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Erdogan baut sich ein Sultan-Denkmal

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03.03.2013

Türkei Erdogan baut sich ein Sultan-Denkmal

Monumentale Moschee soll Istanbul prägen.

Istanbul – Es soll ein monumentales Gebäude werden. Gedacht für zehntausende Gläubige, erbaut auf der höchsten Erhebung Istanbuls, wird es, wie der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan stolz betonte, „von überall in Istanbul zu sehen sein“. Mit der neuen Moschee auf dem Camlica-Hügel auf der asiatischen Seite Istanbuls will Erdogan sich sein ganz persönliches Denkmal setzen. So wie im 15. und 16. Jahrhundert die osmanischen Sultane auf den sieben Hügeln der Istanbuler Altstadt ihre Sultansmoscheen errichten ließen und damit die Silhouette der Stadt bis heute prägen, will der neue Sultan, wie Erdogan längst nicht mehr nur scherzhaft genannt wird, es ihnen gleichtun.

„Maßlos vergrößerte Kitschversion“

Vorige Woche tourte Erdogan mit einem Modell seiner Moschee durch die Golfstaaten und warb um nötige Investitionen. Das in türkischen Zeitungen vorgestellte Modell zeigt einen neo-osmanischen Prachtbau mit sechs Minaretten, wie sie sonst nur die Moschee in Mekka vorweisen kann. Während Erdogan mit dem gewaltigen Gotteshaus – das mitten in einem bis heute für jegliche Bauvorhaben gesperrten Park entstehen soll – sein Lebenswerk krönen will und dafür in seiner Partei pflichtgemäß beklatscht wird, hält die Begeisterung der Istanbuler sich in Grenzen.

Vor allem Städteplaner und Architekten sind über die Retroarchitektur entsetzt. „Stellen sie sich vor“, sagt Edhem Eldem, einer der renommiertesten Stadthistoriker und Soziologen der Türkei, „die weiße Basilika von Sacre Coeur auf dem Hügel von Montmartre in Paris, die jetzt schon ein hässlicher Kitschbau ist, wäre eine vierfach vergrößerte Imitation der Kathedrale von Notre Dame. Das ist es, was die Camlica-Moschee für Istanbul sein wird. Eine maßlos vergrößerte Kitschversion der Sultansmoscheen aus dem 16. Jahrhundert“.

Weltkulturerbe gefährdet

Erst kürzlich ging eine Gruppe von Architekten, Stadtplanern und Historikern, zu denen auch Eldem gehört, mit einem Manifest an die Öffentlichkeit und protestierte gegen die „bewusstlose und unhistorische“ Umwandlung Istanbuls. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, aber die sollten doch so stattfinden, dass die gewachsene Struktur der Stadt dabei nicht völlig zerstört wird.“

Schon vor Jahren hatte die UNESCO gedroht, der Altstadt von Istanbul den Titel des Weltkulturerbes abzuerkennen, wenn eine U-Bahn-Brücke über das Goldene Horn, die den Blick auf die Altstadt zerstören würde, nicht anders gebaut wird. Nach langen Verhandlungen hat man sich jetzt auf eine abgespeckte Version der Brücke geeinigt, zu einem Sinneswandel bei den verantwortlichen Planern hat das aber nicht geführt.

Auch politisch auf Retro-Kurs

Die derzeitige Regierung ist ästhetisch auf einen neo-osmanischen Retrostil festgelegt. „Die Türkei hat so viele hervorragende Architekten, die einen modernen und intellektuell anspruchsvollen Umgang mit der Vergangenheit entwickelt haben“, sagt Professor Ahmet Ersoy von der Istanbuler Bosporus Universität, „aber sie werden nicht gehört“. „Stattdessen baut man Retrokitsch, angefangen bei den Moscheen, anderen öffentlichen Gebäuden bis hin zu den neuen Luxushotels am Bosporus.“

Erdogan wird sich von solchen „Nörgeleien“ nicht von seiner Moschee abbringen lassen. Schon zum Wettbewerb waren nur solche Architekten zugelassen, von denen ein Ergebnis wie das jetzt vorliegende zu erwarten war. Auch andere Einsprüche werden im Schnelldurchgang abgefertigt. Schon in wenigen Wochen sollen die Ausschachtungsarbeiten beginnen.

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