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Heilung eines HIV-infizierten Babys gelungen

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04.03.2013

USA Heilung eines HIV-infizierten Babys gelungen

Das kleine Mädchen ist heute gut zwei Jahre alt.

Boston – Ein Neugeborenes mit Aids-Virus ist amerikanischen Medizinern zufolge durch schnelle und massive Medikamentengabe allem Anschein nach geheilt worden. Das Kind ist heute zweieinhalb Jahre alt und weist keine Spuren von HIV mehr auf. Das wurde am Sonntag auf einer Fachtagung in Atlanta bekannt. Von dem Fall werden wertvolle Erkenntnisse über die Behandlung von HIV-Infizierten insbesondere in Entwicklungsländern erwartet.

Ob die Heilung vollständig und von Dauer ist, war indes nicht gewiss. Dennoch macht der ungewöhnliche Fall Hoffnung für die Hunderttausenden Kinder, die jährlich weltweit HIV-infiziert zur Welt kommen. Wenn die Ergebnisse weiterer Prüfung standhalten, wäre es das erste Mal, dass die tödliche Immunschwächekrankheit mit medikamentöser Behandlung besiegt wurde.

„Wir sprechen von einer ‚funktionellen Heilung'“, erklärte die an der Behandlung beteiligte Ärztin Katherine Luzuriaga von der Medizinischen Fakultät der Universität Massachusetts. „Die Zeit und weitere Untersuchungen werden zeigen, ob dieses Kind tatsächlich geheilt ist oder nicht.“

„Unser Timothy Brown“

Die bislang einzige bekannte Heilung ist der Fall des „Berliner Patienten“ 2007: Der damals in der deutschen Hauptstadt lebende HIV-infizierte US-Amerikaner Timothy Brown bekam wegen seiner Leukämie Knochenmark von einem Spender transplantiert, der seltenerweise gegen HIV resistent war. Brown gilt als geheilt; voriges Jahr bestätigte er im Nachrichtensender CNN, dass in zahlreichen Tests keine Viren mehr nachgewiesen worden seien.

„Bezogen auf Kinderheilkunde ist das Baby unser Timothy Brown“, sagte Deborah Persaud vom John-Hopkins-Kinderzentrum in Baltimore, die Hauptautorin der Studie. „Es ist der grundsätzliche Beweis, dass wir eine AIDS-Infektion heilen können, wenn es uns gelingt, diesen Fall zu wiederholen.“

„Das Kind erhielt eine Behandlung. Nach deren Ende ist das Virus nicht mehr nachweisbar“, sagte Persaud. Einen solchen Fall habe es noch nicht gegeben: „Nach Ende der Behandlung kehrt die Krankheit normalerweise zurück.“

Frühe Behandlung entscheidend

Bereits vor der offiziellen Präsentation der Ergebnisse am Montag erklärten die Ärzte Journalisten, wie das Baby aus Mississippi offenbar geheilt wurde und dass auch der Zufall dabei eine Rolle spielte. Der Schlüssel sei ein regelrechtes Bombardement des Säuglings mit hochwirksamen Medikamenten gewesen. Bereits 30 Stunden nach der Geburt begannen die Ärzte mit der Gabe einer Kombination hochwirksamer antiretroviraler Medikamente (ART).

Das ist ungewöhnlich, weil noch Wochen nach der Geburt nur schwer sicher festzustellen ist, ob das Kind selbst den Virus trägt oder bloß Antikörper seiner HIV-infizierten Mutter. Eine Ansteckung im Mutterleib ist in den USA relativ selten, weil betroffene Schwangere eine vorbeugende medikamentöse Behandlung bekommen. Im Sommer 2010 jedoch kam eine Frau nieder, die HIV-positiv und nicht bei der Vorsorge gewesen war. Angesichts des hohen Risikos ging die Kinderärztin Hannah Gay in der Universitätsklinik in Jackson von einer bereits vorliegenden Infektion des Kindes aus und behandelte das Neugeborene entsprechend mit hoch dosierten Medikamenten.

Die Mutter setzte die Verabreichung über einige Monate fort und beendete sie dann aus unbekannten Gründen. Fünf Monate nach der ersten Behandlung kehrte sie in das Krankenhaus zurück, wo die Ärzte das Virus nicht mehr nachweisen konnten. Die Mediziner standen vor einem Rätsel.

Experte weist auf wunden Punkt hin

„Ich hoffe inständig, dass die Krankheit nicht zurückkehrt“, sagte Gay. „Und ich bin zuversichtlich, dass wir durch diesen Fall Studien erstellen können, die uns zeigen, wie wir in Zukunft weitere Babys heilen können.“

Daniel Kuritzkes, Experte für Infektionskrankheiten am Brigham- und Frauen-Krankenhaus in Boston, sieht hingegen einen wunden Punkt: Gay habe zwar einen Aids-Test für das Baby angeordnet, mit der Behandlung aber bereits begonnen, bevor das Ergebnis vorlag. Er hält es für möglich, dass das Baby nicht geheilt wurde, sondern dass lediglich eine Infektion verhindert wurde. „Die einzige Ungewissheit ist der fehlende Nachweis, ob das Baby tatsächlich infiziert war“, sagte Kuritzkes.

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