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31.08.2012

Euro-Austritt Griechenlands UN warnt vor starkem Anstieg der Arbeitslosigkeit

„Durchschnittliche Arbeitslosigkeit würde auf 13 Prozent steigen.“

Berlin – Die Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) hat vor dramatischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt: „Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in den 17 Staaten würde auf 13 Prozent steigen“, sagte ILO-Volkswirt Ekkehard Ernst der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitagausgabe). Ende des vergangenen Jahres seien es gut zehn Prozent gewesen. Auch Deutschland käme bei einem Austritt der Griechen längst nicht so ungeschoren davon wie oftmals vermutet. Immerhin würde sich die Arbeitslosenrate 2014 im Vergleich zu 2011 um gut 26 Prozent auf neun Prozent erhöhen und über Jahre auf diesem hohen Niveau verharren.

Die ILO hatte bereits mehrmals angemahnt, die Euro-Krise schnell zu lösen, weil ansonsten schwere Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten zu befürchten seien. Besonders Jugendliche wären davon betroffen. Mit den Berechnungen des Leiters der ILO-Abteilung für Arbeitsmarktprognosen werden diese Befürchtungen erstmals durch konkrete Zahlen unterlegt.

Nach den Berechnungen des ILO-Experten würde ein griechischer Ausstieg aus der Euro-Zone besonders dramatische Konsequenzen für die ohnehin schon von der Krise geschüttelten Länder Spanien und Portugal mit sich bringen. So erwartet Ernst in Spanien für das Jahr 2014 eine Arbeitslosenquote von 27,7 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit würde sogar auf 51,3 Prozent ansteigen. Auch in Portugal werde die Zahl der Job-Suchenden im Vergleich zum Jahr 2011 um gut sechs Prozent höher liegen, sagte Ernst.

Die Berechnungen der ILO geben den Befürwortern eines Verbleibs der Griechen in der Euro-Zone eine starke Argumentationshilfe. Denn die Kosten einer weiteren Hilfe für die Griechen müssten in jedem Fall mit den ökonomischen Konsequenzen einer höheren Arbeitslosigkeit in Deutschland und der restlichen Euro-Zone abgewogen werden. Insbesondere aus der CSU waren in den vergangenen Tagen Forderungen laut geworden, die Griechen zu einem Austritt aus der Euro-Zone zu bewegen.

Beinahe harmlos muten die Auswirkungen eines griechischen Exits an, wenn man sie mit den Folgen eines vollständigen Auseinanderbrechens der Euro-Zone vergleicht. Nach den Berechnungen der ILO würde die Arbeitslosenquote in Deutschland 2014 auf 11,3 Prozent steigen und über die folgenden Jahre in dieser Höhe bleiben. Ende des vergangenen Jahres lag sie noch bei 7,1 Prozent. Frankreich müsste annähernd 17 Prozent Arbeitslosigkeit ertragen, Spanien sogar einen Wert von 36,9 Prozent.

Auch in diesem Szenario wären die jugendlichen Arbeitnehmer die Haupt-Leidtragenden. Während in Deutschland etwa zehn Prozent (Durchschnitt 2011: 5,9 Prozent) arbeitslos würden, stiegen die Werte in Frankreich auf gut 34 Prozent, in Italien auf fast 38 Prozent und in Spanien auf über 59 Prozent. „Das wäre eine Katastrophe für die europäische Jugend“, sagte ILO-Volkswirt Ernst.

Schwerwiegend seien auch die daraus entstehenden ökonomischen Folgen. Selbst wenn die Jugendlichen nach einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit wieder einen Job fänden, sei ihre Produktivität langfristig niedriger. „Und das in einer Zeit, in der durch den demografischen Wandel ein erhöhter Bedarf an hochqualifizierten Arbeitnehmern entsteht.“

Die ILO pocht deshalb auf eine Art Beschäftigungsgarantie für Jugendliche. Nach spätestens sechs Monaten Arbeitslosigkeit soll ihnen ein Ausbildungsplatz oder eine Beschäftigung angeboten werden, die aus staatlichen Mitteln finanziert wird. Kosten werde dies pro Mitgliedsstaat maximal 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. „Das ist nicht wenig, aber im Vergleich zu den Kosten der Bankenrettung nicht viel“, sagte Ernst.

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