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Tarifsteigerungen um 2,5 Prozent realistisch

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08.02.2012

Konjunkturforscher Tarifsteigerungen um 2,5 Prozent realistisch

RWI-Experte Döhrn: “Eigentlich ist das mit dem tollen Aufschwung schon Geschichte”.

Essen – Die Gewerkschaftsforderungen nach kräftigen Tarifsteigerungen finden beim Konjunkturexperten Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) wenig Verständnis. Vielmehr seien Zuwächse um 2,5 Prozent realistisch, sagte der Ökonom im dapd-Interview. Die IG Metall hatte am Dienstag mit Blick auf die schnelle Konjunkturerholung 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie gefordert, ver.di deutete Ansprüche in ähnlicher Höhe für die Staatsbediensteten an.

“Es ist schwierig, mit irgendwelchen Nachholeffekten zu argumentieren”, sagte Döhrn, der sich am wirtschaftsfreundlichen RWI mit Wachstum und Konjunkturzyklen beschäftigt. “Die Lohnsteigerungen sollten sich an der Entwicklung der Produktivität und am Preisindex des Bruttoinlandsprodukts orientieren.” Nach dieser Methode komme er auf Lohnzuwächse von etwa 2,5 Prozent. In der Metallbranche sei wegen der überdurchschnittlichen Produktivitätszuwächse etwas mehr zu erwarten. Dagegen rechne er im öffentlichen Dienst wegen der angespannten Staatsfinanzen mit etwas weniger.

Die Eintrübung der Konjunktur dürfte nach Einschätzung Döhrns die Argumentationsgrundlage der Gewerkschaften weiter verschlechtern. “Eigentlich ist das mit dem tollen Aufschwung schon Geschichte”, sagte er. Die harte Rhetorik und Streikdrohungen zu Beginn der Tarifrunde dürften aber nicht überbewertet werden. “Das ist zunächst einmal deren Job”, sagte er über den Schlagabtausch zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Am Schluss werde es wie immer eine Einigung geben.

“Dabei dürfte ein Paket herauskommen, in dem es nicht nur um Lohnsteigerungen geht, sondern beispielsweise auch um Laufzeiten und Einmalzahlungen. Damit kann man einiges kaschieren”, sagte Döhrn. “Dann können die einen sagen, dass sie etwas für die Beschäftigten rausgeholt haben, und die anderen, dass sie das Schlimmste verhindert haben.”

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