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Truppenabzug aus Afghanistan macht mehr Kräfte nötig

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12.12.2011

Bundeswehr Truppenabzug aus Afghanistan macht mehr Kräfte nötig

Berlin – Für den Abzug der kämpfenden Truppe aus Afghanistan werde die Bundeswehr bis zum Jahr 2014 im Zweifelsfall weiterhin einen relativ großen Umfang an Soldaten benötigen. Das sagte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) in einem Gespräch mit der „Leipziger Volkszeitung“.

„Ein Abzug braucht Kräfte“, so der Minister. Die auf den ersten Blick überraschende Schlussfolgerung laute deshalb: „Es kann sein, dass wir 2013/2014 speziell hierfür Leute in Afghanistan brauchen.“ Geplant sei eine Art Umzugsunternehmung. Vielleicht müsse die Bundeswehr auch noch den Abzug befreundeter Partnerstaaten mit übernehmen. „Wie man das organisiert, ohne dass man die gesamte Abzugsdebatte konterkariert, wird ein Problem für die Jahre 2013 und 2014“, räumte de Maizière ein. Aber das gehe allen Abzugsnationen so.

„Sachlich falsch“ sei im Übrigen die These, dass nach 2014 keine deutschen Kampftruppen mehr in Afghanistan stationiert sein würden. „Die weiter geplante Ausbildung von afghanischen Infanteriekräften machen bei uns nicht die Sanitäter, sondern natürlich Infanteristen. Und das sind kampffähige Truppen.“ Es gehe also um deren Auftrag, nicht um deren Fähigkeiten. Es blieben kampffähige unterstützende Truppen, die weiter ausbildeten. Deren Zahl über das Jahr 2014 hinaus sei „völlig offen“.

Bei den laufenden deutschen Abzugsplänen seien auch die Planungen und das Verhalten der Amerikaner zu berücksichtigen. Die USA haben bis September 2012 den Abzug von 33 000 auf dann noch 68 000 Soldaten geplant. „Bis September kommen die Deutschen, insbesondere auch wegen benötigter alliierter Versorgungs- und Unterstützungsleistungen, mit diesen Zahlen gut zurecht. Wie es danach weitergehen soll, sagen die Amerikaner im April ihren Partnern.“

Während Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) derzeit plakativ schon von einem Abzug von 1.000 Soldaten spricht bilanziert de Maizière nüchterner: „Wir wollen in einem ersten Schritt das Mandat auf 4900 Soldaten begrenzen, das bedeutet zur aktuellen Mandatsgrenze eine Reduzierung um 450. Davon sind 350 eine nicht ausgeschöpfte Reserve.“ Bis zur nächsten Mandatsverlängerung Anfang 2013 solle die Truppenstärke auf 4.400 Soldaten reduziert werden. „Das sind dann die rund 1.000 Soldaten weniger“ von denen der Außenminister heute spreche.

Er sei im Übrigen „erstaunt, dass die Zweifel über die Verlässlichkeit afghanischer Sicherheitskräfte bei uns in Deutschland viel größer sind als bei unseren Soldaten in Afghanistan vor Ort“. Man könne nur partnerschaftlich arbeiten, „wenn man sich in die Augen sehen und sich gegenseitig vertrauen kann“. Die Bundeswehr-Soldaten seien bereit, „im guten Sinn, einen Vertrauensvorschuss zu geben“. Aber natürlich behalte man sich auch eine gesunde Skepsis. „Es bleibt allerdings beim Prinzip: Vertrauen entsteht nur durch Vertrauen.“

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