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Teile der Stadt Homs erneut unter Beschuss

© AP, dapd

03.03.2012

Syrien Teile der Stadt Homs erneut unter Beschuss

Rot-Kreuz-Konvoi weiter blockiert – Ban nennt Bilder aus Syrien unerträglich.

Beirut – Die syrischen Regierungstruppen haben am Samstag erneut Teile der Stadt Homs unter Beschuss genommen. Die Örtlichen Koordinationskomitees erklärten, Granaten seien in den Stadtteilen Chaldijeh, Bab Sbaa und Chader eingeschlagen. Das Rote Kreuz bemühte sich unterdessen, tausende Zivilisten im Stadtteil Baba Amr zu erreichen. Die syrische Regierung erteilte dafür zunächst eine Genehmigung, der Konvoi wurde aber später dennoch gestoppt.

Ein Arzt in Chaldijeh sagte, er habe schon zwölf Verletzte behandelt. „Das ist zur Routine geworden, die Granaten fallen ab dem frühen Morgen“, erklärte er. Mehrere Häuser seien am Samstag beschädigt worden. Die syrische Regierung hat erklärt, sie bekämpfe in Baba Amr „bewaffnete Banden“ und wolle den Stadtteil „säubern“.

Das Rote Kreuz erklärte, es habe von der Regierung die Genehmigung erhalten, nach Baba Amr zu fahren. Ein Konvoi mit 15 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten und Decken verließ daraufhin am Freitag die Hauptstadt Damaskus und erreichte mehrere Stunden später in dichtem Schneefall Homs. Dort durfte der Konvoi nicht weiterfahren. „Wir sind noch in Verhandlungen, Baba Amr zu betreten“, sagte ein Sprecher des Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Hicham Hassan, am Samstag in Genf. Die syrische Regierung habe als Grund für den Stopp des Konvois Sicherheitsbedenken angegeben. „Es ist wichtig, dass wir heute hineinkommen“, sagte Hassan. „Wir werden nicht aufgeben.“

Das wochenlang umkämpfte Viertel Baba Amr war am Donnerstag von Regierungstruppen eingenommen worden. IKRK-Präsident Jakob Kellenberger nannte es inakzeptabel, dass Menschen, die seit Wochen dringend Hilfe benötigten, diese immer noch nicht erhalten hätten.

In der südsyrischen Stadt Daraa sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft. Die amtliche Nachrichtenagentur SANA berichtete, die Explosion habe sich am Samstagmorgen in der Innenstadt ereignet. Dabei wurden nach Angaben des in London ansässigen Observatoriums für Menschenrechte mindestens zwei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Von Daraa breiteten sich die Proteste gegen Präsident Baschar Assad vor knapp einem Jahr über das Land aus.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte unterdessen von der syrischen Regierung eine Einreiseerlaubnis für die Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. Er sei „zutiefst enttäuscht“, dass Amos trotz wiederholter Zusicherungen des Regimes von Präsident Assad nicht habe nach Syrien reisen dürfen. Ban forderte am späten Freitagabend vor der UN-Vollversammlung ein Ende der Gewalt und nannte die Bilder aus Syrien „grauenhaft“ und „unerträglich“. Die Behörden müssten die Hilfskräfte „ohne Vorbedingungen“ in die betroffenen Gebiete lassen, sagte er.

Mangelnde internationale Einigkeit über Syrien ermutigt nach Ansicht der türkischen Regierung das Regime in Damaskus in seinem harten Vorgehen gegen seine Kritiker. Das Ausmaß des Blutvergießens habe die Dimension der Balkankriege der 90er-Jahre erreicht, sagte Außenminister Ahmet Davutoglu. Das Vorgehen des syrischen Regimes bezeichnete er als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Davutoglu äußerte sich am Samstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem italienischen Kollegen Giulio Terzi. Beide Minister kritisierten, dass Syrien die Fahrt des Rot-Kreuz-Konvois blockiere.

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