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Kardinäle rüsten sich für die Papstwahl

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04.03.2013

Vatikan Kardinäle rüsten sich für die Papstwahl

Erstes Vorbereitungstreffen in Rom – Kritik an Benedikt XVI.

Rom – Der Countdown im Vatikan läuft: Am Montag versammelten sich die Kardinäle der katholischen Kirche in Rom, um mit den Vorkehrungen für die Papstwahl zu beginnen. Nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. am vergangenen Donnerstag geht es zunächst darum, das Konklave zur Kür des neuen Kirchenoberhaupts vorzubereiten.

Die Entscheidung Joseph Ratzingers, als erster Papst seit 700 Jahren zurückzutreten, hat die Kirche in eine vollkommen neue Situation gebracht. Neben Respekt und Zuneigung für den abgetretenen Papst gibt es jedoch zunehmend auch kritische Stimmen.

Die Purpurträger kamen derweil am Morgen zu einem ersten Treffen in der Synodenaula des Vatikans zusammen, am Nachmittag sollte noch eine weitere Zusammenkunft stattfinden. Bei dem „Vor-Konklave“ sollten organisatorische Details im Vordergrund stehen, darunter der Beginn des Konklaves. Wenige Tage vor seinem Rücktritt hatte Benedikt noch ein Apostolisches Schreiben („Motu Proprio“) veröffentlicht, um den Kardinälen zu ermöglichen, angesichts der besonderen Situation die Wahl eventuell schon früher zu beginnen.

Normalerweise wird eine Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz („leerer Stuhl“ Petri) eingehalten, um den wahlberechtigten Kardinälen genügend Zeit zu geben, um aus aller Welt anzureisen. Mit einem konkreten Termin wurde am Montag allerdings noch nicht gerechnet.

Am Freitag waren sämtliche der über 200 Purpurträger per Brief offiziell aufgefordert worden, sich zu den Vorbereitungstreffen in Rom einzufinden. Wie viele Kardinäle schon am Montag dabei sein würden, war unklar. Vatikansprecher Federico Lombardi hatte vorab erklärt, dass mehrere von ihnen erst am Montagnachmittag oder am Dienstag in der Ewigen Stadt eintreffen würden.

Kritik an Benedikt: Priester verbrennt Bildnis

Der Rücktritt von Benedikt XVI. wird unterdessen nicht nur als mutiger Schritt angesehen. Am Sonntag verbrannte ein Priester der Parocchia von Castel Vittorio in der Toskana ein Bildnis des emeritierten Papstes. Von der Kanzel wetterte er gegen „Papa Ratzinger“, der „feige wie Schettino“ in der Stunde der Gefahr die Seinen verlassen habe. Francesco Schettino war der Kapitän des vor einem Jahr havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia.

Vor dem Rücktritt Benedikts hatte die römische Tageszeitung „La Repubblica“ die These vertreten, dass die Ergebnisse der Untersuchung der letzten großen Affäre von Benedikts Pontifikat – der sogenannten „Vatileaks“-Affäre um gestohlene Geheimdokumente – der eigentliche Grund für den überraschenden Rücktritt des alten Pontifex seien. Von Sex-, Geld- und Machtgelüsten im Vatikan war da die Rede, von einer „Schwulen-Lobby“ und von Erpressung in der Kurie. Dem abschließenden Untersuchungsbericht der dreiköpfigen Kardinalskommission, die sich mit den Ermittlungen zu Vatileaks beschäftigt hatten, hinterließ Benedikt seinem Nachfolger.

Spekulationen um Nachfolger laufen heiß

Mit dem sich nähernden Konklave rücken die Spekulationen über die mögliche Identität von Benedikts Nachfolger erneut in den Mittelpunkt. Einen klaren Favoriten gibt es zwar nicht, es mehrt sich jedoch die Anzahl derer, die auf einen neuen Papst aus Asien, Afrika oder Lateinamerika tippen. Der Vatikanist und Autor Marco Politi nannte am Montag in der Zeitung „Fatto Quotidiano“ sowohl den US-Kardinal Patrick O’Malley – den Erzbischof von Boston, der in seiner Diözese mit dem Missbrauchsskandal aufräumte – als auch den brasilianischen Kardinal Odilo Pedro Scherer, Erzbischof von Sao Paolo, als möglichen Nachfolger Ratzingers. Als aussichtsreicher italienischer Kandidat gilt bislang der Mailänder Erzbischof Angelo Scola.

Am eigentlichen Konklave zur Wahl des neuen Papstes dürfen nur die Kardinäle teilnehmen, die beim Eintreten der Sedisvakanz jünger als 80 Jahre alt waren. Nach derzeitigem Stand werden sich wohl 115 Kardinäle an der Papstwahl beteiligen. So hatte unter anderem der Erzbischof von Edinburgh, Kardinal Keith O’Brien, in der vergangenen Woche seine Teilnahme an der Papstwahl nach Missbrauch-Protesten abgesagt. O’Brien, der der einzige Geistliche aus Großbritannien gewesen wäre, war wegen „unangemessenen“ Verhaltens zurückgetreten. Am Sonntag hatte er sexuelles Fehlverhalten in seinem Umgang mit Priestern eingestanden und um Vergebung gebeten.

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