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Verwässerter Whiskey erregt Trinker-Wut

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14.02.2013

USA Verwässerter Whiskey erregt Trinker-Wut

Hersteller entschuldigt sich mit unerwartetem Nachfrageboom.

Boston – Es ist ja nicht irgendeine Plörre. Maker’s Mark – in den Ohren der Liebhaber edelsten Whiskeys hat der Name einen Klang wie Posaunen und Schalmeien. Gegründet 1889 als Burk’s Destillery im Dörfchen Loretto im US- Bundesstaat Kentucky, seit drei Generationen geführt von der Familie Samuels, ein Stück nationales Kulturerbe der USA. Darf man so einen erlesenen Tropfen mit Wasser panschen?

Nein, natürlich nicht, nie und nimmer, empört sich jetzt eine ganze Riege enttäuschter Whiskey-Verehrer. Schmählich im Stich gelassen fühlen sie sich, nachdem der Erzeuger des Kultgetränks beschlossen hat, den Alkoholgehalt von 45 auf 42 Prozent zu senken.

„Ich kann mir überhaupt keinen besseren Weg vorstellen, um den Ruf Ihrer Marke kaputt zu machen“, wettert etwa Don Warshaw aus New Jersey auf der Facebook-Seite des Spirituosenherstellers. „Unsere Großväter waren der Ansicht: Unser Name ist, was zählt. Sie haben Ihren gerade ruiniert.“

Tut uns furchtbar leid, wir sind ein Opfer unseres Erfolgs, kommt es aus der Geschäftsführung zurück. Die Nachfrage sei in den letzten Jahren geradezu explodiert, die Produktion habe nicht mehr Schritt gehalten, begründet der ehemalige Vorstandschef Bill Samuels, der inzwischen im Ruhestand ist, die Entscheidung.

Sechs Jahre dauert es, bis die Spirituose aus 70 Prozent Maismaische und 30 Prozent Malz aus Gerste und Weizen im Fass greift es. Vor sechs Jahren aber habe Maker’s Mark den heutigen Boom nicht vorhergesehen und einfach nicht genug produziert. „Ich war der Marketingchef und habe die Entwicklung verpennt“, gibt sich Samuels zerknirscht.

Drei Prozentpunkte weniger Alkohol

Nach Zahlen des Nationalen Rates für Spirituosen der USA ist der Absatz von Maker’s Mark im vergangenen Jahr um 18 Prozent gestiegen. Im Branchendurchschnitt betrug 2011 der Zuwachs lediglich sieben Prozent.

Samuels und sein Sohn, der heutige Betriebsleiter von Maker’s Mark arbeitet, hatten nach eigener Darstellung also keine andere Wahl als den Alkoholgehalt um drei Punkte zu senken. Damit konnten sie, wie sie sagen, die Abfüllmenge um etwa fünf Prozent erhöhen.

Die Wut des Barkeepers

In einem Radiointerview mit dem Sender WFPL in Louisville (Kentucky) ergänzte Bill Samuels, mit seinem Sohn habe er die Möglichkeiten eingehend diskutiert. Die Alternative zur Verärgerung der Fans durch das Strecken des Whiskeys sei die Verärgerung der Kunden gewesen, die nach Bestellungen leer ausgegangen wären. Sie hätten auch die Preise nicht bis über die Möglichkeiten ihres Kundenkreises hinaus erhöhen wollen.

„Ich habe mit einem Barkeeper gesprochen, der richtig wütend auf uns war, weil in seiner Bar in einem neu eröffneten Hotel in South Beach keinen Maker’s Mark anbieten konnte“, berichtete Samuels. Die Telefone hätten während der letzten drei oder vier Monate nicht mehr aufgehört zu klingeln. Anrufer aus fast jeder Stadt in den Vereinigten Staaten, wo der Whiskey aus den Regalen verschwunden sei, hätten die Leitungen lahmgelegt, ob sie nun aus weit entfernten Orten in Kalifornien oder aus dem Schnapsladen fünf Minuten Fußweg entfernt von der Destillerie angerufen hätten.

In einer Rundmail versuchte Samuels die Maker’s Mark-Gemeinde zu beruhigen: Selbst professionelle Whiskey-Verkoster könnten den Unterschied zwischen dem Getränke mit 45 und dem mit 42 Prozent Alkohol nicht schmecken. „Wir sind sicher, wir haben euren Whiskey nicht verkorkst“, schrieb er. Andere Whiskey-Hersteller zeigen Verständnis für Samuels´s Dilemma. „Wenn Ihnen die Vorräte ausgehen, können Sie nicht viel machen“, meint Jim Rutledge, der Chefdestillierer von Four Roses Bourbon in Lawrenceburg (Kentucky).

Nach Auffassung von Tom Fischer, der das Spezialportal bourbonblog.com betreibt, könnten Kenner, die den Bourbon pur trinken, den Unterschied möglicherweise schmecken. „Aber die meisten Menschen trinken ihren Bourbon nicht unvermischt, also merken sie auch nichts“, fügte er hinzu. „Meistens trinkt man ihn in einem Manhattan, in einem Old Fashioned, oder on the rocks,“ zählte Fischer die Art von Drinks auf, die in den Vereinigten Staaten während der vergangenen Jahre wieder an Popularität gewonnen haben.

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