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Traumschiffpremiere am Frankfurter Flughafen

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21.01.2012

Luftverkehr Traumschiffpremiere am Frankfurter Flughafen

Boeings Dreamliner 787 hebt zum weltweit ersten Interkontinentalflug ab.

Frankfurt/Main – Das hätte sich Ingenieur Adam Kowalczyk nicht träumen lassen: Der 24-jährige Pole aus Breslau arbeitet in Tokio und erlebt um 11.45 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen den Start einer Boeing 787 Dreamliner zu ihrem weltweit ersten Interkontinentalflug als Passagier mit. Der neue Leichtbaujet steht im Dienst der All Nippon Airways (ANA) und soll nach elfeinhalb Stunden Flug auf dem Airport Haneda nahe der japanischen Hauptstadt landen. “Von dieser Weltpremiere wusste ich nichts”, sagt Kowalczyk. “Bestimmt werde ich vor Aufregung kein Auge schließen.”

Wegen Fertigungsschwierigkeiten beim US-Konzern Boeing hatte sich die Auslieferung der B787, die mit dem Airbus A350 konkurriert, um dreieinhalb Jahre verzögert. ANA nahm als erste Airline überhaupt im Oktober zwei Dreamliner in Empfang und setzte die Maschinen im Inland ein. Das dritte Exemplar fliegt seit Samstag nun Langstrecke, während andere Fluggesellschaften auf ihre bestellten 787 noch warten. “Über die Verzögerungen hat sich keiner gefreut”, sagt Europas ANA-Manager Fujimura Shuichi in Frankfurt. “Aber diese Maschine ist jetzt ausentwickelt, und wir wollen alle Vorteile nutzen.”

Kohlefaserrumpf verändert Kabinendruck

Der zweistrahlige Dreamliner ist auf Effizienz ausgelegt, sein Rumpf ist zur Gewichtseinsparung ganz unkonventionell aus Kohlefaser gefertigt. Der Kunststoffkorpus ist laut Boeing stabiler als eine dünnwandige Aluminiumhülle und erlaubt einen Kabinendruck, der nun einer Meereshöhe von 1.800 Metern entsprechen soll. Das gilt als passagierfreundlicher als die üblichen 2.400 Meter. Auch Probleme mit trockenen Schleimhäuten oder Kontaktlinsen sollen im Dreamliner der Vergangenheit angehören. Die korrosionsfeste Hülle lässt im Innenraum statt der üblichen vier Prozent jetzt 15 Prozent Luftfeuchtigkeit zu.

“Davon profitiert meine Haut”, sagt strahlend Flugbegleiterin Muramatso Emon, die in der Kabine auf die Frankfurter Passagiere wartet. “Wir werden den Gästen viele neue Details erklären.” Dazu zählt das Kabinenlicht – LED-Lämpchen können das Regenbogenspektrum an die Decke projizieren und sollen mit ihrem Farbwechsel den Jetlag mindern. Anders als bei der Konkurrenz wird die Luft für die Klimaanlage im Dreamliner nicht von den Triebwerken herangeschaufelt, sondern von außen direkt eingepresst. “So kommen keine Öldämpfe mehr rein”, wirbt Muramatso für ihren neuen Arbeitsplatz.

Kabinenfenster liefern Licht nach Wunsch

Ingenieur Kowalczyk steht am Vormittag am Gate und schaut auf den Dreamliner, von dem ihn nur noch eine Glasscheibe trennt. “Die Fenster sind groß”, bemerkt der Techniker. An seinem Platz wird der Breslauer dann die Lichtdurchlässigkeit der Scheibe an seinem Ausguck elektrochromatisch regulieren können, die übliche Schiebeblende entfällt. Kowalczyk muss sich gedulden, der geplante Abflug um 11.15 Uhr verzögert sich um eine halbe Stunde. ANA will mit den 150 Passagieren feiern, eine japanische Trommlergruppe erzeugt eine ohrenbetäubende Schallkulisse.

“Ich werde die Premiere auskosten”, sagt der Ingenieur entschlossen. “Aber die Combo fliegt hoffentlich nicht mit.”

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