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Taiwanerin dokumentiert ihren Selbstmord live

© AP, dapd

27.03.2012

Facebook Taiwanerin dokumentiert ihren Selbstmord live

Chatpartner der jungen Frau riefen mehr als eine Stunde lang keine Hilfe.

Taipeh – Eine Taiwanerin hat über das soziale Netzwerk Facebook ihren eigenen Selbstmord live dokumentiert. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, nahm sich Claire Lin bereits am 18. März – ihrem 31. Geburtstag – durch das Einatmen giftiger Dämpfe das Leben. Während des mehr als eine Stunde dauernden Prozesses chattete sie über Facebook den Angaben zufolge mit neun Freunden, von denen keiner die Polizei alarmierte. Grund des Suizids könnte ersten Ermittlungen zufolge Liebeskummer gewesen sein.

Mithilfe eines Holzkohlegrills erzeugte die Taiwanerin in ihrem Zimmer so lange Rauch, bis sie daran erstickte. Das zeigen zwei Fotos, die die junge Frau selbst von ihrem Mobiltelefon aus ins Internet stellte. Das Protokoll der Facebook-Chats dokumentiert zudem vereinzelte Versuche ihrer Freunde, Lin zur Beendigung der Aktion zu bewegen. So heißt es dort: „Sei vernünftig, mach das Fenster auf, mach das Feuer aus, bitte, ich bitte dich.“

Der Verfasser dieser Zeilen, Chung Hsin, der es ebenfalls versäumte, die Polizei während des 67 Minuten andauernden Erstickungsprozesses zu alarmieren, war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Die letzten Worte des Opfers bei Facebook lauteten den Angaben nach: „Zu spät. Mein Zimmer ist voller Rauch. Ich habe gerade noch ein Foto hochgeladen. Noch während ich sterbe, will ich FB (Facebook). Das muss FB-Gift sein. Haha.“

Die Auswertung von Facebook-Einträgen des Opfers weist laut Polizei darauf hin, dass die junge Frau unglücklich war, weil ihr Freund sie ignoriert hatte und an ihrem Geburtstag nicht nach Hause gekommen war. Der junge Mann fand die Leiche seiner Freundin nach Angaben der Familie Lins am Morgen nach dem Unglück.

Er bedauerte, dass keiner ihrer Facebook-Freunde die Polizei gerufen habe. Aufgrund der Natur sozialer Netzwerke könne es jedoch auch schwierig sein, den aktuellen Aufenthaltsort von befreundeten Personen zu kennen, sagte der Freund.

Der Soziologe Chai Ben-rei von der Feng Chia Universität in Taipeh warnte dagegen vor sozialer Isolation im Internetzeitalter. „Der virtuelle Charakter des Internets kann die Menschen dazu verleiten, die Echtheit dessen, was sie sehen, anzuzweifeln, sodass sie es versäumen zu handeln“, sagte der Wissenschaftler.

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