Meinung mit Nadal und anderen Spielern. Der Schweizer ist für Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, der Spanier für öffentlichkeitswirksame Maßnahmen.

Schmerzen hatte am Samstag auch Nicolas Mahut. Der Franzose hatte an seinem 30. Geburtstag das zweifelhafte Vergnügen, in der Rod-Laver-Arena gegen Titelverteidiger Novak Djokovic spielen zu dürfen. Ein Tape um das linke Knie ließ erkennen, wo es dem Franzosen wehtat. Doch aufgeben galt nicht für den Gallier, der es zu einem Eintrag in die Annalen brachte, weil er sich mit John Isner 2010 in Wimbledon das längste Match der Geschichte geliefert hatte: 11:05 Stunden. Mahut biss auf die Zähne, denn: “Da waren so viele Zuschauer, die gutes Geld für ihre Tickets bezahlt haben. Ich dachte, ich bin ihnen schuldig, weiterzumachen.”

Djokovic hatte nur mit Mahut Mitleid und nicht mit den 15.000 Fans und erlöste den Gegner von seinen Leiden. Der Serbe gewann 6:0, 6:1, 6:1 in nur 74 Minuten und sagte hinterher: “Ich glaube, die meisten dachten, dass er aufgibt. Aber er blieb. Alle Achtung und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.”

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