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Twittern für die Ohren

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18.01.2012

Twitter Twittern für die Ohren

Berliner Klangkünstler wandelt Kurzmitteilung in Töne um – Projekt in Diskothek vorgestellt.

Berlin – Wenn über Bundespräsident Christian Wulff, über Brustvergrößerung und das in Italien gesunkene Kreuzfahrtschiff “Costa Concordia” getwittert wird, dann klingt es zunächst düster. Manchmal erinnert es an den Gesang von Walen. Das in die Schlagzeilen geratene Staatsoberhaupt bestimmt am Dienstagabend wieder einmal die Unterhaltungen im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Berliner Klangkünstler Anselm Venezian Nehls hat sie vertont und sein Kunstprojekt in einer Berliner Diskothek vorgestellt. Damit verleiht er der digitalen Welt eine Stimme.

Mal knistert es, mal knackt es. Dann leuchtet auf einer großen Deutschlandkarte über der Bühne der Name Wulff auf, dazu ertönt ein dumpfer Ton. “Darüber schreibt gerade Deutschland”, erläutert der Künstler. Um die Texte für jedermann hörbar zu machen, transformiert er den Datenstrom hundertausender Kurzmitteilungen in ein Klangbild.

Eine spezielle Software wandelt die getwitterten Botschaften in Töne um. Jedes Schlagwort, erklärt Nehls, werde ein bestimmter Klang zugeordnet. Je häufiger dieses Thema in den maximal 140 Zeichen langen Meldungen auftaucht, desto häufiger erklingt dieser Ton. Damit wird hörbar, was Deutschland bewegt und aufregt. Am Dienstagabend sind es neben Wulff die Piraten, Oskar Lafontaine von den Linken, Handball und die Simpson.

“Sonifikation” heißt diese Methode. Der Künstler spricht von akustischen Daten, die nach einem algorithmischen Prinzip entstehen. Der Ton orientiere sich unter anderem an die Länge der Wörter und erläutert der Experte. Dennoch lassen sich einzelne Wörter wie Wulff oder Brustvergrößerung immer wieder reproduzieren. “Sie klingen immer gleich.”

Das Kunstprojekt setzt der Berliner nach eigenen Angaben mit dem Bielefelder Klangforscher Thomas Hermann und seinem Team von der Forschungsgruppe CITEC sowie dem Radiosender “Deutschlandradio Kultur” um. Dort sind die Experimente des Künstler und des Informatikers gelegentlich zu hören, wie auch das Konzert zum Auftakt des Projektes am Dienstag aus Anlass des Internationalen Geburtstags der Kunst.

Von der Methode der Sonifikation könnten nach den Worten Nehls irgendwann blinde Menschen profitieren. Diese Vision steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. “Wenn man es wissenschaftlich korrekt betreibt, ist es aber möglich”, erläutert der Berliner. Das sei jedoch Aufgabe der Wissenschaft. Ihm war wichtig musikalisch darzustellen, über welche Themen Deutschland “so alles twittert”.

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