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Südflügel des Hauptbahnhofs wird abgerissen

© dapd

30.01.2012

Stuttgart 21 Südflügel des Hauptbahnhofs wird abgerissen

Protest der “Stuttgart 21″-Gegner bleibt friedlich.

Stuttgart – Für das Bahnprojekt “Stuttgart 21″ muss nun auch der Südflügel des Hauptbahnhofs weichen. Am Montagnachmittag begannen unter dem Protest von Projektgegnern Bagger damit, auch den zweiten Seitenflügel des Gebäudes abzureißen. Die Lage blieb weitgehend ruhig. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte kurz zuvor einen Eilantrag gegen den Abriss abgelehnt.

Für “Stuttgart 21″ müssen beide Seitenflügel des alten Bahnhofes abgerissen werden. Bei den Arbeiten kam schweres Gerät zu Einsatz. Um kurz vor 15.00 Uhr brach ein Bagger mit einer Abrisszange die ersten Stücke aus dem Gebäude. Mit einem Wasserstrahl wurde die Staubentwicklung gedämpft.

Der Abriss des Nordflügels war im August 2010 von heftigen Protesten begleitet worden. Mitte Januar hatten 1.700 Polizisten die Einrichtung der Baustelle am Südflügel abgesichert. Seitdem liefen die Entkernungsarbeiten. Der Abriss soll rund acht Wochen dauern. Bäume sollen für diesen Teil der Baustelle zunächst nicht gefällt werden.

Mehrere “Stuttgart 21″-Gegner blockierten in der Nacht zu Montag die Straße am Südflügel. Am Vormittag räumte die Polizei die Umgebung und führte etwa 20 Blockierer weg, 17 mussten weggetragen werden. Nach Angaben von Polizei und “Parkschützern” verlief alles friedlich.

Auch als die Abrissarbeiten begannen, blieb die Situation ruhig. Zu einem Zwischenfall kam es, als ein 55 Jahre alter Mann über ein Absperrgitter sprang und auf den Bauzaun zurannte. Er wurde von Einsatzkräften der Polizei gestoppt. Weil sich der Mann gegen die Beamten wehrte, erhielt er eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Viele der etwa 100 Demonstranten waren erbost und reagierten mit Trillerpfeifen und Pfiffen, als die ersten Teile des Gebäudes fielen. “Stuttgart 21″-Sprecher Wolfgang Dietrich wurde mit wütenden “Hau ab”-Rufen empfangen. Ein Teilnehmer hielt ein Plakat mit dem Konterfei des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz in den Händen, an dem er Trauerflor angebracht hatte.

Der Enkel des Bahnhofsarchitekten Bonatz, Peter Dübbers, hatte noch zusammen mit fünf anderen Stuttgarter Bürgern mit einem Eilantrag vor Gericht versucht, die Bauarbeiten zu stoppen, solange “Stuttgart 21″ nicht vollständig genehmigt ist. Dübbers war bereits im November vergangenen Jahres vor dem Bundesgerichtshof mit dem Versuch gescheitert, den Abriss des Südflügels zu verhindern.

Der Verwaltungsgerichtshof erklärte zur Begründung, in einem Planfeststellungsverfahren könne sich Dübbers nicht auf das Urheberrecht seines Großvaters berufen. Der VGH stellte allerdings klar, dass der Eilantrag auch dann erfolglos geblieben wäre, wenn Dübbers geerbtes Urheberrecht als Grundlage für dessen Begehren in Betracht gekommen wäre. So hätte man der Bahn nur dann einen Weiterbau untersagen können, wenn der Planfeststellungsbeschluss in Teilen wieder hätte geändert werden müssen. Der VGH-Beschluss ist nach Gerichtsangaben unanfechtbar.

Indes ist weiter unklar, wann die Bäume im Stuttgarter Schlossgarten gefällt oder umgesetzt werden sollen. Nach Angaben des Projektbüros ist damit in den nächsten zwei Wochen zu rechnen. Die Polizei bereitet derzeit ihren Einsatz zur Absicherung der Baustelle vor.

Vor der geplanten Umsetzung von 68 sowie der Fällung von 109 Bäumen muss das Protestcamp der “Stuttgart 21″-Gegner geräumt werden. Das Verwaltungsgericht Stuttgart und das Eisenbahn-Bundesamt hatten vergangene Woche grünes Licht für die Maßnahmen gegeben.

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