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Tschernobyl-Veteranen kämpfen um ihre Rente

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20.02.2013

Ukraine Tschernobyl-Veteranen kämpfen um ihre Rente

Rund 20.000 Überlebende der Aufräumarbeiten warten auf ihr Geld.

Kiew – Valentina Bondarewska pflegt seit Jahren ihren Mann, der nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 27 Jahren das verstrahlte Gelände aufräumte und nun unter den Folgen leidet. Zu der Krankenpflege kommt für die Ukrainerin die Sorge ums Geld. Eigentlich steht dem Patienten eine Rente von 5000 Griwna (etwa 500 Euro) zu. „Ausgezahlt wird allerdings nichts. Von der Regierung hören wir immer nur, es sei kein Geld da“, sagte Bondarewska der Zeitung „Kyiv Post“.

Wie ihr ergeht es vielen: die Tschernobyl-Veteranen warten auf Pensionsrückstände in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro. Mehrere Verbände kämpfen seit Jahren für die Auszahlung. Anfang Februar protestierten Angehörige vor dem Parlament in Kiew. In der Ukraine leben noch etwa 20.000 Männer, die im Frühjahr 1986 zu Aufräumarbeiten in und um Tschernobyl eingesetzt worden waren.

Etliche von ihnen waren junge Soldaten oder Polizisten, es gab aber auch Bergarbeiter und Bautrupps großer sowjetischer Kombinate, die rund um das explodierte Atomkraftwerk die verstrahlten Trümmer beseitigten. Viele dieser Männer sind bereits gestorben, doch auch ihre Witwen haben Anspruch auf Rente, bekommen aber seit Jahren nur einen Teil oder oftmals auch gar keine Zahlungen.

Vorwurf unrechtmäßig eingeklagter Renten

Juri Andrejew, Vorsitzender des Vereins der Tschernobyl-Invaliden, sieht das anders. Seiner Meinung nach gibt es keine Pensionsrückstände von mehr als einer Milliarde Euro. Er kritisiert die vielen Klagen vor Gericht. „Es gibt Leute, die haben sich Renten eingeklagt, darunter auch viele, die nie als Liquidatoren gearbeitet haben“, sagte Andrejew der Nachrichtenagentur dapd.

Olga Tsabenko, Witwe eines Tschernobyl-Soldaten, und Valeri Mikunin, einer derjenigen, die hinterher aufräumten, kritisieren die Haltung der Verbände. „Wir kämpfen seit Jahrzehnten für unser Recht und jetzt sehen wir uns sogar Anschuldigungen ausgesetzt, wonach wir oder die Witwen zu hohe Pensionen einfordern“, klagt Mikunin.

Laut Gesetz stehen den Männern und ihren Familien neben Extra-Renten auch eine spezielle medizinische Versorgung, die kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie Vergünstigungen bei der Wohnungsvergabe zu. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Protestkundgebungen, die teilweise auch in Gewalt mündeten. Bei einem Polizeieinsatz gegen hungerstreikende Tschernobyl-Veteranen starb 2011 ein Mann. Vor einem Jahr stürmten aufgebrachte Demonstranten das Büro des Sozialministers.

Parlament sieht keinen aktuellen Handlungsbedarf

Ende vergangenen Jahres kündigte die neue Sozialministerin zwar an, die Rentenrückstände auszuzahlen, geschehen ist bisher allerdings nichts. Auch das Parlament sieht bei den Tschernobyl-Veternanen keinen aktuellen Handlungsbedarf. Der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und die Folgen der Atomkatastrophe will nun dafür sorgen, dass bis zur Sommerpause eine Sondersitzung des Parlaments zum Thema Veteranenrenten einberufen wird.

Für die Familien der Veteranen ist das zu wenig. „Uns halten sie mit immer neuen Versprechungen hin und für sich selber hat das neu gewählte Parlament gerade die Aufstockung der Gesundheitsversorgung in Höhe von 3.000 Euro beschlossen“, sagt Gennady Schijarew, der 1986 zu Aufräumarbeiten nach Tschernobyl abkommandiert wurde.

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