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27.05.2019

Uniklinik Heidelberg Versprochener Krebs-Bluttest existiert nicht

„So langsam bekomme ich Bauchschmerzen.“

Heidelberg – In der Affäre um den Bluttest für Brustkrebs an der Uniklinik Heidelberg gibt es neue Details. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Dienstagsausgabe) berichtet, kommt eine interne Prüfung am Universitätsklinikum Heidelberg zu dem Ergebnis, dass der in Aussicht gestellte Test noch gar nicht existiert.

Die Uniklinik hatte öffentlich falsche Hoffnungen auf bessere Früherkennung bei Brustkrebs geweckt. Nach dem PR-Desaster um den viel zu früh und mit zu großen Versprechungen der Öffentlichkeit vorgestellten Brustkrebstest hatte der Vorstand der Universität den Heidelberger Tumorbiologen Magnus von Knebel Doeberitz beauftragt, die „Umstände der Presseerklärung“ zu prüfen.

In einem Schreiben vom 7. April an den Dekan der Medizinischen Fakultät Andreas Draguhn, über das die SZ berichtete, stellt Knebel Doeberitz fest, „dass es das in der Pressemitteilung erwähnte Verfahren bisher nicht gibt“. Es gebe noch nicht einmal einen Prototypen. „Somit können auch keinerlei Angaben zum diagnostischen Wert des avisierten, aber noch nicht vorhandenen Produktes gemacht werden“, schreibt der Professor.

Am Ende schließt er: „Vor diesem Hintergrund müssen die in der Pressemitteilung gemachten Angaben als nicht begründet angesehen werden.“

Der Vorstand des Klinikums versäumte es der SZ zufolge, die in der Fakultätsratssitzung vereinbarte Prüfung der Daten vor der Pressekonferenz vorzunehmen. Es sei „eine der Aufgaben eines Universitätsklinikums, Forschungsergebnisse in die klinische Praxis zu übertragen“, schreiben die drei Vorstände Annette Grüters-Kieslich, Irmtraut Gürkan und Andreas Draguhn auf Anfrage in einer gemeinsamen Mail.

Deshalb sei es ihnen wichtig gewesen, die Ausgründung HeiScreen, die den Test entwickelt hat, „bei ihrem Wunsch nach öffentlicher Wahrnehmung zu unterstützen“. Man habe gedacht, es könnte gelingen, „die Interessen eines privaten Investors“ mit denen des Klinikums in Einklang zu bringen. Das hat offenkundig nicht geklappt.

Die Ärztliche Direktorin Grüters-Kieslich räumt auch persönlich Fehler ein. „Ich hätte mich stärker gegen die Einbeziehung des Klinikums in die PR-Aktivität der HeiScreen GmbH wenden müssen“, schreibt sie der SZ, „und hätte versuchen müssen, die Pressekonferenz zu stoppen.“

Die SZ zitiert darüber hinaus aus internen Berichten, aus denen Mailwechsel zwischen den Verantwortlichen, zwischen denen ein die PR-Aktion flankierender Artikel in der Bild-Zeitung schon Wochen vor der Öffentlichkeitskampagne vom 21. Februar hin und her ging. „Prima“, fand demnach etwa der Dekan Draguhn ein Interview der Bild. „Das ist sehr gute Kommunikation mit der Öffentlichkeit“, schrieb er.

Auf SZ-Anfrage sagte Draguhn, seine positive Bewertung habe sich auf die journalistische Darstellung und Verständlichkeit des Textes bezogen. Die inhaltlichen Aussagen hätten schließlich in der Verantwortung der Wissenschaftler gelegen.

Warnungen schlugen die Vorstände der SZ zufolge aus. Vor allem die Pressesprecherin des Universitätsklinikums hatte vor der PR-Aktion immer wieder Bedenken geäußert. „So langsam bekomme ich Bauchschmerzen“, schrieb sie drei Tage vor der Pressekonferenz. Immer wieder machte sie auf mögliche Probleme aufmerksam. Mal schrieb sie von einer „brisanten Situation“, mal warnte sie, es würden „weitreichende Aussagen in einem kritischen Journalistenumfeld“ gemacht, obwohl „Daten und Validität“ des Tests „noch nicht ganz klar“ seien.

Zwei Tage vor der Pressekonferenz fragte sie in einer Mail an alle Vorstandsmitglieder noch einmal mahnend, „wie weitgehend man sich äußern möchte“.

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