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Tausende Pilger suchen Kraft beim Heiligen Rock

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13.04.2012

Trier Tausende Pilger suchen Kraft beim Heiligen Rock

Erste Wallfahrt des 21. Jahrhunderts in Trier eröffnet – Gläubige stehen vor dem Dom an.

Trier – Enthüllung mit Pauken und Trompeten: Es ist kurz vor 15 Uhr, als Domprobst Werner Rössel und Wallfahrtsleiter Georg Bätzing zur Tat schreiten. Gemeinsam nehmen sie das rote Tuch vom hölzernen Schrein und machen so den Blick frei auf die Reliquie. Unter einer Glasplatte kommt der Heilige Rock zum Vorschein. Zuletzt hat es das 1996 gegeben. Seit Freitag ist das Gewand, das Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung getragen haben soll, wieder zu sehen.

Erstmals seit 16 Jahren stellt das Bistum Trier seine kostbarste Reliquie aus. Dass niemand die Echtheit der „Tunika Christi“ belegen kann, interessiert an diesem Nachmittag im völlig überfüllten Dom wohl die wenigsten. Auch Maike Kranich nicht. Für die Freiburgerin war die Reliquie ein Grund mehr, sich auf den Weg zu machen. Schon seit längerem habe sie nach Trier reisen wollen, sagt sie, die Wallfahrt sei nun ein guter Anlass gewesen. Bereits Stunden bevor der Dom öffnet, steht die junge Frau vor dem Portal und macht erste Bekanntschaften mit anderen Pilgern.

Mit Ferdinand Fuchs beispielsweise. Der 58-Jährige ist mit dem Fahrrad entlang der Mosel nach Trier gepilgert. Für den Mann aus dem Norden von Rheinland-Pfalz ist es nicht das erste Mal, auch 1996 erlebte er die Wallfahrt mit. Das Ereignis sei für ihn eine Chance, für kurze Zeit den Alltag hinter sich zu lassen. „Das ist für mich eine Oase der Ruhe“, sagt Fuchs.

Relativ ruhig ist es um diese Zeit noch im Schatten der ältesten Bischofskirche Deutschlands. Nur langsam füllt sich der Domfreihof mit Menschen. Manche beten, andere stimmen Lieder an. Aus Ahrweiler treffen zwei Dutzend Fahrradpilger ein, etwa 150 Kilometer haben sie in den vergangenen Tagen zurückgelegt, um schon am ersten Tag einen Blick auf die Reliquie werfen zu können. Rund eine halbe Million Menschen werden in den kommenden vier Wochen in Trier erwartet. Auch der Papst war eingeladen, und manche im Bistum hofften, der Heilige Vater würde tatsächlich zum Heiligen Rock pilgern.

Doch Benedikt XVI. ließ sich entschuldigen und entsandte stattdessen einen seiner wichtigsten Kurienkardinäle. Der Kanadier Marc Ouellet, Präfekt der römischen Bischofskongregation, zelebrierte am Freitag den Eröffnungsgottesdienst, an dem ein gutes Dutzend Bischöfe und Kardinäle aus mehreren Ländern teilnahmen. Der 67-Jährige verlas auch ein Schreiben des Papstes. Der Heilige Rock sei eine „Mahnung an die Kirche, ihrem Ursprung treu zu bleiben“, ließ Benedikt ausrichten. Später, in seiner Predigt, erinnerte Ouellet daran, dass „die Kirche nicht nur in Deutschland durch tiefgreifende Krisen verunsichert“ sei.

An die Krise der Kirche erinnern an diesem Tag auch Mitglieder des Opferbündnisses „Missbrauch im Bistum Trier“, kurz MissBIT. „Rettet den letzten Rockzipfel der Glaubwürdigkeit“, fordern Thomas Schnitzler und seine Mitstreiter vor Eröffnung der Wallfahrt. Der Trierer Bischof Ackermann müsse endlich alle Geistlichen, die als pädophil in Erscheinung getreten sind, aus der Seelsorge verbannen.

Drinnen, im Dom, zelebriert Ackermann wenig später gemeinsam mit Ouellet den Gottesdienst. Der 49-Jährige, der auch Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, nennt den Heiligen Rock ein „Symbol für die Einheit der Christen“. Die katholische Kirche könne heute keine Wallfahrt mehr ausrufen, „ohne unsere Brüder aus den anderen Konfessionen mit einzuladen“. Auf die Missbrauchsaffäre wird er im Pontifikalamt nicht eingehen. Am Ende des Gottesdienstes eröffnet Ackermann als erster Pilger die Wallfahrt, gefolgt von Kardinälen, Bischöfen und weiteren Geistlichen. Schließlich folgt das Kirchenvolk, Frauen und Männer wie Maike Kranich und Ferdinand Fuchs.

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