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Suche nach Panzerresten von 1945 geht weiter

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21.02.2012

Rostock Suche nach Panzerresten von 1945 geht weiter

Russische Soldaten kamen bei Brückensprengung ums Leben – Beisetzung in Rostock geplant.

Rostock – Der erste Panzer der Roten Armee, der am 1. Mai 1945 nach Rostock rollte, passierte nicht einmal die Stadtmauer. Als die Besatzung des T-23 unter Kommando von Wassili Kriwentsow einen Schuss abgab, explodierte die mit Sprengladungen versehene Brücke an der Zufahrtsstraße zur Innenstadt und zerriss den Panzer. Erst mehr als 60 Jahre später kam bei Bauarbeiten an der Brücke der Panzerturm mit Geschützrohr und menschlichen Überresten wieder ans Tageslicht. Nicht nur für die Angehörigen der Toten gebe es jetzt Gewissheit, sagte ein Sprecher der Russischen Botschaft. Auch Rostock kann eine Lücke in seiner Geschichtsschreibung schließen.

Am Dienstag wurden nach mehrwöchiger Winterpause die Sucharbeiten wieder aufgenommen, nachdem die Panzeraufbauten schon im November des Vorjahres geborgen wurden. “Es ist fraglich, ob wir noch die Panzerwanne finden”, sagte Joachim Kozlowski, Umbetter vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der die Grabungen verfolgt. “Augenzeugen haben uns gesagt, dass der Panzer in mehrere Stücke gerissen wurde.” Laut Einsatzbefehl saßen mindestens fünf Soldaten im Panzer, bislang sind nur die Gebeine des Ladeschützen und des Funkers gefunden worden.

Großes Interesse in der Heimat der Soldaten

Der Zufallsfund hatte vor allem in der Heimat der russischen Soldaten großes Aufsehen erregt. Es seien die nächsten Angehörigen ausfindig gemacht worden, sagte Wladimir Kukin, Büroleiter für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland, der am Dienstag mit einem Dutzend russischer Medienvertreter die Grabungsarbeiten verfolgt. Demnach waren die Soldaten 20, 21 und 27 Jahre alt, der Kommandeur 31.

“Das hier war eine sehr große Überraschung für uns, was für ein Fund”, sagt Kukin weiter. Die betroffenen Familien hätten bislang nichts vom Verbleib der Männer gewusst, sie galten als vermisst und wurden postum mit dem Orden des Vaterländischen Krieges ausgezeichnet. “Wir würden zustimmen, dass die Gebeine in Rostock beerdigt werden”, sagte Kukin. Die Panzerreste allerdings blieben russisches Eigentum. Ob sie in Rostock oder aber – wie schon einmal ins Gespräch gebracht – im Dresdner Militärhistorischen Museum ausgestellt werden dürfen, ließ Kukin offen.

Wenig Hoffnung auf Fund der Panzerwanne

Die Hoffnung darauf, dass der Rest des Panzers mit den weiteren Besatzungsmitgliedern gefunden wird, wurde schon vom Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern gedämpft. “Wir haben mehrere metallische Objekte in etwa eineinhalb Metern Tiefe gefunden”, sagte Leiter Robert Mollitor. “Von der Größe her ist das aber keine Panzerwanne.”

Für Rostocker Historiker sind die Ergebnisse dennoch eine Fundgrube. Während der Grabungsarbeiten meldeten sich viele Zeitzeugen, deren Erinnerungen eine nahezu lückenlose Chronik des 1. Mai 1945 gestatteten. Zu ihnen gehörte auch der 76-jährige Rostocker Gerhard Holtz, der die Sprengung des Panzers als Zehnjähriger erlebte. “Als Kind war man Krieg gewohnt, aber jetzt kommt die Zeit wieder hoch”!, sagt er. Auf der Baustelle zeigte er den Arbeitern, wo weitere Teile des Panzers liegen könnten.

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