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NADA gerät in die Kritik

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30.01.2012

UV-Affäre NADA gerät in die Kritik

Schänzer und Thieme widersprechen Blutdoping-Theorie.

Leipzig/Düsseldorf – Die vermeintliche Doping-Affäre um mit UV-Strahlen behandeltes Blut zieht immer größere Kreise. Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) erhält bei der Staatsanwaltschaft Erfurt erneute Akteneinsicht und prüft, ob Verfahren gegen 28 weitere Sportler eingeleitet werden. Während derzeit untersucht wird, ob bei einer Eissschnellläuferin sowie dem Nachwuchs-Radsportler Jakob Steigmiller überhaupt ein Verstoß vorliegt, gerät die NADA selbst ins Visier der Kritiker.

“Die NADA hat was, macht aber nichts. Das ist an Dilettantismus nicht zu überbieten”, sagte Doping-Experte Werner Franke der Nachrichtenagentur dapd. Der Heidelberger Molekularbiologe griff dabei die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann scharf an. In einem Bericht der ARD habe sie “inkompetent rumgestottert”.

Dass bislang nur zwei Fälle verfolgt wurden, hatte Gotzmann mit der “Größenordnung der Angelegenheit” erklärt. “Das kommt nicht jeden Tag auf eine Nationale Anti-Doping-Agentur zu. Ich kenne auch keine Agentur der Welt, die das von heute auf morgen so umsetzen und bewältigen kann. Wir planen das intensiv, was unsere personellen und finanziellen Ressourcen angeht”, sagte Gotzmann in dem am Sonntagabend ausgestrahlten ARD-Bericht.

Einer der zwei Athleten ist der Radsportler Jakob Steigmiller, wie dessen Teamchef Jörg Werner der dapd bestätigte. Der frühere Arzt des Erfurter Olympiastützpunktes, Andreas Franke, hatte Steigmillers Blut im Zuge einer Infektionserkrankung mit UV-Licht behandelt. “Jakob hat der NADA offen und ehrlich mitgeteilt, was wann und wie gelaufen ist. Er hat sich als Sportler nichts zuschulden kommen lassen. Er hat den Arzt gefragt, ob die Behandlung zulässig ist”, sagte Werner.

Der Chef der Nachwuchsmannschaft Thüringer Energie mahnte an, die Sportler nicht vorschnell zu verurteilen. “Erstmal muss doch geklärt werden, ob das überhaupt Doping ist. Da werden Namen verbrannt, ohne dass klar ist, was überhaupt gewesen ist”, sagte Werner. Wenn ein Sportler nicht mal einem Arzt eines Olympiastützpunktes vertrauen könne, wem dann? Zudem zweifelte Werner an einem leistungssteigernden Effekt der Behandlung.

Rückendeckung erhält er in diesem Punkt von den Doping-Experten Wilhelm Schänzer und Detlef Thieme. “Das ist mehr im Bereich des medizinischen Okkultismus angesiedelt”, sagte Thieme, Leiter des Doping-Labors in Kreischa, bei MDR Info über die UV-Behandlung von Blut. Thieme verwies aber darauf, dass nach den aktuellen Regularien auch diese Methode verboten sei, auch wenn es einen Riesenunterschied zum Blutdoping gebe.

Blutdoping schließt Schänzer aufgrund der abgenommenen Menge von nur 50 Millilitern aus. “Für Blutdoping sind größere Mengen nötig, sonst hat es keinen Sinn. Da braucht man mindestens 250 Milliliter”, sagte der Leiter des Kölner Doping-Labors der Nachrichtenagentur dapd.

Werner Franke steht dabei auf einem komplett anderem Standpunkt. Dass die UV-Behandlung zur Infektbekämpfung eingesetzt wird, sei “biologischer Unfug”. Franke erklärte: “50 Milliliter sind auch eine typische Menge wie zu DDR-Zeiten. Das Blut wird konzentriert wieder zugeführt. Unter dem Strich hat der Patient dann mehr rote Blutkörperchen als vorher.”

Die Frage, welche Schuld den Sportler in diesem Zusammenhang betrifft, ist dadurch nicht geklärt. Die Verantwortung sieht Schänzer letztlich beim Arzt. “Der Sportler ist auf die Beratung des Arztes angewiesen. Der Arzt muss sich absichern, was im Rahmen des Reglements ist. Tut er es nicht, ist das den Sportlern gegenüber unverantwortlich”, sagte Schänzer.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) werde in der Sache Steigmiller erstmal keine Konsequenzen ziehen. “Wir haben das gesamte Ergebnismanagement an die NADA abgetreten. Wir müssen uns über den Sachstand in Kenntnis setzen, bevor wir mögliche Entscheidungen treffen können”, sagte Sportdirektor Patrick Moster. Wann es erste Ergebnisse gibt, ist völlig unklar. Die NADA teilte mit, sie “treibt die Aufklärung möglicher Dopingverstöße in diesem Zusammenhang so intensiv und schnell voran, wie es ihr juristisch möglich ist”.

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