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Pistorius‘ Kampf um die Glaubwürdigkeit

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20.02.2013

Südafrika Pistorius‘ Kampf um die Glaubwürdigkeit

Zweiter Tag der Anhörung geht ohne Entscheidung zu Ende.

Pretoria – Der zweite Tag der Anhörung im Falle des mordverdächtigen Sportlers Oscar Pistorius war eine Beweisschlacht. Anklage und Verteidigung schlugen sich bereits detaillierte Argumente verbal um die Ohren. Dabei ging es bei der Anhörung in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria am Mittwoch zunächst nur um die Frage, ob Pistorius, der seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag erschossen haben soll, auf Kaution frei kommt.

Der unterschenkelamputierte Paralympics-Star konnte das Wortgefecht zwischen Verteidigung, dem ermittelndem Polizisten Hilton Botha und Staatsanwaltschaft offenbar kaum ertragen. „Pistorius schluchzte haltlos, saß zusammengesackt und vornüber gebeugt auf der Anklagebank“, berichtete die Reporterin des afrikanischen Senders eNCA.

Polizei schenkt Pistorius‘ Version keinen Glauben

Polizist Botha versuchte Medienberichten zufolge in der Anhörung, die Glaubwürdigkeit der Aussagen von Pistorius zu erschüttern. „Das war auf keinen Fall Selbstschutz“, sagte er. Nach allem was er am Tatort gesehen habe, glaube er nicht an Pistorius‘ Version der Vorgänge.

Pistorius hatte in seiner am Dienstag verlesenen Erklärung angegeben, er habe Geräusche in der Toilette gehört und angenommen, dass ein Einbrecher darin sei. Seine Freundin vermutete er im Bett. In Angst habe er – ohne zuvor seine Prothesen anzulegen und das Licht einzuschalten – auf die verschlossene Tür zur Toilette geschossen. Erst danach sei ihm aufgegangen, dass die 29-Jährige nicht im Bett sondern in der Toilette gewesen sei.

Botha hielt dagegen, dass er aufgrund des Einschusswinkels glaube, dass Pistorius dabei seine Prothesen getragen habe. Zudem wollen Zeugen Licht in Pistorius‘ Haus gesehen haben. Auch soll jemand gehört haben, dass dort gestritten worden sei.

Laut Botha stellte die Polizei Munition im Safe von Pistorius sicher, für die der Sprinter keine Lizenz hatte. Auch zwei Flaschen mit dem Hormon Testosteron seien sichergestellt worden.

Verteidiger kritisiert Fehler in der Polizeiarbeit

Verteidiger Barry Roux wies dies zurück und versuchte, Fehler in der Ermittlung hervorzuheben. Bei dem Mittel habe es sich um eine pflanzliche Arznei gehandelt und die Munition gehöre Pistorius‘ Vater, sagte er.

Außerdem zweifelte er die Glaubwürdigkeit einer Zeugin Bothas an, die Schreie gehört haben soll. „Wie weit entfernt wohnt die Zeugin?“, fragte er. Botha antwortete, ihr Haus sei 600 Meter entfernt, woraufhin Reportern zufolge Gelächter im Gerichtssaal ausbrach. Pistorius verkrampfte Gesichtszüge entspannten sich in Folge etwas, berichteten die Korrespondenten. Später korrigierte Botha die Angabe auf 300 Meter herunter.

Roux kritisierte weiter, das Ermittlerteam habe ein Geschoss in der Toilettenschüssel übersehen und fragte Botha, warum er keine Schutzschuhe getragen habe. Der Polizist konnte darauf nur antworten: „Wir hatten gerade keine“.

Prozessbeobachter zeigten sich erstaunt, dass in einer Anhörung, in der es um eine Freilassung auf Kaution gehen sollte, bereits so viele Indizien und Beweise angebracht wurden. Eine Entscheidung über die Frage, ob Pistorius auf Kaution frei gelassen wird, fiel am Mittwoch noch nicht. Die Anhörung soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Pistorius, der auf zwei Prothesen läuft, hatte bei den Paralympics in London im vergangenen Jahr Gold über 400 Meter und in der Staffel über 4 x 100 Meter gewonnen. Als wohl bekanntester „Blade Runner“ der Welt sorgte er zudem international für Schlagzeilen, als er 2012 auch an den Olympischen Sommerspielen für Nichtbehinderte mit bemerkenswertem Erfolg teilnahm und erst im Halbfinale über 400 Meter ausschied.

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