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Und immer wieder „Heijo

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12.02.2012

Berliner Karnevalsumzug Und immer wieder „Heijo“

Berliner Karnevalsumzug feiert in diesem Jahr deutlich leiser – 70 Dezibel waren erlaubt.

Berlin – Clowns, Tanzmariechen und jede Menge Jecken erobern den Berliner Kurfürstendamm: Eine Woche vor den traditionellen Faschingsfeiern in den Karnevalshochburgen zeigt sich die Hauptstadt mit einem bunten Umzug von seiner närrischen Seite. Bonbonregen, Luftschlangen und Flitter fallen am Sonntag auf Hunderttausende Faschingfans, die den Weg der Karawane mit mehr als 70 Festwagen und 2.500 Teilnehmern säumen. Allerdings fällt der Trubel in diesem Jahr deutlich leiser aus. Der Senat verordnete den Narren eine Lärmgrenze von 70 Dezibel.

Bei den Veranstaltern sorgt das für Unmut. “Wir sind sexy und doof”, ruft ein Mann im Clownkostüm in sein Mikrofon. “Weil wir hier in Berlin Fasching ganz leise feiern.” An den Festwagen hängen Banner mit Aufschriften wie “Der Senat will Fröhlichkeit zum Schweigen bringen”. Einige Umzugsteilnehmer haben symbolisch den Mund mit Streifen verklebt.

Die Anordnung sei reiner Schwachsinn, sagt der Vizepräsident des Festkomitees Berliner Karneval, Klaus Heimann. “Auf großen Silvesterpartys und Fanmeilen in Berlin gibt es ja auch Ausnahmeregelungen.” Zudem habe sich die Politik viel zu lange Zeit mit der Genehmigung für den Umzug gelassen und damit einige Karnevalsvereine verprellt, ergänzt er verärgert. Im vergangenen Jahr habe es noch 85 Startnummern gegeben – acht mehr als dieses Mal.

Trotz der gedrosselten Lautstärke wollen die Vereine, die zum Teil aus dem Rheinland und der Schweiz kommen, auf dem zwölften Berliner Karnevalsumzug seit der Wiederbelebung dennoch für ausgelassene Stimmung sorgen. “Wir wollen Frohsinn verbreiten”, verspricht das Hauptstadt-Prinzenpaar Willi I. und Michaela I., das auf einem geschmückten Festwagen der Menge zujubelt. Die Prinzessin bewaffnet sich mit Chipstüten und Kuscheltieren, während ihr Gemahl ein lautstarkes “Heijo” an die Menge richtet. Der Gruß setzt sich aus den Worten Heiterkeit und Jokus zusammen – einem alten Berliner Wort für Spaß.

Um 11.30 Uhr setzt sich der Tross beim Olivaer Platz in Charlottenburg in Bewegung. Die Route führt über den Kurfürstendamm bis zum Ernst-Reuter-Platz. Sonniges Wetter spielt dem Veranstalter zu. Vor allem bei Kindern kommt das Spektakel an.

Auf der Jagd nach Süßigkeiten perfektionieren ein Junge im knallgrünen Krokodil-Kostüm und seine Schwester im Indianer-Look nach und nach ihre Taktik: Während der eine den Boden nach Gummibärchen und Schokolade absucht und sein Revier gegen andere Jecken verteidigt, zieht die andere mit Rufen und Winken die Aufmerksamkeit der Narren auf den Festwagen auf sich. “Heijo.” Der Plan geht auf: Ein weiterer Bonbonregen fällt auf sie.

“Berlin braucht Karneval”, sagt ein Rentner mit Sombrero-Hut, an dem gerade eine Horde Tanzmariechen vorbeizieht. Er beißt in eine Wurst. “Das ist doch toll: Berliner Currywurst und Fasching – auch wenn wir hier in der Hauptstadt im Vergleich zu den Karnevalshochburgen noch etwas nachlegen müssen.” Das Prinzenpaar drückt es etwas diplomatischer aus: “Man sollte Karneval in den Ländern nicht miteinander vergleichen.” Dennoch fällt dem Prinzen ein Merkmal auf: “Die Berliner sind spontaner und tanzwütiger als in anderen Regionen.” Angenehm sei auch, dass es in Berlin nicht so strikte und feste Ablaufpläne gebe. “Es ist alles sehr locker.”

Laut Veranstalter kommen an diesem Tag rund 800.000 Besucher zum Umzug, der unter dem Motto “Berlin ist keck… und wir sind jeck” steht. Damit seien es so viele wie im vergangenen Jahr. Polizeiangaben zufolge ist es zu keinen Zwischenfällen gekommen.

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