Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Vom Star zum mutmaßlichen Todesschützen

© 2013 AP. All rights reserved

14.02.2013

Oscar Pistorius Vom Star zum mutmaßlichen Todesschützen

Der Paralympics-Sieger wird des Mordes an seiner Freundin verdächtigt.

Johannesburg – Ein südafrikanisches Idol steht plötzlich unter Mordverdacht: Der Leichtathlet und Paralympics-Sieger Oscar Pistorius soll seine Freundin erschossen haben. Nach einer Nacht hinter Gittern muss sich der von Medien als „schnellster Läufer ohne Beine“ gefeierte Sportler nun am Freitagmorgen vor Gericht verantworten. Da die Polizei von Mord ausgeht, wird mit einer entsprechenden Anklage der Staatsanwaltschaft gerechnet. Die Hintergründe des blutigen Vorfalls, der sich am Donnerstag in Pistorius‘ Haus in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria abspielte, sind noch unklar.

Eine Polizeisprecherin bestätigte am Donnerstag nur, dass sich ein Mordverdächtiger im gleichen Alter wie Pistorius (26 Jahre) in Untersuchungshaft befinde und auf forensische Spuren untersucht werde. Der volle Name des Verdächtigen werde jedoch erst veröffentlicht, wenn dieser vor Gericht stehe. Der Gang vor den Haftrichter war erst für Donnerstag angesetzt, dann jedoch auf Freitag verschoben worden.

Die Polizei bestätigte, dass nur Pistorius und seine Freundin – das bekannte Fotomodel Reeva Steenkamp – im Haus waren, als die Schüsse fielen, wie der Fernsehsender Sky News berichtete. Damit wäre eine Beteiligung Dritter ausgeschlossen. Zudem habe es keine Zeichen eines Einbruches gegeben. Nach Polizeiangaben war es darüber hinaus nicht der erste Fall von häuslicher Gewalt bei Pistorius, der wegen seines markanten Äußeren – er sprintet wegen seiner amputierten Unterschenkel auf künstlichen Stelzen – und sportlichen Erfolge als nationalen Ikone in Südafrika gilt.

Verwechslung mit einem Einbrecher?

Rettungskräfte waren am Donnerstag in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) zu Pistorius‘ Haus gerufen worden und hatten dort die angeschossene Frau vorgefunden. Insgesamt sei vier Mal auf die Frau geschossen worden, die noch am Tatort starb – die Kugeln hätten sie am Kopf und am Arm getroffen, hieß es seitens der Polizei.

In den Medien war zunächst spekuliert worden, dass Pistorius seine Partnerin versehentlich erschossen haben könnte. Die Tageszeitung „Beeld“ berichtete auf ihrer Website, dass Pistorius seine Freundin mit einem Einbrecher verwechselt und aus Selbstschutz geschossen habe. Weder der Sportler noch sein Anwalt äußerten sich dazu. Die Polizei zeigte sich aber „sehr überrascht“ über diese Berichte und stellte klar, sie ermittle wegen Mordes.

„Unsere Herzen sind gebrochen“

Die Modelagentur des Opfers schrieb auf ihrer firmeneigenen Facebook-Seite, Steenkamp werde von allen Mitarbeitern sehr vermisst werden. „Unsere Herzen sind gebrochen“, hieß es in der Mitteilung. „Unsere Gedanken, Gebete und unser Mitgefühl sind bei ihrer Familie und ihren Freunden.“

Pistorius, der wohl bekannteste „Blade Runner“ der Welt, hatte bei den Paralympics in London voriges Jahr Gold über 400 und 4×100 Meter Staffel gewonnen. Der Sportler, der mit verkümmerten Beinen geboren wurde und nun auf zwei Prothesen läuft, machte sich nicht zuletzt einen Namen, weil er 2012 auch an den Olympischen Sommerspielen für Nichtbehinderte mit bemerkenswertem Erfolg teilgenommen hatte und erst im Halbfinale über 400 Meter ausschied.

Debatte über Waffengesetze

Der sogenannte „Valentinsmord“, wie viele englischsprachige Medien den Todesfall am 14. Februar bezeichneten, hat in Südafrika zudem eine Debatte über die Waffengesetze des Landes angestoßen. Die Nichtregierungsorganisation „Gun Free South Africa“ forderte am Donnerstag erneut ein Verbot von Schusswaffen für Privatleute. Südafrikas Gesetzgebung verlangt zwar eine Schusswaffenlizenz, und niemand unter 21 Jahren darf im Besitz einer Waffe sein. Waffengegner beschweren sich jedoch über laxe polizeiliche Kontrollen.

Die internationale Organisation „GunPolicy“ schätzt, dass in Südafrika etwa jeder Zwölfte illegal im Besitz einer Waffe ist. Darüber hinaus gebe es mehr als 3,7 Millionen registrierte Waffen in dem Land, das rund 52 Millionen Einwohner zählt. Ob Pistorius eine Waffenlizenz hatte oder nicht, muss noch ermittelt werden.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© 2013 AP. All rights reserved / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/suedafrika-vom-leichtathletik-star-zum-mutmasslichen-todesschuetzen-60283.html

Weitere Nachrichten

Polizei

© ank / newsburger.de

Getöteter Fünfjähriger in Viersen Jugendamt soll von Problemen in Familie gewusst haben

Im Fall des in Viersen gewaltsam ums Leben gekommenen Luca war den Behörden offenbar schon länger bekannt, dass es Probleme in der Familie des ...

Scary Clown

© Graeme Maclean - Flickr: bad clown / CC BY 2.0

NRW-Innenministerium „Horrorclowns sind sadistisch“

Das nordrhein-westfälische Innenministerium nimmt die Attacken der sogenannten Horrorclowns sehr ernst. "Es ist kein Spaß, andere Menschen verkleidet und ...

Frau Füße

© fraschei - Fotolia.com

Studie Deutschland hat weniger Sex – bis auf die Älteren

Zwei Drittel aller Deutschen sind sexuell aktiv - weniger als vor zehn oder 20 Jahren. Das liegt vor allem an der zunehmenden Unlust junger Singles. ...

Weitere Schlagzeilen