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USA verlieren schillernden Gegner

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06.03.2013

Nach Tod von Chávez USA verlieren schillernden Gegner

Hugo Chávez galt vielen in Amerika als erklärtes Feindbild.

Boston – Die Menschenmassen auf den Straßen von Doral im US-Staat Florida waren in Feierstimmung. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte sich die Nachricht vom Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in Windeseile verbreitet. „Er ist weg“, riefen sie in der Stadt, die als Zentrum der 190.000 Menschen zählenden amerikanisch-venezolanischen Gemeinde in den USA gilt.

Die meisten „Doralzolaner“, wie sie sich selbst nennen, waren aus Angst vor Repressionen aus ihrer Heimat geflüchtet und hatten sich in der Nähe von Miami niedergelassen. Genau wie Hunderttausende Kubaner und andere Einwanderer aus Lateinamerika.

„Das ist wirklich eine Erlösung“, sagte die 81-jährige Maria Teresa van der Ree. Sie ist die Gründerin der gemeinnützigen Gesellschaft Ziviler Widerstand der Exil-Venezolaner. „Wir konnten so nicht weiter leben“, fügt sie hinzu.

Der überzeugte Sozialist Chavez hatte sich immer wieder mit den USA angelegt und zudem amerikanischen Bemühungen widerstanden, ihn zum Rückzug zu drängen. Am Dienstag war er an den Folgen seines langwierigen Krebsleiden verstorben. Nur Stunden vor der Todesnachricht hatte Venezuelas Vizepräsident Nicholas Maduro zwei US-Diplomaten ausgewiesen. Ihnen wurde eine Verschwörung vorgeworfen, das Land in einer kritischen Situation schwächen zu wollen. Maduro deutete zudem auf einer Pressekonferenz an, die USA seien an der Krebserkrankung Chávez‘ nicht schuldlos gewesen.

In Washington äußerte sich Präsident Barack Obama nicht zu den diplomatischen Verstimmungen. Stattdessen gab er eine neutrale Erklärung ab. „In dieser schweren Zeit nach dem Tod von Präsident Hugo Chávez versichern die USA dem venezolanischen Volk ihre Unterstützung und ihr Interesse daran, eine konstruktive Beziehung mit der Regierung von Venezuela aufzubauen“.

Carter lobt Chávez

Die Erklärung Obamas spiegelt das Dilemma wider, in dem sich die USA im Umgang mit Chávez befand. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte auf Verstöße gegen die Grundrechte durch Chávez hingewiesen. Dem konservativen Lager war zudem die linke und anti-kapitalistische Gesinnung des verstorbenen Präsidenten ein Dorn im Auge.

Normalerweise präsentieren sich die USA solchen Ländern gegenüber als Vorbild für die Freiheit. Doch die venezolanische Bevölkerung reagierte anders, als die USA es erwartet hatten. Sie wählte Chávez weiterhin. Auch weil dieser die Erlöse aus den Ölverkäufen an die USA nutzte, um Millionen von Menschen aus der Armut zu befreien. Mit dieser Strategie fand Chávez sogar Bewunderer in der amerikanischen Politik.

„Wir haben einen Mann kennengelernt, der eine Vision hatte. Er wollte wirkliche Veränderungen für sein Land, von denen besonders die profitierten, die vernachlässigt und an den Rand gedrängt wurden“, erklärte der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter. „Auch wenn wir nicht immer mit den Methoden seiner Regierung einverstanden waren, gab es keine Zweifel an seine Bestreben, das Leben von Millionen seiner Landsleute zu verbessern.“

Ölindustrie hofft auf Rückkehr

Derweil blicken amerikanische Ölkonzerne mit großer Anspannung den anstehenden Neuwahlen in Venezuela entgegen. Sie fragen sich, ob Maduro oder ein anderer die Politik Chavez‘ fortsetzen wird. ConocoPhillips und ExxonMobil mussten Venezuela 2007 verlassen, als der „Comandante“ die Ölindustrie verstaatlichte. ConocoPhillips war zu diesem Zeitpunkt der größte ausländische Investor in Venezuela und verlor durch den erzwungenen Rückzug 4,5 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro). „Es ist noch zu früh zu sagen, wie sich der neue Präsident verhalten wird, aber ConocoPhillips könnte der größte Profiteur sein“, glaubt Fadel Gheit, Analyst bei Oppenheimer & Company.

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