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Pistorius weist Mordvorwürfe unter Tränen zurück

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19.02.2013

Südafrika Pistorius weist Mordvorwürfe unter Tränen zurück

Der südafrikanische Leichtathlet soll seine Partnerin erschossen haben.

Johannesburg/Pretoria – Oscar Pistorius sackte in sich zusammen. Die Tränen rollten über sein Gesicht. Der unterschenkelamputierte Starathlet aus Südafrika konnte seine Gefühle bei der gerichtlichen Anhörung am Dienstag nicht verbergen, als die Staatsanwaltschaft vorbrachte, sie wolle ihn der vorsätzlichen Tötung an seiner Freundin Reeva Steenkamp anklagen. Zunächst sollte darüber entschieden werden, ob der Spitzenathlet gegen Kaution freigelassen wird.

Auch seinem Vater und Bruder sowie der Schwester, die in der ersten Reihe des zum Bersten vollen Gerichtssaals in Südafrikas Hauptstadt Pretoria saßen, liefen die Tränen die Wangen herab, twitterten Korrespondenten zahlreicher Medien während der Anhörung. In einer kurzen Pause, umarmten sich die Familienmitglieder und stießen Stoßgebete gen Himmel.

Doch die erfahrene Mannschaft der Verteidigung unter Anwalt Barry Roux musste am ersten Tag der Anhörung eine erste Schlappe einstecken: Roux gelang es nicht, den Richter davon zu überzeugen, dass die Beweislage keine Anklage auf vorsätzliche Tötung zulasse. Staatsanwalt Garrie Nel hielt dagegen, dass es genügend Hinweise gebe, warum es sich seiner Meinung nach um eine vorsätzliche Tötung handelt.

Freunde bezeugen Liebe

Nel führte aus, dass Pistorius in den frühen Morgenstunden des Valentinstags seine zwei Prothesen angelegt habe, sieben Meter Richtung Badezimmertür gelaufen sei und dann vier Schüsse durch die geschlossene Tür abgefeuert habe. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass sich das Paar am Abend zuvor lautstark gestritten habe.

Pistorius‘ Anwalt wiederum verlas die Aussagen von Freunden, die allesamt bezeugen sollten, wie verliebt Pistorius und Steenkamp gewesen seien und dass es keinerlei Hinweise auf Zwist gegeben habe. Zu seinem Freund Justin Divaris soll Pistorius demnach gesagt haben, „dies könnte das Mädchen zum Heiraten sein“ und Steenkamps beste Freundin Samantha Greyvenstein sagte aus, dass Steenkamp ihr gegenüber gesagt habe, Pistorius behandele sie „wie Gold“. Sie würde ihn heiraten, wenn er sie frage. Bereits am Wochenende hatten Mitglieder der Familie Pistorius gesagt, dass das Paar „Pläne für die Zukunft“ gehabt habe.

Der mehrfache Goldmedaillengewinner bei Paralympischen Spielen erklärte in einer vom Anwalt verlesenen Aussage: „Ich hatte nicht die Absicht, meine Freundin zu töten.“ In der Tatnacht habe er Geräusche aus dem Badezimmer gehört. Da er Morddrohungen erhalten habe, habe er Angst um sich und Steenkamp gehabt. Er habe seine Pistole unter dem Bett hervor geholt und Steenkamp, die er im Bett vermutete, zugerufen, sie solle die Polizei holen. Dann nahm er seine Waffe und schoss auf die verschlossenen Toilettentür.

Freilassung scheint unwahrscheinlich

Erst als er merkte, dass seine Freundin nicht im Bett lag, sei ihm klar geworden, dass sie in der Toilette gewesen sein könnte. Er habe seine Prothesen angelegt, und versucht, die von innen verschlossene Badezimmertür mit einem Cricketschläger aufzubrechen. Da sei Steenkamp noch am Leben gewesen.

Pistorius gab weiter an, er habe sie retten wollen, aber sie sei in seinen Armen gestorben. „Ich kann nicht ertragen, wie viel Leid ich ihr und ihrer Familie zugefügt habe“, so der 26-jährige. Dennoch glaube er fest daran, dass die forensischen Untersuchungen seine Version der Geschichte bestätigen würden.

Vor dem Gerichtsgebäude protestierten Frauenrechtlerinnen mit Plakaten: „Keine Freilassung bis er für unschuldig befunden ist.“ Die Anhörung auf Freilassung auf Kaution wird an diesem Mittwoch fortgesetzt. Es dürfte für Anwalt Roux jedoch schwer werden, seinen hochkarätigen Mandanten freizubekommen. Nur nachweisbar „außerordentliche Umstände“ könnten erwirken, dass Pistorius nicht noch weitere Zeit hinter Gittern verbringt.

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