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Die geheimste Wahl der Welt

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13.03.2013

Konklave Die geheimste Wahl der Welt

Strenge Vertraulichkeitsregeln bei der Kür des Papstes.

Rom – Die Italiener lieben Superlative. Daher ist es selbstverständlich, dass zumindest im katholischen Belpaese das Konklave im Vatikan als „elezione più segreta del mondo“, als „geheimste Wahl der Welt“ gilt. Fest steht in jedem Fall: Der kleinste Staat der Welt ist mit seinen Sicherheitsvorkehrungen schwer zu übertreffen.

Die Sixtinische Kapelle war vor Beginn der Wahl abgeriegelt worden wie eine Festung. Oberstes Gebot: Nichts von dem, was hier während der Papstwahl hinter verschlossenen Türen besprochen wird, soll an die Öffentlichkeit dringen. Wer die Schweigepflicht verletzt, dem droht die Kirche schlimmstenfalls mit Exkommunizierung.

Die Abschottung betrifft dabei sowohl das wohl prächtigste Wahllokal der Welt – die vom Renaissance-Genie Michelangelo ausgemalte Kapelle – als auch die Unterkunft der 115 wahlberechtigten Kardinäle, das vatikanische Gästehaus „Casa Santa Marta“. „Kein Aufnahme- oder audiovisuelles Sendegerät“ darf in die betroffenen vatikanischen Räumlichkeiten eingeführt werden – so hatte es schon der Vorgänger des Ende Februar zurückgetretenen Benedikt XVI., Johannes Paul II., bestimmt. Im Gästehaus müssen die Purpurträger während des Konklaves auf alles verzichten, was auch einem Kardinal des 21. Jahrhunderts normalerweise an Informationsmitteln zur Verfügung steht: Verboten sind nicht nur Handys und Internet, sondern auch Presse, Fernsehen und Radio.

Der für die Undurchdringlichkeit seiner Mauern berühmte Vatikan hat sich angestrengt. Bei ihrem täglichen Gang vom Gästehaus zur Sistina und zurück werden die Kardinäle von den „Soldaten des Papstes“, der Schweizer Garde, begleitet. Das Innere der „Wahl-Kapelle“ wurde sogar in einen Faraday’schen Käfig verwandelt. Gemeinsam mit Störsendern, die unter den für das Konklave extra montierten Bodenplatten angebracht sind, sollen so Abhörversuche vereitelt werden. Auch die Fenster der prächtigen Kapelle wurden verhängt.

Eine hundertprozentige Abhörsicherheit gibt es nach Meinung von einigen Experten dennoch nicht. In historischen Gebäuden wie der Capella Sistina gebe es zahlreiche Schwachstellen, so dass es nicht vollkommen vermeidbar sei, dass durch sie Schallwellen nach außen drängen, erklärte etwa der Autor und Sicherheitsfachmann Manfred Fink dem Internetportal katholisch.de.

Der Druck auf den Heiligen Stuhl und seine Papstwähler ist enorm: Der neue Papst ist richtungsweisend für die Weltkirche. In vielen Fragen hat das auch weltlichere Bedeutung. Journalisten und Politiker wüssten gern so früh wie möglich: Wie steht der Neue zum Islam, zu Sexualität und Abtreibung, zu Aids und Ökumene? Für die Buchmacher und Souvenirhändler geht es ums Geschäft.

Immer wieder gab es in früheren Zeiten Versuche, die Geheimhaltung zu durchbrechen. Dabei waren sich die Betroffenen für nichts zu schade. Farbige Flüssigkeiten sollen ins Abwasser gekippt worden sein, um draußen den einen oder anderen Kandidaten als aussichtsreich oder chancenlos zu signalisieren. Auch 2005 bei der Wahl Joseph Ratzingers ging am Ende die Geheimhaltung schief: Ein Zeremonienmitglied verriet ein paar Minuten vor dem „Habemus papam“ per SMS den Namen an einen deutschen Nachrichtensender.

Die Motive dürften vielfältig sein. Wie Vatikanspezialist Ulrich Nersinger am Mittwoch im Gespräch mit Radio Vatikan bemerkte: „Manche Kardinäle sind halt einfach nur Plaudertaschen, die etwas erzählen wollen, auch aus dem Überschwang ihres Erlebnisses heraus.“ Andere verfolgten bewusst politische Interessen.

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