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TV oder Internet: Sportschau am Scheideweg

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10.02.2012

Medienrechte TV oder Internet: Sportschau am Scheideweg

Kampf um Live-Rechte zwischen Sky und Telekom – DFL beim Milliarden-Poker als Gewinner.

Frankfurt/Main – Der Milliarden-Poker um die Inlands-Medienrechte an der Bundesliga ist endgültig entbrannt. 19 Pakete hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) geschnürt. Auch wenn Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung betont, dass es “nicht nur um die Höhe des Ertrages” gehe, so hat die DFL doch ein Konzept entworfen, um auch das letzte Tröpfchen an Ertrag für die Spielzeiten von 2012/13 bis 2016/17 herauszupressen. Zwei Aspekte stehen beim Bieterverfahren im Vordergrund. Wer die Live-Rechte an allen Spielen erwerben will, muss sich die Pakete Gold, Silber und Bronze sichern. Bei der sogenannten Highlightberichterstattung werden die Szenarien “Klassik” und “Neue Medien” gegeneinander ausgespielt. Es spitzt sich auf die Frage zu: Bleibt die ARD-Sportschau, oder kommt die Internet-Sportschau?

Vieles deutet darauf hin, dass die Höhepunkte der Bundesligaspiele auch in Zukunft zuerst im frei empfangbaren Fernsehen verfolgt werden können. Dies wäre samstags von 18.30 bis 20.15 Uhr sowie sonntags im Zeitfenster von 21.15 bis 23.00 Uhr der Fall. Das Internet wäre mit Verspätung am Zug. Konkurrenten wie Google, Yahoo, oder der Axel-Springer-Verlag scheinen damit gut leben zu können. Sie könnten dann beim nächsten Rechtepoker richtig einsteigen.

Sollten die Rivalen aus dem Internet aber Ernst machen und den Zuschlag für das Szenario “Neue Medien” erhalten, würde die ARD-Sportschau am Samstag um 18.30 Uhr von der Bildfläche verschwinden. Der Zuschauer würde in die Röhre schauen. Der Ball würde im Fernsehen samstags erst zwischen 21.45 und 24.00 Uhr über die Mattscheibe rollen. Die Internet-Sportschau am Samstag von 19.00 bis 20.15 Uhr bekäme den Vorzug.

Seifert forciert die Konkurrenzsituation, die letztlich mehr Profit verspricht. “Wir denken auch an die Möglichkeiten der Zukunft. Die Infrastruktur wird sich in den kommenden Jahren wandeln. Die Bundesliga kann durchaus der Treiber der Neuen Medien sein”, sagte Seifert bei der Vorstellung der einzelnen Pakete am Donnerstag und verwies unter anderem auf neue Techniken wie den Hybrid-Fernseher. Der Status quo ist jedoch, dass Millionen Bundesbürger vor allem in ländlichen Gebieten noch immer keinen notwendigen schnellen Internetanschluss besitzen.

Seifert ist ohnehin bemüht, den “klassischen Zuschauern” die Angst zu nehmen: “Die Bundesliga wird ja auf keinen Fall ganz im Internet verschwinden.” Seine “persönliche Einschätzung” ist: Beide Szenarien werden am Ende mit ihren Angeboten “nah beieinander liegen”.

Spannung verspricht auch die Auktion der Livespiele, denn beim Pay-TV herrscht ebenfalls reichlich Bewegung: Die Deutsche Telekom hat sich positioniert, schmiedet offenbar eine Partnerschaft mit der Vermarktungsfirma Sirius. Sky hält dagegen. Der bisherige Rechteinhaber wird wohl auch für weitere Verbreitungswege bieten, um mobile Rechte zu erwerben und sein Angebot Sky-Go zu stärken.

Wie ernst es Sky ist zeigt die Ankündigung, 71 Millionen neue Aktien auszugeben. Damit könnte Sky über 150 Millionen Euro erlösen. Die Kapitalerhöhung soll frisches Geld für den Kampf um die Liga-Rechte bringen.

Die DFL reibt sich schon jetzt die Hände. Mit einem Zuwachs von 412 auf 460 Millionen Euro pro Jahr und einer Gesamteinnahme von etwa zwei Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren darf die DFL rechnen. Dies wäre ein Plus von zehn Prozent gegenüber den vergangenen vier Jahren.

Dabei gleicht die Rechte-Auktion einer Partie Poker mit verdeckten Karten. Die DFL legt geheime Preisvorstellungen für jedes Paket fest. Erreicht ein Unternehmen diesen Preis und bietet zugleich über 20 Prozent mehr als der zweithöchste Interessent, wird das Angebot angenommen. Die Botschaft ist klar: Wer hoch einsteigt bekommt den Zuschlag unabhängig von anderen Kriterien wie technischer Reichweite, Zuschaueranteilen, oder Konzepten. Die Entscheidung über die Vergabe soll Ende April gefallen sein. Die DFL darf sich schon jetzt als Gewinner fühlen.

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