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15.09.2010

Thilo Sarrazin nennt Gründe für Rückzug aus Bundesbank

Frankfurt/Berlin – Der Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (65) hat seine Beweggründe geschildert, Ende des Monats aus der Notenbank auszuscheiden. In einem Interview mit der „Bild-Zeitung“ sagte er: „Wäre ich stur geblieben, hätte das den Bundespräsidenten – weil er sich so weit vorgewagt hatte -, und das Staatsamt beschädigt. Das wollte ich nicht.“ Er sei Staatsbürger und jahrzehntelang Staatsdiener gewesen und habe „niemanden in eine ausweglose Situation treiben“ wollen. Der ehemalige Finanzsenator weiter: „Ich habe mich schlicht meiner Haut gewehrt und wollte meine Ehre retten. Das habe ich durchgesetzt.“ Sarrazin legte dar, wie angreifbar seine Abberufung durch Bundespräsident Christian Wulff gewesen wäre: „Wenn ich sage: Die überwiegende Rechtsmeinung hätte eine Abberufung als rechtswidrig eingestuft, dann ist das eher eine Untertreibung.“ Sein Telefon habe „vor lauter Verfassungsrechtlern“ nicht stillgestanden.

Das SPD-Mitglied Sarrazin widersprach Vorwürfen aus seiner Partei, die Aufstiegschancen der Menschen von deren Herkunft oder Genen abhängig zu machen: „Das tue ich nicht.“ Fakt seien jedoch ein wachsender Anteil von Kindern aus bildungsfernen Schichten, deren Schulprobleme und die Auswirkungen auf die Gesellschaft. All dem könne sich die SPD „nicht im Ernst entziehen“. „Aber – ganz deutlich,“ so Sarrazin weiter, „natürlich kann sich ein Individuum so oder anders entwickeln!“ Auch sei er dafür, dass jeder in Deutschland „so gefördert werden sollte, dass er sich entfalten kann“ und „möglichst zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft“ werde.

Die Diskrepanz zwischen seiner Beliebtheit in der Bevölkerung und der massiven Kritik aus der Politik erklärte er mit dem „üblichen Rosenkranz“, den die Politik heruntergebetet hätte: „Der funktioniert so: Ein vermeintlich unbotmäßiger Satz über Migranten fällt und prompt werden Begriffe wie `beleidigend`, `rassistisch`, `diskriminierend` und `menschenverachtend` heruntergebetet. Das beherrscht jeder Politiker. Normalerweise ist der Betroffene danach politisch tot. Nur: Ich war nicht tot.“ Die Zustimmung vieler Bürger habe die politische Klasse in „vollständige Ratlosigkeit gestürzt“, die sich jetzt „in ungeheurer Aggression“ äußere.

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